31.07.2019 - 10:30 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Städtebauförderung für 300-Einwohner-Dorf gewünscht

Pressath, Schwarzenbach und Trabitz haben den Sprung in die Städtebauförderung bereits geschafft. Bei der rege besuchten Bürgerversammlung in Dießfurt zeigt sich Bürgermeister Werner Walberer überzeugt, dass das Dorf bald folgen werde.

"Pfunde, mit denen man wuchern kann", sieht Ortsplaner Klaus Stiefler nicht nur in Dießfurts hochwertiger historischer Bausubstanz, sondern auch im Gewässerreichtum der Ortsflur.
von Bernhard PiegsaProfil

„Das Förderprogramm würde viele Möglichkeiten erschließen, diesen Ort noch wohnlicher und menschlicher zu gestalten. Und in diesem Prozess wollen wir keine ‚Alleinschüsse‘ unternehmen, sondern bauen auf die aktive Mitgestaltung durch Sie, die Bürger“, betonte Bürgermeister Werner Walberer in der Bürgerversammlung im Dießfurter Sportheim. Aber warum „Städtebauförderung“ für ein 300-Einwohner-Dorf? Läge die Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm nicht näher?

Dießfurt sei „in der Städtebauförderung am besten aufgehoben“, lautete Ortsplanungsfachmann Klaus Stieflers klares Verdikt. Ein Gang durch den Dorfkern rund um das ortsbildprägende Schlossensemble offenbare einen „mehr als dörflichen“ Ortscharakter: „Wir finden hier wertvolle Baudenkmale und eine hohe städtebauliche Qualität.“ Abgesehen davon gebe es ein spezielles Städtebauförderprogramm für „kleinere Städte und Gemeinden“, in das Pressath, Trabitz und Schwarzenbach aufgrund eines interkommunalen Entwicklungskonzepts einbezogen seien: „Da bietet es sich an, auch Dießfurt mit aufzunehmen.“

Zwei Bescheide der Regierung der Oberpfalz über „vorzeitigen Maßnahmenbeginn“ ließen erwarten, dass der Ort in das Programm aufgenommen werde, schätzte Stiefler. So habe die Regierung den Erwerb des für das neue Feuerwehrhaus vorgesehenen Grundstücks an der Naabstraße und den Abbruch der dort stehenden Gebäude freigegeben. Vor allem aber habe die Behörde den vorbereitenden Untersuchungen für ein Ortsentwicklungs-Gesamtkonzept zugestimmt. Dieses sei Voraussetzung für die Förderwürdigkeit öffentlicher wie privater Gestaltungsschritte und die steuerliche Begünstigung privater Renovierungsmaßnahmen im Sanierungsgebiet, betonte Stiefler.

Dieses Gebiet sei noch nicht genau abgegrenzt: „Es darf aber nur Bereiche umfassen, in denen konkreter Sanierungsbedarf vorauszusetzen ist.“ In Betracht komme der historische Ortskern rund um Schloss, Torturm und Gaststätte. Die vorbereitenden Untersuchungen ruhten auf „zwei Säulen“, unterstrich Klaus Stiefler: „Die eine sind Sie, indem Sie sich mit Ihren Vorstellungen und Wünschen einbringen, und die andere sind die für die fachliche Verlässlichkeit verantwortlichen Stellen wie die Stadt, die weiteren an der Planung beteiligten Institutionen und die Ortsplaner.“

Wichtige Schritte wie die Auswertung der übergeordneten Planungsvorgaben und der Stellungnahmen von „Trägern öffentlicher Belange“ seien bereits vollzogen, die Bestandsaufnahme der örtlichen Gegebenheiten sei im Gange: „Nun wollen wir mit Ihnen ins Gespräch kommen.“ Alle diese Untersuchungen und Befragungen, so der Referent, lieferten Mosaiksteine für ein Gesamtbild der Chancen, Ziele und konkreten Projekte: „Am Ende steht die Umsetzung nach dem Grundsatz: das Positive stärken und weiterentwickeln, das Negative beseitigen und so eine verbesserte Wohn- und Aufenthaltsqualität für Einwohner wie Besucher schaffen.“

Dem Stadtrat empfahl Stiefler, nach Pressather Vorbild auch für Dießfurt ein kommunales Förderprogramm für private Sanierungen aufzulegen: „Der nachhaltige Erfolg einer Ortskernerneuerung hängt wesentlich vom Ineinandergreifen öffentlicher und privater Maßnahmen ab.“

Info:

Viele Pfunde zum Wuchern

Einen nicht zu unterschätzenden Reichtum besitze Dießfurt mit dem Gewässerreichtum seiner Ortsflur: „Für mich, der ich aus dem eher trockenen Franken komme, ist das ein faszinierender wunderschöner Landschaftsraum mit Potenzial für naturnahe Freizeit- und Naherholungsangebote“, schwärmte Ortsplaner Klaus Stiefler bei der Dießfurter Bürgerversammlung.

Auch das „sehr attraktive“ Schlossumfeld sei ein „Pfund, mit dem man wuchern kann“. Jedoch gebe es auch „Problembereiche“ wie die von teils unschönen Bodenversiegelungen geprägte Umgebung des jetzigen Feuerwehrhauses und der eine oder andere Gebäudeleerstand: „Die Städtebauförderung unterstützt auch Privatleute, wenn sie leerstehende oder marode Bausubstanz sanieren und neu nutzen wollen.“

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Freizeitsee bleibt im Blick

Als Schritt in die richtige Richtung wertete Ortsplaner Klaus Stiefler in der Informationsversammlung die Verlegung des Dießfurter Feuerwehrstützpunkts. Das neue Gerätehaus werde zwei Leerstände ersetzen, sein Vorgänger solle nach der Verwandlung in ein veranstaltungstaugliches Dorfgemeinschaftshaus mit einladender Umgebung als neuer Ortsmittelpunkt fungieren: „Möglich wäre auch eine Bühne auf dem Grundstück.“

Nicht übersehen sollte man die Bedürfnisse von Fuß- und Radwanderern, auch mit Blick auf die nach wie vor wünschenswerte Weiterentwicklung des Freizeitsees. Diese gehe freilich nicht allein die Stadt Pressath an: „Der Freizeitsee würde den ganzen westlichen Landkreis aufwerten, und deshalb wäre auch der Landkreis gefordert, im Benehmen mit den umgebenden Gemeinden ein Konzept zu erarbeiten.“

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