29.06.2018 - 11:23 Uhr
Oberpfalz

Conrads Licht strahlt für Hayag

Hayag heißt auf Philippinisch Licht. Klar, dass ein Verein, der diesen Namen trägt und in dem armen Land ein leuchtendes Beispiel humanitärer Hilfe ist, auch selbst mal einen Lichtblick braucht. Um seine Arbeit weiter ausbauen zu können.

Die Mädchen, die im Haus Hayag wohnen und durch das Engagement aus Amberg und Umgebung zur Schule geschickt werden, strahlen über ihre Zukunftsaussichten. Und sie stützen sich buchstäblich auf den Vereinsnamen, der in der philippinischen Sprache Cebuano Licht bedeutet.
von Thomas Amann Kontakt Profil

(ath) Ein Signal mit Strahlkraft kommt jetzt aus Hirschau. Die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung unterstützt Hayag mit insgesamt 150 000 Euro. "Das ist der goldene Ritterschlag für uns", schwärmt Vorsitzender Siegfried Kreuzer und macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Ohne diese große Finanzspritze hätte sich der Verein die Erweiterung seines Projekts in der zweitgrößten philippinischen Stadt Cebu-City kaum zugetraut. Zumindest solange nicht, bis diese Summe durch Spenden gedeckt ist, die nun in drei Tranchen zu je 50 000 Euro quasi auf einen Schlag kommt. Darüber sind Kreuzer und sein Vorstand so glücklich, dass sie diese Nachricht per Pressegespräch mit der AZ bekanntgaben.

Mit dabei: Michael C. Geiss, der Neffe des Unternehmer-Ehepaars Klaus und Gertrud Conrad, das mit seiner Stiftung sowohl regional und national als auch weltweit in verschiedenen armen Staaten hilft. So wollen die beiden Gründer etwas von dem Erfolg zurückgeben, den sie mit ihrem gleichnamigen Elektronikhandel und Versandhaus erreicht haben. Dabei ist es mittlerweile oft Michael Geiss - auch bekannt als Vorsitzender der Bürgerinitiative Amberg hilft Menschen -, der für seinen Onkel und seine Tante Entwicklungsländer bereist und dort Projekte beurteilt.

Im Falle von Hayag war es jedoch Klaus Conrad selbst, dem der Verein durch einen AZ-Bericht aufgefallen ist. Vor allem der darin angekündigte große Wunsch nach einer Erweiterung des bestehenden Wohnheims für Schülerinnen beeindruckte ihn, zumal die Conrad-Stiftung auf den Philippinen bereits ein Projekt der Ambergerin Marilou Amann fördert. Die gebürtige Filipina unterstützt ebenfalls junge Leute mit Schul- und Ausbildungspatenschaften und führt in Slum- und Notstandgebieten - zuletzt beim Asche und Feuer speienden Vulkan Mayon in einem unterversorgten Evakuierungscenter - Armenspeisungen durch. Weil das ein ähnlicher Ansatz ist und zudem ein anderes Projekt in Afrika auslief, entschied die Conrad-Stiftung laut Geiss, sich weiter auf den ebenso notleidenden Philippinen zu engagieren.

Wobei Hayag bereits gute Strukturen vor Ort hat, die aber nun 14 Jahre nach der Vereinsgründung (einst in Bochum, seit sieben Jahren befinden sich Sitz und zentrale Aktivitäten in Amberg) ausgebaut werden sollen. Genauer gesagt geht es um eine Verdopplung der bisherigen Leistungen, schildert Siegfried Kreuzer und hebt als dicksten Brocken einen geplanten Neubau hervor: Das Haus Hayag, das 2014 gekauft und als (Wohn-)Heim für rund 40 Mädchen eingerichtet wurde, soll mit einem zweiten Gebäude ergänzt werden und so fast auf die doppelte Fläche von 400 Quadratmetern wachsen. Das ist laut Kreuzer auf dem vorhandenen Grundstück sozusagen im Innenhof möglich, der überbaut wird und durch eine Art Einlieger-Konstruktion dennoch Freiraum im Parterre lässt. Die Entwürfe dafür sind fertig und müssen nun nur noch umgesetzt werden.

Siegfried Kreuzer rechnet mit Gesamtkosten von rund 200 000 Euro. Durch die Conrad-Spende, die bereits drei Viertel davon abdeckt, und weitere Zusagen haben er und sein Vorstand den Mut gefasst, nun die Realisierung anzupacken. Im Herbst soll der Bau starten und voraussichtlich schon im Frühjahr nächsten Jahres fertig sein. Statt bisher 40 können dann 80 Mädchen aufgenommen, versorgt und zur Schule geschickt werden. Nach Auskunft des Vorsitzenden handelt es sich um bedürftige Jugendliche ab 15 Jahren aus ländlichen Regionen, die bereits die High School hinter sich haben, aber talentiert genug sind, um mit dem College bzw. einer Universitätsausbildung weiterzumachen. Nach Abschluss haben sie die Chance, einen guten Beruf zu finden, mit dem sie nicht nur sich selbst, sondern meist auch Eltern und Geschwister versorgen können.

Außerdem möchte Hayag auch seine zwei weiteren Standbeine ausbauen: Die Mädchen des Wohnheims kümmern sich derzeit schon um rund 60 Schüler aus der Umgebung ihres Heims. Ihnen helfen sie bei den Hausaufgaben und vor Prüfungen. Das zweite Haus, das unter anderem einen größeren Saal und den dann überdachten Innenhof haben wird, bietet laut Kreuzer genügend Platz, um hier künftig noch mehr Kinder mit diesem Service zu betreuen.

Apropos: Zum humanitären Service von Hayag gehört es bisher auch, gut 200 Straßenkinder einmal die Woche zu einer warmen Mahlzeit einzuladen. Etwas, das bei höheren Spendeneinnahmen in Deutschland ebenfalls ausgebaut werden, vielleicht sogar in eine tägliche Versorgung übergehen könnte. Das ist zumindest der Wunsch von Siegfried Kreuzer, der bei dieser Gelegenheit hervorhebt, dass fürs "Operative", sprich den laufenden Betrieb, durchaus ständig weiter Gelder benötigt werden. Die Großspende der Conrad-Stiftung und weitere genannte Zusagen fließen nun erst einmal in den Neubau und sind dann praktisch verbraucht.

Bald nach Bauauftakt und wohl auch zur Fertigstellung wollen der Vorsitzende und Michael C. Geiss nach Cebu-City fliegen und sich das Werk mit eigenen Augen anschauen (Kreuzer war zuletzt erst Anfang Mai vor Ort). Außerdem betont Hayag, dass seine Arbeit seit langem eng mit der philippinischen Sozial- und Jugendbehörde abgestimmt ist, die regelmäßig kontrolliert und damit die Qualität der Einrichtung sicherstellt. Deshalb findet auch Michael C. Geiss das gesamte Projekt "schlüssig und glaubwürdig" - Grund für die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung, derart überzeugt einzusteigen.






Siegfried Kreuzer (rechts) erzählt voller Enthusiasmus vom Hayag-Engagement auf den Philippinen. Auch Michael C. Geiss (links) hat ein großes Herz für das arme Land, nachdem die Conrad-Stiftung dort bereits das Projekt der Ambergerin Marilou Amann fördert.

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