06.07.2018 - 14:10 Uhr
Oberpfalz

Mit „Bushmen“, aber ohne Rasierer

Rothenstädter Extrem-Radsportler Wolfgang Stöckl hat ein Drittel seiner 3333 Kilometer langen Nordkap-Tour bereits absolviert – pannenfrei. Dennoch kommen kleine Zweifel auf, ob in 18 Tagen – wie geplant – schon alles vorbei ist.

Schwedens Natur ist atemberaubend: „Am liebsten würde ich bei jeden See stehen bleiben und fotografieren“, schwärmt Wolfgang Stöckl.
von Autor LSTProfil

Irgendwo im schwedischen Nirgendwo – in einer zwei auf zwei Meter großen Stuga, einem Ferienhaus aus Holz, legt Wolfgang Stöckl, passionierter Biker, Extremsportler und ehemaliger Paralympics-Teilnehmer aus Rothenstadt, die Beine hoch. Es ist eng, nur zweckmäßig eingerichtet, und das Rad des 51-Jährigen mit dem gesamten Gepäck muss auch noch Platz finden. „Luxus sieht anders aus. Aber auch das gehört zu so einer Tour einfach dazu“, sagt er.

„Natur ist der Hammer“

Eine gewisse Leidensfähigkeit brauchen Menschen wie Wolfgang Stöckl. Trotz aller Entbehrungen gewinnen sie dafür vielen anderen Dingen Positives ab. „Am liebsten würde ich bei jedem See stehen bleiben und Fotos machen“, schwärmt der 51-Jährige. „Die Natur ist der Hammer.“ Sie hat aber auch ihre Nachteile. Denn im Sommer sind in Schweden die Moskitos wirklich eine Plage.

Stöckl, der täglich via Whatsapp und Facebook Freunde und Familie über seine am 29. Juni gestartete, 3333 Kilometer lange Radtour zum Nordkap auf dem Laufenden hält, kann sich allerdings auf den Rat eines Bekannten verlassen. Das Insektenschutzmittel „Bushmen“ sorgt bei den kleinen Plagegeistern für Abhilfe. „Jetzt lassen mich die Mücken endlich in Ruhe“, scherzte der Rothenstädter am Mittwochabend, als er in Nyköpping den sechsten Tag seiner 18-tägigen Reise beendete.

„Ich fühle mich gut“, sagt er nach rund einem Drittel seines Trips, bei dem er als erster einarmiger Sportler alleine ans Nordkap radeln will. Da ist das Problem, dass er trotz aller sorgfältigen Planungen im Vorfeld seinen Rasierer zu Hause vergessen hat, eher nebensächlich. „Ich schau grad a bisserl wild aus“, gesteht er ein.

Egal, viel wichtiger ist, dass Wolfi Stöckl bislang ohne jegliche Panne über die Runden gekommen ist. „Es läuft richtig gut“, berichtet er, als er auf den Tacho seines vollbepackten Ghost-Bikes schaut. Nach rund einem Drittel zeigt der absolvierte 1307 Kilometer und 7957 Höhenmeter an.

Grenzen überschreiten

„Ich wollte und will immer noch Grenzen überschreiten, neue Herausforderungen suchen“, hatte der Rothenstädter im Vorfeld seiner Tour, die er fünf Jahre lang geplant und vorbereitet hat, erklärt. Die hat er nun definitiv gefunden. „Die ersten Tage waren hart“, zieht Stöckl ein erstes kleines Resümee. „Schnurgerade Straßen und der Gegenwind haben mich schon etwas zermürbt.“

Teilweise seien auf dem Weg in Deutschlands Norden die Straßen schon sehr schlecht gewesen. „Ich musste viel auf Kopfsteinpflaster fahren. Das erinnerte irgendwie an den Rad-Klassiker Paris-Roubaix“, blickt der 51-Jährige zurück. Es gibt sie also doch – die kleinen Zweifel, die Reise im veranschlagten Zeitfenster von 18 Tagen zu schaffen. „Das ist normal, dass man Höhen und Tiefen durchlebt“, weiß Stöckl. „Alleine auf dem Rad unterwegs, da hat man viel Zeit zum Nachdenken.“

Stöckl grübelte auch am Mittwoch, als er in Schweden die schier endlose Landstraße E4 N, die parallel zur Autobahn E4 verläuft, entlangfuhr. „Ich weiß nicht, ob ich das Ganze zeitlich so hinbringe, wie ich mir das vorgestellt habe. Zumal erst in der zweiten Reise-Hälfte die wirklichen Herausforderungen und die großen Höhenunterschiede auf mich warten“, schaute er etwas skeptisch nach vorne.

Die negativen Gedanken waren jedoch schnell verflogen, als er auf dem Weg nach Nyköpping teilweise Rückenwind hatte. Am Donnerstag ging es dann weiter nach Stockholm, wo er einen Freund besuchte, hier war ursprünglich auch ein Erholungstag eingeplant. Doch der muss warten: „Ich glaube, ich verschiebe den noch. Denn das Wetter ist jetzt perfekt“, sagt Stöckl. Dies bedeutet aktuell auch einen Unsicherheitsfaktor weniger, über den sich der 51-Jährige im Vorfeld doch Sorgen gemacht hatte.

Neue Kraft tanken

Nachdem er pünktlich am 29. Juni um 6 Uhr morgens in Rothenstadt gestartet war, ging die Reise bis Mittwochabend über Weißenfels nach Pritzwalk zur Fähre nach Schweden. Dann weiter nach Skolvänga, Jönköpping und schließlich nach Nyköpping, ehe er eben in Stockholm Station macht und bei der Übernachtung bei einem Bekannten sicherlich wieder etwas mehr Komfort vorfindet und so neue Kraft für den Rest der Nordkap-Tour tanken kann.

Bisher läuft alles nach Plan: Vergangenen Mittwochabend kam der Rothenstädter Extrem-Radler Wolfgang Stöckl in Nyköpping an – das erste Drittel des 15-tägigen Trips zum Nordcap ist absolviert.
Endlose Weiten: Wolfgang Stöckl radelt aktuell die meiste Zeit auf den langen und geraden Landstraße E4 N.
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