04.06.2021 - 10:55 Uhr
TeunzOberpfalz

Teunzer Jäger retten Rehe vor dem Tod

Traurige Tatsache: Jedes Jahr werden Rehkitze durch Mähwerke getötet. Jäger arbeiten mit Landwirten zusammen, um so viele Kitze wie möglich zu retten. Im Teunzer Revier hat Jagdhund Nandl am Wochenende zehn Jungtiere im Gras entdeckt.

Andrea Süß trägt das Rehkitz, welches ihr Hund Nandl auf der Wiese entdeckt hat, vorsichtig in den Wald.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Regungslos, geduckt und noch fast ohne den typischen Geruch, verbringen die jungen Rehe ihre ersten Lebenswochen im hohen Gras. Während sie auf die Versorgung durch die Geiß warten, sind sie mit ihrem getupften Fell bestens getarnt. Allerdings nur gegen Fressfeinde. Dem Mähwerk sind die Kitze hilflos ausgeliefert.

Doch weder die Landwirte noch die Jäger möchten den qualvollen Tod dieser Tiere in Kauf nehmen. Deshalb gibt es vielerorts eine gute Zusammenarbeit. Außerdem sind die Landwirte verpflichtet, den Jägern vor der Mahd Bescheid zu geben. „Das klappt auch im Teunzer Revier gut. Wir sind mit unseren Jagdgenossen sehr zufrieden“, bekräftigen die beiden Jagdpächter Bernhard Brandstätter und Hans Elsner. Beim Pressetermin ist Begehungsschein-Inhaberin Andrea Süß mit ihrem Jagdhund vertreten, der bei der Kitzsuche wertvolle Unterstützung leistet.

Erste Mahd relativ spät

Brandstätter und Elsner laden zwei sogenannte Kitz-Retter ins Auto. Das sind Stangen mit Warngerät und Akku, die mit akustischen und optischen Signalen die Tiere vertreiben sollen. „Ein Gerät wurde aus der Wiese heraus geklaut, dabei hätten wir es dringend gebraucht“, beklagt Andrea Süß. Besonders in mittleren Lagen wie in der Oberpfalz, fällt die Setzzeit oft mit der ersten Mahd der Landwirte zusammen. „Heuer hatten wir das Problem, dass sich diese aufgrund der Witterung relativ spät auf zwei Tage konzentrierte“, berichtet Brandstätter. Für die erste Silage waren die Maschinen vor allem am letzten Mai-Wochenende im Einsatz.

Das Rehkitz zeigt bis einen Monat nach der Geburt kein Fluchtverhalten: Durch dem Lärm der Geräte duckt es sich nur noch weiter in die Wiese und ist vom Traktor aus nicht sichtbar. Und so wurde dann im Teunzer Revier auch ein verstümmeltes Kitz gemeldet. Die gute Nachricht: Zehn Jungtiere wurden vom Jagdhund Nandl aufgefunden und von den Jägern – vorsichtig und in Gras eingepackt – in den Wald getragen. Außerdem setzen die drei Jäger vor der Mahd „Reh-Scheuchen“ ein. Das sind neben den elektronischen Kitz-Warnern an Stecken befestigte Müllsäcke, die im Wind flattern und helfen, um Rehgeiß und Kitz zum Verlassen des Areals zu bewegen. Die Jagdpächter greifen bei passender Witterung auch schon mal auf den Einsatz einer Drohne zurück. „Mein Hund ist zwar flexibel, hat aber auch nur eine gewisse Laufleistung“, fügt Andrea Süß an und streicht dem Gordon-Setter durchs dichte schwarze Fell.

Praktizierter Tierschutz

„Kitzrettung ist praktizierter Tierschutz“, sagt Hans Elsner. Und Bernhard Brandstätter fügt an: „Es ist herzzerreißend, wenn eine Rehgeiß am Wiesenrand ihr Kleines lockt und der Fuchs schon wartet, bis er das angemähte Kitz holen kann.“ Instinkte sichern den Tieren zwar das Überleben, doch den Maschinen sind sie oft ausgeliefert.

Zwei junge Teunzer retten Kitze mit der Drohne

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Info:

Der Bayerische Jagdverband appelliert

„Um die Verluste bei der Mahd zu minimieren, arbeiten Jäger eng mit den Landwirten zusammen und engagieren sich in der Wildtierrettung“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Jagdverbandes vom 1. Juni.

Aber auch herumstöbernde Hunde seien eine große Gefahr für junge Wildtiere. Deshalb appelliert der Verband an Erholungssuchende, sich bis Ende Juni nur auf ausgewiesenen Wegen aufzuhalten und Hunde, die nicht auf Zuruf oder Pfiff reagieren, anzuleinen.

„Sollten Sie zufällig ein Rehkitz finden, fassen Sie es bitte nicht an oder nehmen es mit“, heißt es in der Mitteilung. Die Mutter werde es, wenn die Luft rein ist, auf jeden Fall abholen, verstoße das Jungtier jedoch, wenn es nach dem Berühren nach Mensch riecht.

 

 

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