Eigentlich hatte die Regionalgruppe Amberg des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg diese Führung bereits 2020 geplant, doch dann musste sie Corona-bedingt verschoben werden. Nun konnte die Exkursion in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung stattfinden. Für die zertifizierte Kirchenführerin und Ortsheimatpflegerin Christine Schormüller und ihr Publikum war das eine Premiere.
Baumeister und Handwerker aus München brachten Elemente und Namen aus dem Kreis der Münchner Hofkunst in die Oberpfalz, ins Dorf. Sie schufen aus einer ruinösen romanischen Kirche und aus spätmittelalterlichen Burggebäuden ein barockes Ensemble aus Kirche und Schloss mit französischer Anmutung – also stilistisch auf der Höhe einer Zeit, in der in München französischer Bau- und Ausstattungsstil rezipiert wurde. Die hierbei beteiligten und archivalisch belegten Künstler und Handwerker sind: Johann Mayr (Stadtmaurermeister München) und Ignaz Anton Gunezrhainer (später ebenfalls Stadtmaurermeister München), Johann Adam Müller, der die Fresken der Georgskirche Amberg schuf, und ein Bildhauer aus Haidhausen. Von diesem stammt eine hochwertige Kreuzigungsgruppe in wertvoller Lüsterfassung.
Die Johanneskirche gilt als seltenes Beispiel für Sakralarchitektur im Französischen Barockklassizismus: Sie zeigt klare, geometrische Stuckdekorationen und ein Säulen-Architrav-System, das als französische Neuschöpfung gilt. Insbesondere Ausführung und Gestaltung von Turm und Innenraum gehen auf Ignaz Anton Gunezrhainer zurück. Ein Dokument im Staatsarchiv Amberg ist Beleg für dieses sehr frühe, eigenständige Projekt des Baumeisters.
Qualitätsvolle Altarbilder des Johann Adam Müller und seine einzigartige Bildidee: Der Bauherr Johann Joseph von Dyer, geboren in Neumarkt, kurfürstlicher Hofbeamter unter Max Emmanuel, bestattet in der Johanneskirche, hatte für "seine" Kirche ein Benefizium gestiftet. Es sollte einmal pro Woche eine Messe gelesen werden – für eine glückliche Sterbestunde und nach dem Tod für eine Befreiung der Seelen aus dem Fegefeuer. Johann Adam Müller schuf dafür das Altarbild "Die Fürbitte des Schutzengels für die Armen Seelen" – eine sonst nicht bekannte Bildidee. Auch zur Orgel aus dem 19. Jahrhundert und zu einigen Zweitverwendungen von Objekten wie auch zu der in Bruchsteinen, statt in Holzkonstruktion, ausgeführten Mansarde wusste Christine Schormüller interessante Aspekte zu berichten.
Weitere Führungen, organisiert von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), finden am 29. August, 24. Oktober und 7. November (Kirche & Wirtshaus 2021) statt. Wegen begrenzter Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung bei der KEB (09621/475520, info[at]keb-amberg-sulzbach[dot]de) erforderlich. An einer Führung interessierte Gruppen können sich ebenfalls an die KEB wenden.













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