25.05.2018 - 16:15 Uhr
Oberpfalz

Dufte Ausstellung: Wolken im Luftmuseum

Die Wolke markiert eine Zone der Unbestimmtheit. Jeder kennt sie – aber was wissen wir darüber exaktes zu sagen?

Ein Edding liegt bereit, mit dem sich die Ausstellungsbesucher auf die Suche nach konkreten Bildern im Chaos des Gewölks begeben können.
von Peter GeigerProfil

Vielleicht ist es gerade dieser Mangel an Fassbarkeit, dass Künstler sich seit Jahrhunderten mit diesen Gebilden beschäftigen, die den Himmel ausstaffieren? Geschäftsführerin Johanna Foitzik, verantwortlich für die Realisierung der aktuellen Cloud-Ausstellung, freut sich über die dichte Kunst-Bewölkung im Luftmuseum, die hier in Ambergs historischer Mitte bis Ende Juli gezeigt wird - und die bei den Besuchern für Aufklarung im Oberstübchen sorgt.

Die diplomierte Kommunikationswissenschaftlerin hat gleich ein paar Geschichten aus der Aufbauphase auf Lager: "Max Streicher hat uns eine Skulptur zukommen lassen, die passt in eine Schachtel!" Das ist umso verwunderlicher, weil "Architecture of Clouds" - so die Bezeichnung der Arbeit des Kanadiers mit österreichischen Wurzeln, in aufgeblasenem Zustand wirklich riesenhafte Dimensionen annimmt. Und auch den Raum, der eine Grundfläche von gut 30 Quadratmetern hat und über eine Deckenhöhe von rund drei Metern verfügt, nahezu komplett ausfüllt. "Beim Transport passte die Schachtel bequem in einen Kofferraum!" Wäre Max Streichers Arbeit in Stein gehauen, zig Tonnen würde sie wiegen. So aber bringt dieses, eine Wolke repräsentierende und von einem Kompressor künstlich beatmete Riesenkissen höchstens ein paar Kilo auf die Waage. Johanna Foitzik freut sich, dass auch die Messerschnitt-Kunst von Hans Lankes leicht transportabel ist: "Ihm reicht eine Mappe. Mit der ist er unterwegs, international in Galerien - oder zu uns ins Luftmuseum!" Aber weil er sowieso nicht weit hatte, von seinem Wohnort im westlichen Landkreis Regensburg hierher nach Amberg, war er zur Vernissage höchstpersönlich angereist. So dass man auch ihm selbst lauschen konnte, wenn er über seine Arbeiten erzählt.

Lankes schürzt gern die Lippen. Und er lacht viel. Wohl deshalb, weil ihm, nach akribischen Materialstudien etwas gelungen ist, was selbst für Experten unglaublich klingt. Der 1961 in Niederbayern geborene Künstler hat nämlich entdeckt, dass Schatten auch farbig sein können. Seine Clouds, seine am Vorbild des Organoiden wie des Technischen geschulten Schnitte also, wissen immer mit einer ins Räumliche erweiterten Dimension aufzuwarten. Und leuchten diese aus, mit rötlich schimmernden Reflexen.

Gleichzeitig ist das ein großer Schritt in Lankes expressiven Entwicklung. Hat er sich doch bislang mit der grauen oder schwarze Schattenwelt allein beschäftigt. Nunmehr aber versteht er es, seinen Gebilden mit fluoreszierenden Materialien auch noch Farbigkeit einzuhauchen.

Das Luftmuseum dagegen bleibt sich konzeptionell treu, mit dieser grandiosen "Wolken"-Ausstellung: Denn auch dieses Mal gelingt es, ein Thema auf so vielfältige Weise durchzudeklinieren, dass ganz junge Besucher ebenso ihren Spaß haben wie anspruchsvolle Geister. Denn angesichts barocker Warhol-Wolken (Gerold Tusch), raumfüllender artifizieller Gebilde (Berndnaut Smilde), aus der Vogelperspektive fotografierter Himmelslandschaften (Tom Hegen) oder einer flauschig-leichten Goldschmuckwolke (Sebastian v.d. Recke) ist der Bogen himmelweit gespannt.

Ein ganz außergewöhnlicher Leckerbissen erwartet den Besucher noch, wenn er nach oben geht, in die Hauskapelle: Da sind Arbeiten von Rudi Hurzlmeier (die in Kooperation mit den Zeichnern Peng & Hu entstanden sind) zu sehen - unter dem Titel "Hirameki Wolkenkino" hat er abstrakte Wolkengebilde geschaffen, die den Besucher auffordern und einladen ("Guck in die Luft - und schon entfalten / sich die erstaunlichsten Gestalten"), im Gewölk das Konkrete zu finden und dem mit einem extra bereitliegenden Edding Ausdruck zu verleihen. Die Wolke in ihrer Nebelhaftigkeit: Ist sie nicht stets auch Spiegel unserer selbst?

Info:

Öffnungszeiten

Ausstellungen: „Cloud“ und „Hirameki Wolkenkino – Peng & Hu“ bis 29. Juli.
Ort: Eichenforstgäßchen 12, 92224 Amberg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag/Sonntag/Feiertage, 11 bis 18 Uhr
Kontakt: Telefon 09621/420883
E-Mail: mail[at]luftmuseum[dot]de

Weitere Informationen:
www.luftmuseum.de/

 

 

 

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