Update 24.06.2018 - 18:42 Uhr
Eberhardsbühl bei EdelsfeldOberpfalz

Die Wüstenschiffe von Eberhardsbühl

Dieses Dorf hat etwas: Ein kleines Bauernmuseum, ein geschichtsträchtiges Wirtshaus, eine Ranch und Vierbeiner, die eigentlich nur in der Wüste vorkommen.

Was man so braucht auf einer Ranch

Eberhardsbühl. Ali, Said und die anderen haben sich im Schatten der hohen Bäume am Bachlauf niedergelassen. Entspannt genießen sie den Sommertag im idyllischen Gelände am Dorfende von Eberhardsbühl. Das ist nicht immer so, denn oft haben sie Termine, müssen auftreten oder ausreiten. Ali, Said und die anderen vier sind Trampeltiere. „Kamele sind sie alle“, erklärt Alfons Heindl, ihr Besitzer, die Unterschiede. „Dromedare kommen aus dem arabischen Raum und haben einen Höcker, unsere Trampeltiere sind Asiaten und haben zwei Höcker“.

Alfons Heindl und seine Frau Uschi haben vor zwei Jahren das Anwesen Eberhardsbühl 5 gekauft mit Wohnhaus und Hofstelle und einem sechs Hektar großen Weidegelände. Seitdem haben sie unermüdlich verbessert und verschönert, haben Haus, Hof und Garten zu einem Schmuckstück gemacht. Und sie sorgen für Aufsehen. Für ihre Nachbarn ist es mittlerweile ein vertrauter Anblick, wenn Kamele gesattelt und geschmückt Kinder oder Erwachsene durch das Dorf tragen. Fremde aber, die dieser Karawane begegnen, können es kaum glauben, dass da „Wüstenschiffe“ durch die Oberpfälzer Landschaft ziehen.

Angefangen hat es mit Pferden, erzählt Alfons Heindl. Er hat Wanderritte organisiert für Einzelpersonen oder Gruppen, im In- und Ausland, manchmal bis zu zwei Wochen lang. Auch heute gibt es noch Pferde auf seiner Weide, „aber die sind nur für uns selber“, stellt er klar. Zu den Kamelen kamen die Heindls vor sechs Jahren. Auf dem Weihnachtsmarkt in Guteneck haben sie diese sanftmütigen Riesen kennengelernt, und als ein Zirkus in Schwabach zwei Kamele zum Kauf anbot, haben sie zugegriffen. Ali und Suleika wurden nach Schnaittenbach zum früheren Gehöft der Heindls geholt. Nach dem Tod Suleikas kam ein weiteres männliches Tier aus einem Heidelberger Zoo hinzu, später zwei trächtige Stuten, so dass heute drei Wallache und drei Stuten eine stattliche Herde bilden.

Dann begann das Wanderreiten. „Mit Pferden ist es einfacher“, beschreibt Uschi Heindl ihre Erfahrungen. „Das Hinlegen und Aufsteigen, dazu eine gewisse Sturheit der Tiere, da muss man schon dran arbeiten“. Ein besonderes Problem war, dass die Trampeltiere aus dem Zirkus durch jahrelanges Laufen nur in der Arena mit den Hinterfüßen keine Unebenheit mehr bewältigen konnten. „Das hat gedauert, aber jetzt können sie wieder über Stock und Stein laufen“.

Das müssen sie auch können, denn ihre Aufgaben sind nicht nur Ausritte durch die schöne Landschaft rund um Eberhardsbühl. Sie nehmen teil an Mittelalterfesten, an Weihnachtsmärkten und Umzügen. Sie werden bestaunt und bewundert und sie werden geliebt. „Eltern kommen mit Kindern, die wollen reiten und streicheln“, erzählt Heindl, „darunter sind auch kranke oder behinderte Kinder, für die ist unser Kamelreiten eine Therapie“. Bei allen Auftritten werden die Tiere traditionell gesattelt mit Vorderzeug, Hintergurt und Halfter sowie einem speziellen Reitkissen. Für den bunten Schmuck hat Uschi Heindl gestrickt, gehäkelt, gefilzt und Bommeln gedreht. So aufgezäumt erregen die Wüstenschiffe überall Aufsehen, egal ob sie nur einen kurzen Rundgang durch das Dorf machen oder für einen längeren Ausritt gebucht sind. Oft wird dieses Kamelreiten in Form von Gutscheinen zum Geburtstag verschenkt als eine besondere Überraschung.

Es sind aber nicht nur die Trampeltiere, die auf dem Heindl-Hof ihre Heimat haben, es sind auch die schon erwähnten Reitpferde. „Als Western, Araber, Quader und Paint“, beschreibt ihr Besitzer sie. Dazu sieben schottische Hochlandrinder mit rotbraunem Fell, fünf bunt gefleckte Texas-Langhorn-Rinder, eine Schar von rund dreißig Hühnern und - von scheu bis zutraulich – fünf Katzen. Das hübsche Bauernhaus, der liebevoll gestaltete Garten, die ausgedehnten Weiden auf denen duftendes Heu liegt, die Stallungen und Scheunen, das alles ist pure Idylle. Es ist aber auch Arbeit rund um die Uhr. Einige Auszeiten aber lassen sich die Heindls trotz allem nicht nehmen, wenn sie zum Beispiel Viehtriebe in Österreich und Tschechien organisieren, wo Touristen zu Pferd mithelfen können, die Tiere vom Stall auf die Sommerweide oder im Herbst zurück zu treiben.

Im Kasten

Die Eberhardsbühler Trampeltiere zählen wie Dromedare zu den Altweltkamelen, können 350 bis 700 Kilogramm schwer und bis zu 40 Jahre alt werden. Neuweltkamele dagegen sind Lamas, Alpakas und Vikunjas. Kamele sind tagaktiv und leben in freier Wildbahn zumeist in Haremsgruppen. Sie sind Pflanzenfresser, die sich hauptsächlich von Gräsern ernähren. Die Trampeltiergruppe auf dem Heindl-Hof wird darüber hinaus mit altem Brot und gelben Rüben verwöhnt. Die Tiere können große Mengen Wasser auf einmal trinken, ihr Höcker ist aber kein Wasser- sondern ein Fettspeicher. Im Gegensatz zu anderen Paarhufern bewegen sich Kamele im Passgang fort, das heißt, es wird immer abwechselnd das das linke und rechte Beinpaar bewegt. Aus diesem Grund werden sie auch „Wüstenschiffe“ genannt, da sie ihren Reiter schaukeln.

Zitate

„Kamele sind intelligent, benehmen sich aber manchmal wie dreijährige Kinder“.

Uschi Heindl

„Es gibt Kamele mit einem Höcker und welche mit zweien. Aber die größten haben gar keinen“.

Arthur Schopenhauer

„Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme“.

Matthäus 19.24

Ein Hingucker sind die Trampeltiere aus Eberhardsbühl auf Mittelalterfesten

Said aufgezäumt mit Handarbeiten Uschi Heindls

Auch Kamele schmusen gern, vor allem mit Uschi Heindl

Eine Pause von der "Arbeit rund um die Uhr" macht Alfons Heindl

Entspannt verbringen die Trampeltiere ihren arbeitsfreien Tag auf der Weide

Mit den Füßen im Wasser genießen die Hochlandrinder auch heiße Tage

Parken nur für Kamel-Freunde

Liebevoll haben Uschi und Alfons Heindl ihre Ranch gestaltet

Die Kamelwanderung führt vorbei am Goglhof

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