05.03.2021 - 00:36 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Etwas besser auf sich selbst achten

Fit durch die Lehre kommen – So bleiben Auszubildende im Betrieb gesund.

Sicherheit muss sein am Arbeitsplatz - und die nötige Ausrüstung dafür stellt der Arbeitgeber.
von Agentur DPAProfil

Zum Start der Ausbildung sind die meisten hochmotiviert und mit Freude dabei. Doch auch Lehrlinge werden mal krank – manchmal ist ihr eigenes Verhalten die Ursache, manchmal hat der Arbeitgeber nicht aufgepasst. Wer auf sich selbst Acht gibt, ist schon gut gerüstet. Mit der Ausbildung beginnt für viele junge Menschen der Ernst des Lebens. Sie müssen nicht nur jeden Tag pünktlich und zuverlässig die ihnen übertragenen Aufgaben erledigen, sie sind auch noch mehr als bisher für ihre Gesundheit verantwortlich. Denn wer krankheitsbedingt fehlt, verpasst womöglich wichtige Ausbildungsinhalte und schafft am Ende deswegen vielleicht seine Prüfungen nicht.

Daher sollten sich Azubis gut überlegen, ob sie jeden Abend feiern gehen können und wie sie am besten dauerhaft fit bleiben. Denn das ist oft nicht der Fall: "Jüngere Beschäftigte sind häufiger krank als ältere", heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) in München. Meistens fielen die Jungen allerdings nur kurzfristig aus, während die Älteren öfter längere Zeit krank seien.

Klamotten wechseln

Während viele Experten die häufigeren Krankheitsfälle bei Azubis unter anderem als eine "Frage der Freizeitgestaltung" sehen, vermuten andere auch ein bisschen jugendliche Unvernunft als Ursache: Wer bei körperlicher Arbeit kräftig schwitzt, wechsele anders als erfahrene Kollegen danach nicht unbedingt das Unterhemd, heißt es beispielsweise beim Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW). In feuchten Klamotten kühlt der Körper aber eher aus und öffnet damit Erkältungsviren Tür und Tor.

Aber nicht nur Infektionen machen Jugendlichen in der Ausbildung zu schaffen, auch Unfälle sind ein Grund für Krankschreibungen. "Azubis haben im Durchschnitt häufiger Arbeitsunfälle als ältere Arbeitnehmer", bilanziert die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Der Hauptgrund sei eine mangelnde Kenntnis der Gefahren im Job: Lehrlinge sind neu am Arbeitsplatz, kennen sich oft mit den Sicherheitsvorschriften noch nicht so gut aus und haben keine Routine.

Mal langsam, Jungs!

"Bei jüngeren männlichen Azubis dürften außerdem emotionale Faktoren eine Rolle spielen", vermuten die Experten. Sie stünden oft unter Druck, sich etwas beweisen zu müssen – und neigen dann zu Leichtsinn. "Das Wichtigste ist daher die Schulung und die Unterweisung zum Arbeitsschutz." Ein Arbeitgeber sei aber nicht nur verpflichtet, seinen Mitarbeiter zum Beispiel in den richtigen und sicheren Umgang mit Maschinen oder Hygienevorschriften einzuweisen.

Er müsse auch eine persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Das gilt unabhängig vom Alter des Beschäftigten und der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Dazu gehören etwa Handschuhe, wenn jemand mit Chemikalien arbeitet, Gehörschutz, wenn es am Arbeitsplatz sehr laut ist, und eine Schutzbrille beim Schweißen oder in staubiger Umgebung. Auch ein Mundschutz kann nötig sein, zum Beispiel, wenn bei einem Job im Krankenhaus Infektionsgefahr besteht.

Erste Hürde schon vor dem Start in den Beruf

Manchmal kann es allerdings schon vor Ausbildungsbeginn sein, dass ein Gesundheitsproblem dem Wunschberuf in die Quere kommt: Vor der Einstellung steht für Bewerber unter 18 Jahren die sogenannte Jugendarbeitsschutzuntersuchung an. "Dabei wird geprüft, ob Erkrankungen vorliegen, die den Einsatz im Ausbildungsberuf gegebenenfalls unmöglich machen", erklären Arbeitsmediziner.

"Es geht grundsätzlich nicht darum, auszusieben, sondern dient ausschließlich dem Schutz des Jugendlichen." Als Beispiel nennen sie die Fähigkeit, Farben voneinander unterscheiden zu können, die für Elektriker oder Mechatroniker unabdingbar ist. Denn diese müssen Kabelfarben unterscheiden können, um Geräte richtig und sicher zusammen- oder auseinanderbauen zu können.

Andere Gesundheitsbeschwerden zeigen sich bei Azubis dagegen erst im Laufe der Zeit. "Viele Tätigkeiten sind heute nicht mehr so belastend, dass sofort ein Problem entsteht, wissen die Gesundheitsexperten. Zwar klagen heutzutage auch junge Menschen immer öfter über Rückenschmerzen, doch die Ursachen dafür sind oft schon im Leben vor der Ausbildung zu suchen: zu wenig Bewegung, eine unausgewogene Ernährung und damit verbundenes Übergewicht. "Das drückt sich in mangelnder Körperbeherrschung aus und kann zu Unfällen führen", warnen sie.

Auf Rücken achten

Um etwa Rückenprobleme durch die Aufgaben in der Lehre zu vermeiden, empfehlen Arbeitsmediziner, unbedingt Hilfsmittel zu nutzen, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt. "Beispiel Pflege: Wenn ich einen Pflegebedürftigen umlagern muss, bringt mir eine Hebevorrichtung körperliche Entlastung." Der Azubi dürfe nicht denken: "Das Gerät muss ich mir ja erst noch heranziehen, das ist ein Zeitverlust, ich mache es lieber schnell ohne."

Der Arbeitgeber müsse im Gegenzug vermitteln, dass ihm die Gesundheit seiner Beschäftigten wichtig ist. "In der Ausbildung wird der Grundstein dafür gelegt, dass sich die Leute im späteren Arbeitsleben gesund verhalten." So sollten Lehrlinge auch lernen, wie sie schwere Lasten richtig heben und wie diese am besten rückenfreundlich getragen werden.

Ein laut Betriebsärzten im Laufe der Zeit entstehendes Problem sind Allergien. Angehende Friseure seien damit klassischerweise öfters konfrontiert als Azubis in anderen Branchen: Sie arbeiten mit den Händen viel im Feuchten und kommen in Kontakt mit Duft- und Farbstoffen. Tragen sie nicht von Anfang konsequent Handschuhe, kann sich eine Kontaktallergie entwickeln, die im schlimmsten Fall die Arbeit im Wunschberuf auf Dauer verhindert. Und das macht den Ernst des Lebens dann schnell zum Drama des Lebens.

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