12.08.2021 - 17:42 Uhr
DieterskirchenOberpfalz

Bürgerbus Dieterskirchen: Super Service auf Rädern

Wer von Dieterskirchen nach Neunburg will, braucht ein Auto – oder er nutzt den Bürgerbus. Der kurvt seit 35 Jahren über die Dörfer in die Stadt – ein Angebot, das gerne angenommen wird. Jetzt sucht die Gemeinde weitere Fahrer.

Michael Vetter ist einer von neun Fahrern des Bürgerbusses Dieterskirchen. Los geht's in der Bacher Straße.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Punkt 8.20 Uhr dreht Michael Vetter den Zündschlüssel um, der an der Bacher Straße geparkte Crafter schnurrt. Der (noch) 69-Jährige ist einer von neun ehrenamtlichen Fahrern, die den Bürgerbus der Gemeinde Dieterskirchen chauffieren. "Alle 14 Tage bin ich dran", sagt der sympathische Rentner, der seit 2014 den Bus steuert. "Man braucht ja auch was sinnvolles zu tun". Diesen Donnerstag geht's nach Neunburg, die Linie heißt D2, insgesamt gibt es drei Linien. Es geht über Land: Bach, Richtung Uckersdorf, Zangenstein, Schwarzhofen nach Neunburg vorm Wald. "Ein paar Leute fahren immer mit", sagt Vetter.

Neun Monate Pause

Ein paar Leute, das sind übers Jahr zwischen 700 und 800 Fahrgäste im Bürgerbus. Wenn nicht gerade eine Pandemie den Service bremst. Erst seit Anfang Juni kann der Bus wieder fahren, für die Passagiere gilt Maskenpflicht. Abstände sind kein Problem, an diesem Donnerstag wird es nicht eng im Bus. Zwei Fahrgäste werden einsteigen. "Mit Corona ist das schon weniger geworden", berichtet Vetter. Aber, das pendle sich schon wieder ein, hofft er.

An der Abzweigung nach Uckersdorf wartet eine Frau, die zum Einkaufen in die Pfalzgrafenstadt muss, außerdem in die Apotheke. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen, das Angebot des Bürgerbusses lobt sie aber ausdrücklich. "Das ist super. Der fährt auch dahin, wo ich hin muss." Und der Preis? "Ist in Ordnung". Dieterskirchen-Neunburg und retour kostet 5,20 Euro, an den weiteren Stationen entsprechend weniger. Vetter lässt die Eurostücke in den Wechselautomaten rutschen, weiter geht's. "Im Dorf gibt's kein Geschäft mehr", erzählt die Frau, "nur in Schwarzhofen einen kleines." Zum Supermarkt gehts jetzt nach Neunburg.

Zu Arzt und Apotheke

Im Bushäuschen an der Hammerstraße in Zangenstein wartet Horst Dorenz. Auch er will zum Einkaufen, aber nicht nur: Ein kurzer Frühschoppen in Neunburg wartet, ein paar Bekannte treffen. Man kennt sich: "Servus Michl"; "Servus Horst". Die Fahrt nach Neunburg ist ohnehin ein bisschen wie ein Ausflug unter Bekannten: Ein kleiner Ratsch geht immer, ein bisserl frotzeln auch. "Ich fahr zweimal in der Woche mit", erzählt Dorenz. "Die Fahrer sind spitze. Schreib' das rein in die Zeitung", sagt der freundliche Herr. Die paar Euro Fahrtgeld zahle er gerne, auch wenn er einen Freifahrtschein hätte. "Ich will, dass das Angebot bleibt. Nach uns gibt's ja auch wieder alte Leute".

Einkaufen, Arztbesuche, Medikamente abholen: Deshalb sind die meisten im Bürgerbus unterwegs. Vor Corona waren auch immer noch ein paar Damen dabei, die das Einkaufen mit einem kleinen Kaffeekränzchen verbanden. "In den vergangenen zehn Jahren sind die Fahrgäste weniger geworden," erzählt Vetter. Die Senioren sind noch selbst mobil, und die Zeiten, dass Frauen keinen Führerschein hatten, sind auch vorbei. Wobei, auf der Tour steigt Donnerstags normalerweise noch eine Dame zu, deren Mann schwer krank ist, und sie selbst nicht fahren kann.

Der Service des Bürgerbusses gleicht ohnehin beinahe einem Taxi: "Wo musst denn heute hin?", fragt Michael Vetter die Fahrgäste. Supermarkt, Metzgerei, Apotheke. Nach 15 Stationen und rund 40 Minuten Fahrzeit steuert Vetter den Supermarkt in Neunburg vorm Wald neben der Stadthalle an. Eigentlich wäre ja am Sanitätshaus Haltestelle. "Wir fahren die Leute dahin, wo sie hinwollen," sagt Vetter, "wenn es zeitmäßig passt". Man brauche ja auch etwas zu tun, sonst hieße es bis zur Rückfahrt 10.45 Uhr untätig an der Apotheke warten. Und die Fahrgäste müssten ihre Einkäufe den Berg herunterschleppen. So wartet Vetter, bis seine Fahrgäste eingekauft haben, die Einkäufe werden im Kleinbus abgestellt. Horst Dorenz geht zum Frühschoppen, die zweite Mitfahrerin muss noch in eine Metzgerei, dann geht's zum Sanitätshaus. Sie muss noch in die Apotheke, Michael Vetter auch. Im Schatten, neben dem Bushalteschild, wartet der Bus bis zur Rückfahrt. Weitere Fahrgäste kommen nicht mehr. Michael Vetter füllt das Fahrtenbuch aus. "So ein Angebot ist wichtig auf dem Land", meint er. Es ist nicht das einzige Ehrenamt, das der ehemalige Bautechniker übernommen hat. Er fährt auch für das soziale Netzwerk in Neunburg. Fürs Busfahren brauchte er einen Personenbeförderungsschein, den bezahlte das Landratsamt. "Das ist nur Theorie, Reaktionstests und so", erzählt Vetter. Alle fünf Jahre müssen die Tests erneuert werden. Auf der Rückfahrt liefert er die Frau vor der Haustür ab, Horst Dorenz in Zangenstein. "Bis zum nächsten Mal."

Der Bürgerbus Dieterskirchen bedient drei Linien: Die Linie D1 fährt montags zweimal über die Ortsteile nach Oberviechtach wieder zurück. Donnerstags verkehrt diese Linie nachmittags – allerdings nur, wenn sich Fahrgäste vorher in der Verwaltung (09672/9205-21 oder 09672/9205-0) anmelden. Die Linie D2 verkehrt mittwochs und donnerstags ab 8.20 Uhr von Dieterskirchen über Zangenstein und Schwarzhofen nach Neunburg, retour geht's um 10.45 Uhr. Die Linie D3 fährt freitags über Thanstein ebenfalls nach Neunburg vorm Wald, retour um 10.45 Uhr. Der Bürgerbus gehört zum ÖPNV-Angebot des Landkreises. Der fängt auch das Defizit auf. Das beträgt etwa 8000 Euro im Jahr. Die Fahrer arbeiten ehrenamtlich. Damit das Angebot entsprechend aufrecht erhalten werden kann, such die Verwaltungsgemeinschaft weitere Fahrer (Kasten)

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Dieterskirchen
Hintergrund:

Fahrer gesucht

  • Für den Bürgerbus Dieterskirchen sucht die Verwaltungsgemeinschaft weitere Fahrer.
  • Die Aufgabe ist ehrenamtlich, die Fahrer bekommen aber eine Entschädigung für die Wegstrecke vom Wohnort zum Busstandort.
  • Bürgerbus-Fahrer kann jeder werden, der mindestens 21 Jahre alt ist und einen Führerschein der Klasse 3 hat.
  • Die Fahrer brauchen eine Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung. Die Kosten für diesen Schein erstattet das Landratsamt.
  • Die ehrenamtlichen Fahrer werden bei der zuständigen Berufsgenossenschaft versichert.
  • Weitere Informationen bei Bürgermeisterin Anita Forster, Telefon 0172/ 2936764, E-Mail forster[at]dieterskirchen[dot]de, oder Sachbearbeiterin Jasmin Brunner, Telefon 09672/920521, E-Mail brunner[at]vg-neunburg[dot]de.

 

 

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