Bei dieser Vielzahl an Tieren ist die Arbeit für den Schäfer ein ständiges Hin und Her. Ende November grasten die über 700 Tiere zwischen Schönsee und Dietersdorf von einer Wiese zur anderen. "Wo kommen die vielen Schafe her?" wollten viele Spaziergänger wissen. Die Herde gehört Ramona und Manfred Pritsch. Die Schäferfamilie führt seit 2016 eine Hofstelle in der Nähe von Tiefenbach. Als sich Tochter Celine ankündigte, war es für das Paar Zeit, das jahrelange und entbehrungsreiche Leben im Wohnwagen aufzugeben und nach einer festen Bleibe Ausschau zu halten.
Manfred Pritsch, ausgebildeter Schäfer aus dem Raum Kelheim, hat das Schäfer-Gen im Blut. Seit den Tagen seines Großvaters dreht sich in der Familie alles um das Thema Schaf. Nach dem Ausbildungsabschluss beim Onkel 2003 ging Manfred Pritsch mit seiner schon in der Lehrzeit aufgebauten kleinen Herde auf Wanderschaft. Wanderschäfer müssen Sturm, Hitze, Regen, Frost und Schnee aushalten. Sie brauchen treue Hunde, Liebe zur Natur und Freiheitsdrang.
„Wer von Komfort und geregelter Arbeitszeit träumt, ist in diesem Beruf fehl am Platz“ sagt Manfred Pritsch, als er die beiden in der Nacht geborenen Lämmer in den Armen trägt und zum Auto bringt. Ehefrau Ramona nickt zustimmend und meint, dass es bei einer so großen Herde nur mit Arbeitsteilung geht. Sie, gelernte Arzthelferin, hat die Praxis mit dem Schafstall getauscht. Die kleinen Lämmer und im Stall landende kränkelnde Tiere sind ja auch nichts anderes als Patienten, die Zuspruch, Wärme und fürsorgliche Behandlung brauchen. Zudem macht sie den Bürojob, der nicht zu unterschätzen ist.
Wer von Komfort und geregelter Arbeitszeit träumt, ist in diesem Beruf fehl am Platz.
Jetzt im Herbst kommen die Lämmer zur Welt, die an Ostern lebend vermarktet werden. Die paar männlichen Schafe in der Herde sind leicht auszumachen. Sie sind größer, manche haben eine Mähne am Hals und deutlich sichtbare Hörner. Wenn sie Unruhe stiften oder die Herde nicht spurt, dann sind die drei Hirtenhunde mit Chefin Sina, dem älteren Prinz und die eineinhalbjährige Cora unersetzlich. Mit ihnen und dem flexiblen Zaunsystem lassen sich 700 Schafe auf den abgesprochenen Futterweiden unter Kontrolle bringen, ohne dass der Schäfer rund um die Uhr vor Ort sein muss.
Manfred Pritsch verschweigt allerdings nicht die schlechte Preissituation, mit der er als Schäfer konfrontiert ist. "Wenn ich nicht im Sommer auf etwa 80 Hekar Vertragsnaturschutzflächen an den Hängen der Altmühl ein gesichertes Einkommen hätte, dann ließe sich von der Vermarktung der Tiere und dem Verkauf der Wolle – auch bei einer so großen Herde – keinesfalls davon leben“ sagt der 34-Jährige. Er kann nicht verstehen, dass der Kunde nur auf den Preis schaut und lieber Lamm aus Neuseeland kauft, weil es deutlich billiger in der Tiefkühltruhe im Laden liegt. Aktuell liegt der Weltmarktpreis etwa 30 bis 40 Prozent unter dem, was Manfred Pritsch beim Verkauf erzielt.
Doch vom Preisverfall oder mal einem äußerst schmerzhaften Tritt eines Bocks lässt sich Manfred Pritsch die Freude an seinem Beruf nicht vergällen. Es ist ein harter Job, den er aber mit keinem anderem tauschen möchte. Ob die junge Wanderschäfer-Familie in 20 Jahren auch noch so denkt? Zu wünschen ist es ihr.
Schnell Zäune stecken, mit dem Jeep vorausfahren, dabei die von den Hunden umkreiste Herde im Gefolge, beim neuen Futterplatz ankommen, und den Zaun schnell schließen. So geht für Manfred Pritsch und seine Schafe nach dem Abschied von den Stammweiden im Altmühltal Tag für Tag von einer Weide zur anderen.
Josef Eibauer bekam vergangenes Jahr Jahr den Tipp, die extensiv bewirtschafteten Wiesenflächen von Gut Dietersberg im Herbst von Schafen abweiden zu lassen. Das hat im Vorjahr gut funktioniert, die Partnerschaft setzte sich heuer reibungslos fort. Inzwischen sind auch andere Wiesenbesitzer und Naturschutzflächen Richtung Weberhäuser, Friedrichshäng und Stadlern einbezogen. (eib)














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