02.09.2021 - 09:31 Uhr
DieterskirchenOberpfalz

Stöbern bei der Schwarzwildjagd: Eine Hundemeute und ihr Chef

Jagdhunde mit Verhaltensauffälligkeiten zu trainieren, ist ein Hobby von Walter Bender aus Dieterskirchen. Die meiste Zeit ist er aber derzeit mit seinen 16 Hunden unterwegs, um Wildschweine aus dem Acker zu treiben.

Walter Bender fährt seine Hunde in einem klimatisierten Transporter zu den Stöber-Einsätzen. In die obere Box setzt er einen Kleinen Münsterländer (8 Jahre), welchen er als Welpen aus einem Heim geholt hat.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Bezeichnung "Hundeflüsterer" hört Walter Bender (57), der seit seinem zehnten Lebensjahr eigene Jagdhunde besitzt, nicht so gerne: "Es gibt Leute, die können das sicher besser." Im gleichen Atemzug fügt er aber an: "Nachdem ich immer mehrere Hunde gleichzeitig habe, hab ich natürlich auch mehr Erfahrung." Aktuell sind es 17 Jagdhunde, die sich auf dem 1600 Quadratmeter großen Anwesen am Ortsrand von Dieterskirchen tummeln. Sie sind die Hauptbeschäftigung des Frührentners, der sich hier seit 2014 niedergelassen hat: "Wenn ich mit jedem Hund ein wenig kuschle und die Kacke wegmache, ist der Tag um."

Viel Zuspruch benötigt eine vier Jahre alte Deutsch-Langhaar-Hündin, um die sich Bender seit drei Monaten kümmert, nachdem sie bei den Vorbesitzern auffällig geworden war. Alternative wäre das Einschläfern gewesen. "Die ist ungestüm und tollpatschig", sagt der Trainer und lässt die Hundedame aus dem Zwinger. In zwei bis drei Wochen habe er sie soweit, um sie in neue Hände abgeben zu können, bemerkt er so nebenbei. Behalten könne er die Hündin nicht, denn die Rasse passe nicht in seine Meute mit den aktuell 16 Jagdhunden.

Einsatz bei Drückjagd

Die Beschäftigung mit auffällig gewordenen Vierbeinern ist eine Sache; die Einsätze mit den Stöberhunden am Feld bei der Wildschweinbejagung die andere. Walter Bender ist mit seiner Meute auf der Informationsplattform des Deutschen Jagdportals gelistet. Das Einsatzgebiet reicht vom Nürnberger Land über die Oberpfalz bis nach Wunsiedel und Tschechien. Im eigens dafür umgebauten Transporter ist er von Mitte Juni bis zum Spätherbst auf Anfrage von Landwirten oder Jägern unterwegs. Über zu wenig Einsätze bei Drückjagden kann er sich nicht beklagen; kurz vor dem Besuch von Oberpfalz-Medien hat er einen Auftrag aus Ansbach abgelehnt. "Jetzt im August ist Hochsaison im Maisfeld", sagt er und berichtet, wie die Hunde die oft mit der Drohne ausgemachten Wildschweinrotten sprengen und die Schwarzkittel zum Verlassen des Einstandes (Maisfeld, Schilfinsel, Dickung) zwingen. Sie treiben sie damit quasi zu den Jägern, die das Gebiet umstellen. Am Halsband ist ein GPS-Sender zur Ortung übers Handy angebracht.

Eigene Zucht

Damit die Wildschweine die Hunde nicht schwer verletzen können, tragen diese eine Schutzweste mit Klettverschlüssen und Polsterung. Knapp 20 dieser Westen, die Bender nach eigenen Entwürfen von seiner Lebensgefährtin und der Tochter anfertigen lässt, baumeln am Scheunentor. Dahinter erstreckt sich der große Garten. "Alles für die Hunde", sagt Walter Bender beim Blick auf den Vierbeiner-Abenteuerspielplatz mit Welpenzwinger. Sogar ein Hochsitz zum Üben steht bereit. Fünf der Schützlinge haben die Brauchbarkeitsprüfung abgelegt; die anderen werden noch trainiert. Walter Bender besitzt seit 2007 einen Jagdschein und ist seither auf der Suche nach einem eigenen Revier: "Ich könnte dort mit der Baujagd etwas fürs Niederwild tun, und auch dafür, die Rasse zu erhalten." Er meint damit seine Züchtung, den "Bender-Terrier-Bracke-Mischling". Diese Gebrauchskreuzung von zwei Reinzucht-Rassen vereinige mehrere Vorzüge: "Der Terrier geht bei der Jagd scharf ran, während die Deutsche Bracke als Laufhund besonders für die Nachsuche geeignet ist." Neben den fünf Vierbeinern aus eigener Züchtung tummeln sich auf dem Hof noch Jack-Russel-Terrier, Rauhaardackel, Foxterrier und Kleine Münsterländer. Diese stammen teils aus Heimen und haben in Dieterskirchen eine neue Heimat gefunden.

Eine "tickende Zeitbombe"

Zu den Stöber-Einsätzen fährt Bender mit einem klimatisierten Transporter. Heute morgen war auch Jack-Russel "Arco" (sieben Jahre) dabei. "Eine tickende Zeitbombe", wie der Besitzer trocken bemerkt. Der Jagdhund sollte vor einem halben Jahr eingeschläfert werden, nachdem sein Frauchen nach einem durchgebissenen Unterarm nicht mehr mit ihm klar kam. Beißen kann er immer noch, wie das große Loch in der Box zeigt, doch mittlerweile läuft er bei der Meute mit. "Er hat früher gelernt, dass sich alles nur um ihn dreht. Doch ein Hund ist überfordert, wenn er der Chef ist", erklärt der Frührentner und betont: "Ein Hund ist mit der Freiheit überfordert. Er braucht jemanden, der ihm sagt, wo es langgeht." Außerdem müsse ein Jagdhund ausgelastet sein, wofür Gassi-Gehen nicht ausreiche.

"Tiere werden immer mehr vermenschlicht", kritisiert der 57-Jährige. Er freut sich, dass seine Lebensgefährtin das Hobby mit ihm teilt und sogar zwei weitere Hunde mit einbringt. Dabei ist es nicht nur die Arbeit, die anfällt, denn alleine für das Trockenfutter sind pro Jahr rund 3500 Euro zu berappen. Im Transporter wird es unruhig. Die zwei Foxterrier in der Box hinter der Heckklappe fangen zu bellen an. "Still jetzt", fordert das Herrchen. Mit Erfolg.

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"Ein Hund ist mit der Freiheit überfordert. Er braucht jemanden, der ihm sagt, wo es langgeht."

Walter Bender

 

 

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