Herbst-Sitzweil auf Fränkisch

„Herbst is worn“ – auch in der Goglhof-Stube. Davon künden nicht nur die letzten Ringelblumen des Jahres in der Vase, sondern auch ein Gast „von weit her“: Walter Tausendpfund ist Franke. Wird er verstanden in der Oberpfalz?

Bei seinen Geschichten und Gedichten wird (von links) Walter Tausendpfund musikalisch begleitet von Sandra Maderer, Susanne Maul und Karl-Heinz Aurnhammer.
von Helga KammProfil

Um es vorweg zu nehmen: ja. Walter Tausendpfund aus Pegnitz ist aufgewachsen in Allersberg und hat das Gymnasium in Neumarkt besucht. So hat er „als klana Bu scho amol zwa Sprachn learna müssn“. Seine Vorfahren kommen aus der Oberpfalz, erklärt er, und: „In Pegnitz, so nah an da Oberpfalz, hat ma a Mischsprach.“

Und das, was der Verfasser zahlreicher heimatkundlicher Beiträge und Bücher, Rundfunkmitarbeiter und Vorstandsmitglied der Literarischen Gesellschaft der Pegnitzschäfer dichtet und schreibt, ist in jeder Mundart zu verstehen, zumindest vom Gefühl her. Er zeichnet die momentane Jahreszeit, in der sich „da Summa heimli rausgschlichn hot“, in der die Tage kürzer werden, die Blätter fallen und Nebel aufsteigen.

Er schwelgt in der Vorstellung von Karpfen und Martinsgänsen, freut sich an den leuchtenden Farben der Astern und trauert um „as letzte Rösla“, das der erste Nachtfrost tötet. Seine „Kürbis-Gedichtla“, der Huraxdax-Dialog zwischen Treiber und Hase bei der herbstlichen Jagd und seine Version des Hermann-Hesse-Gedichtes vom Nebel, all das könnte den Herbst nicht treffender beschreiben.

Tausendpfund ist einer der sieht, beobachtet und beschreibt, was er dabei fühlt, vor allem in der Natur. „Draußn werd’s imma ruhiger“ fällt ihm auf in diesen Tagen, und „As Joahr geht rum“. Dann blickt er auf den kommenden Advent, den Weihnachtstrubel und das Winterroulett: „Gibt’s Schnee an Weihnachten oder net?“

Die Gäste in der übervollen Goglhof-Stube nicken, klatschen: „Ja, genauso ist es“, heißt das, man könnte es nicht besser ausdrücken. Besonderen Anteil an der Hutzastubn-Atmosphäre haben drei Musikanten: Sandra Maderer und Susanne Maul mit ihren Flöten haben sich mit dem Gitarristen Karl-Heinz Aurnhammer zusammengetan, umrahmen die Wortbeiträge mit schönen schlichten Weisen.

Walter Tausendpfunds trockener Humor zeigt sich noch einmal in seiner Zugaben-Geschichte von der Weihnachtsgans, die niemand schlachten konnte, und der Beschreibung der zwei, die „oumds am Bänkla“ sitzen und sich als „Katz und Koda“ herausstellen. Ein gemeinsames Lied zum guten Schluss muss auch an diesem Goglhof-Abend sein, passend natürlich „Bunt sind schon die Wälder“.

Dann aber gibt es noch Überraschungen. Denn im Publikum sitzen nicht nur Bruder und Schwägerin der Goglhof-Hausherrin Margarete Jäkel, sondern auch Freunde und Mitschüler von Walter Tausendpfund aus seiner Zeit auf dem Gymnasium in Neumarkt und Kollegen am Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg. Für Hermann Gnahn, den Vorsitzenden des Goglhof-Fördervereins, ein Grund, den Abend gemeinsam im nahen Gasthaus „Genf international“ in Eberhardsbühl ausklingen zu lassen.

In Pegnitz, so nah an da Oberpfalz, hat ma a Mischsprach.

Walter Tausendpfund

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