31.05.2019 - 15:32 Uhr
TeunzOberpfalz

Drohne rettet 40 Rehkitze

Gefährliche Kinderstube: Von April bis Juni setzen die Rehe ihre Kitze ins hohe Gras. Es ist aber auch die Zeit, in der die Landwirte ihre Wiesen mähen. Zwei Teunzer Jäger retteten an nur drei Tagen 40 Jungtiere vor dem sicheren Tod.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Hermann Zeitler und sein Sohn Mario sind es als Jäger gewöhnt, frühmorgens unterwegs zu sein. Doch in diesen Tagen sind sie nicht auf ihrem Hochsitz im Jagdrevier Kleinschwand anzutreffen, sondern unterstützen mit ihrer Drohne bei der Kitzrettung. Den Auftrag dazu erhalten sie meist von Jagdkollegen, wenn diese von Landwirten informiert werden, dass gemäht wird. "Die großen Butterfly-Maschinen schaffen zwölf Meter Breite mit einer Fahrt. Da haben die kleinen Viecher schlechte Chancen", sagt Hermann Zeitler.

Aus der Gefahrenzone

Vergangenes Wochenende hat das Vater-Sohn-Team insgesamt 40 Rehkitze vor dem Mähtod oder einer Verstümmelung bewahrt. Alleine in Bayern erleiden dieses Schicksal laut der Deutschen Wildtierstiftung alljährlich rund 100 000 Rehe. Wird ein Tier gefunden, tragen es die Helfer aus der Gefahrenzone. Die Drohne mit Wärmebildkamera kauften die Zeitlers im April 2018 für rund 16 000 Euro an, um die Rehkitze im eigenen Revier zu suchen. "Die absolut funktionierende Vorgehensweise hat sich schnell rumgesprochen", sagt Mario (21), der Drohnen-Pilot. Den Jagdschein hat er schon seit fünf Jahren in der Tasche. Die Kitzrettung liegt dem Kaufmann für Büromanagement am Herzen: "Mein Chef ist sehr tolerant. Ich kann für die Flugzeiten gut freinehmen." Vergangenes Wochenende unterstützten die beiden Jäger ihre Kollegen im Bereich Nabburg, Zeinried, Stein/Katzelsried, Muschenried, Eslarn, Zangenstein und Ursensollen (Garsdorf).

Im Gepäck haben sie bei ihren Einsätzen fünf Akkus mit jeweils einer Flugzeit von 5 bis 20 Minuten (je nach Witterung). Das Besondere am Hochleistungsgerät: Fluggeschwindigkeit 80 km/h; Flughöhe 100 Meter. Während die Drohne über die Wiese surrt, sendet sie das Aufnahmeergebnis der Wärmebildkamera an den Monitor. Damit kann man eine Fläche von 66 mal 22 Meter überblicken. "Wiesen mit fünf Hektar und mehr abzufliegen sind kein Problem", sagt Vater Hermann. Er erklärt das System. Bei kleineren Wiesen haben die mithelfenden Jäger oder Landwirte ihre mit Gras gefüllten Kisten gleich dabei, legen die gefundenen Bambinis darin ab und stellen die Kiste am Wiesenrand ab. Nachdem gemäht wurde, drehen sie die Kiste um. Die "befreiten" Tiere suchen wieder zu ihren Müttern zurück, die nicht selten ganz in der Nähe warten. "Schön, wenn die Bauern mitmachen", freut sich Hermann Zeitler. Bei großen Wiesen muss der Helfer oft mehrere Hundert Meter laufen. Um nicht zu viel Flugzeit zu verlieren, steckt Zeitler nur einen Stab neben das Kitz in die Erde. Schließlich sollen so viele Rehlein wie möglich vor einem qualvollen Ende bewahrt werden.

Nicht anfassen!

Wichtig dabei ist es, das vom Menschen keine Witterung direkt an das Wildtier gelangt. "Deshalb fassen wir es nur mit Gras oder Gummihandschuhen an", erklärt der passionierte Waidmann. Ein fataler Fehler wäre es, die Kitze am Waldrand einfach nur abzulegen. Denn diese würden wieder ins dichte Gras zurückflüchten. Im Sommer und Herbst wird die Drohne zur Wildschweinreduktion bei Schäden in Raps- oder Maisfeldern eingesetzt. Übrigens: Papa Hermann darf auch fliegen - aber nur, wenn Sohn Mario keine Zeit hat.

Fluchtreflex fehlt:

Wiese als Todesfalle

Die Landwirte sind verpflichtet, vor der Mahd der Wiese sicherzustellen, dass sich kein Rehkitz darin befindet. Jagdpächter helfen dabei, die Wiesen abzusuchen, wenn sie rechtzeitig vom Mähtermin erfahren. Das ist wichtig. Denn Kitze haben noch keinen Fluchtreflex und ducken sich in das hohe Gras, wo sie von den Bauern nicht gesehen werden können. Das stille Verharren wird bei den großen Landmaschinen zur Todesfalle. Der Bayerische Jagdverband engagiert sich deshalb seit Jahren für die Kitzrettung aus der Luft mit Infrarottechnik und Multicoptern.

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