02.08.2019 - 17:59 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

"Die Brauereien in der Region sind bombastisch"

Mike Morin ist eine Oberpfälzer Eishockey-Legende - dabei stammt er aus Kanada. In unserer Serie "Zugroast" erzählt er, wie ihn seine ersten Arbeitskollegen veralbert haben und worauf er nicht mehr verzichten kann.

Der Kanadier Mike Morin lebt seit 31 Jahren in der Oberpfalz.
von Julian Trager Kontakt Profil

Als junger Mann wagte er den Sprung über den Atlantik, wurde Eishockey-Profi und blieb der Oberpfalz auch nach der Karriere treu: Mike Morin (53) stammt aus der kanadischen Provinz Alberta und lebt seit 1988 in der Oberpfalz. Nach Profistationen in Landsberg am Lech und in Regensburg, wo er seine Frau kennenlernte, kam er nach Amberg - beim dortigen ERSC ist er eine Legende. Auch für Weiden stand er auf dem Eis. Morin arbeitet als Vertriebsleiter Ausland für Lüdecke.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Mike Morin: Ich habe in Hirschau und in Kauerhof gearbeitet, seit sechs Jahren jetzt in Amberg. Ich hatte aus der ganzen Oberpfalz Kollegen. Nicht alle sind so, aber es gibt doch schon den ein oder anderen Muhackl. Den gibt’s aber überall, auch in Kanada.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich habe gar nichts über die Oberpfalz gewusst. Dann habe ich aber viel gelernt, nicht nur den Oberpfälzer Dialekt. Das Fazit ist absolut wunderbar. Ich bin jetzt mehr als 30 Jahre hier, das ist länger als die Zeit, die ich in Kanada verbracht habe. Ich habe mich gut angepasst, an die Kultur und die Sprache. Das ist ein Riesenvorteil – so kann ich in meiner Arbeit gut mit Österreichern und Schweizern reden.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Eigentlich nein. Ich flieg zwar fast jährlich nach Kanada zu den Verwandten, aber hier ist meine Existenz, mein Haus. Ich habe zwei Jungs, bin zweifacher Opa. Ich genieße die zwei Welten. Ich müsste ja auch einen kompletten Neuanfang machen. Das will ich mit 53 Jahren nicht mehr.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Ich erzähle viel. Meine Freunde und Verwandten wollen ja wissen, wie ich hier lebe. Ich erzähle vom Sonntagsfrühschoppen nach der Kirche. Das gefällt denen unbandig gut. Die ganzen Feste, das Essen. Klar erzählt man, was eine Schlachtschüssel ist. Wenn ich wieder in Kanada leben würde, würde ich einiges vermissen. Eine Leberkassemmel oder Spätzle – und ein Juraweizen. Ich bin leidenschaftlicher Weizentrinker. Die kleinen Brauereien in der Region sind bombastisch. Neulich waren meine Tante und ihre Enkelin hier. Das erste, was ich ihnen gezeigt habe, war der Mariahilfberg, von da aus haben wir auf die Stadt geschaut. Danach gab’s eine Stadtführung.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Ja, absolut. Auch den tiefsten Oberpfälzer Dialekt. Das habe ich mir angeeignet. Manchmal sag ich auch zu Freunden hier, dass ich bayerischer bin als sie. Aber am Anfang war es natürlich schwierig, ich konnte ja kein Deutsch. In meiner ersten Arbeit haben die Kollegen mir gesagt, ich soll zu meiner Frau immer sagen: ‚Du kannst mir meinen Schuh aufblasen!‘ Das hab ich auch gemacht, ich wusste ja nicht, was das heißt.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ja, ich denke schon. Als ich mal in Franken ein Eishockeyteam trainiert habe, wurde ich nur als ‚der Oberpfälzer‘ bezeichnet. Ich bleibe aber auch ewig ‚der Kanadier. Da bin ich auch stolz drauf.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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