13.03.2020 - 16:01 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Coronavirus: Schulschließungen, Besuchsverbote - Fragen und Antworten

Für Millionen Kinder, Eltern, Kranke und Alte in Bayern wird sich der Alltag in nächster Zeit ändern. Was bedeuten die Beschlüsse der Staatsregierung konkret?

Das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2). Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert.
von Agentur DPAProfil

Bayern zieht die Notbremse. Mit drakonischen Maßnahmen will die Staatsregierung die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen: Alle Schulen und Kitas werden fünf Wochen lang geschlossen, Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen strikt eingeschränkt. Wie das konkret aussieht und welche Folgen das hat, erklärten die Minister, ihre Fachleute und andere Experten.

Was tun Eltern mit kleinen Kindern jetzt?

Ab Montag sind alle Schulen, Kindergärten und Kitas in Bayern geschlossen, bis zum Ende der Osterferien am 20. April. Das hat das Gesundheitsministerium angeordnet. Für Kinder bis zur 6. Klasse werde es eine Notbetreuung dann geben, wenn beide Eltern "in systemkritischem Berufen tätig sind", sagte Kultusminister Michael Piazolo (FW) - also bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Telekommunikation, Energie- und Wasserversorgung, Nahverkehr und Müllabfuhr zum Beispiel. Die Einteilung der Schüler und der Lehrer nimmt die Schulleitung vor. Weil gerade alte Menschen zur Hauptrisikogruppe zählen, sollten Kinder nicht von den Großeltern betreut werden, sagte Ministerpräsident Markus Söder.

Was machen Schüler, die mitten im Abitur stecken?

Die Abschlussprüfungen seien die größte Baustelle, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dem Bayerischen Rundfunk. Das Kultusministerium betonte, den Schülern werde kein Nachteil entstehen. «Es werden derzeit Sonderregelungen entwickelt.» Schulleiter können Lehrer auch zur Unterstützung dieser Schüler heranziehen, ebenso zum Erstellen und Verteilen von Unterrichtsmaterialien.

Können arbeitende Eltern einfach daheimbleiben?

Nein. Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) appellierte an die Arbeitgeber. Arbeitszeiten flexibel zu gestaklten, Homeoffice zu ermöglichen oder Urlaub zu gewähren. Aber ein Anspruch darauf besteht nicht, wie Arbeitsrechtler erklären.

Kann ich meine Oma im Heim oder im Krankenhaus besuchen?

Zum Schutz älterer und kranker Menschen vor einer Ansteckung würden die Besuchsmöglichkeiten an Bayerns Krankenhäusern weitgehend eingeschränkt, sagte Söder. Pro Patient sei ein Besucher pro Tag für jeweils eine Stunde angestrebt, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Mitunter seien Besuche aber aus «humanitären Gründen» weiter notwendig, etwa wenn Kinder in einer Klinik behandelt würden oder jemand im Sterben liege. Auch die Verschiebung von nicht zwingend notwendigen Operationen sei ein wichtiger Schritt, um mehr Personal bereitzustellen.

Könnte plötzlich Strom und Wasser ausfallen?

Die bayerischen Energieunternehmen versprechen eine sichere Versorgung mit Strom, Wasser, Gas und Wärme rund um die Uhr. "Derzeit sehen die Unternehmen kein Risiko für die Versorgungssicherheit", teilte der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft am Freitag in München mit.

Könnte der Supermarkt plötzlich leer sein?

Eric Sucky , Professor für Produktion und Logistik an der Universität Bamberg, sagte: "Durch die spontanen Hamsterkäufe der vergangenen Wochen ist es für Händler derzeit sehr schwierig, ihren Warenbedarf zu kalkulieren." Sein Mitarbeiter Björn Asdecker rechnet "in den kommenden Wochen mit Lieferengpässen und steigenden Einkaufspreisen". Auch Onlinehandel und Zustellbranche bleibe nicht vom Virus verschont.

Um Versorgungsengpässen vorzubeugen, hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) aber das das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen komplett aufgehoben. Die Lockerung gilt bis 29. März, für Transporte von haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln bis 30. Mai. "Damit erleichtern wir den Gütertransport rund um die Uhr auch am Sonntag", sagte Herrmann. "Unser Ziel ist, dass die Geschäfte und Firmen bestmöglich mit Waren beliefert werden können."

Kann ich noch ins Wirtshaus?

Ja. Gaststätten, Restaurants und Bars bleiben offen. Die Seuche stelle die Gastronomie und Hotellerie vor «existenzielle Herausforderungen», erklärte Söder. Es könne aber passieren, dass Gaststätten nicht öffnen, zum Beispiel, weil keine Gäste mehr kommen. Auch Kinos, Diskotheken, Konzertsäle und Theater dürfen grundsätzlich weiter öffnen. Die Staatssregierung empfiehlt allerdings, Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern zu unterlassen. Verboten sind Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern, zunächst bis 19. April .

Wohin wende ich mich mit Fragen?

Für Bürgerinnen und Bürger hat das Gesundheitsministerium eine Telefon-Hotline eingerichtet: 09131 6808-5101.

Was sollten Menschen tun, die fürchten, sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt zu haben?

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