30.08.2020 - 12:12 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Weißer Rauch und kohlrabenschwarze Gesichter

Der Kindermeiler ist sicherlich ein Höhepunkt im Ebermannsdorfer Ferienprogramm und die Gelegenheit, das Köhlerhandwerk kennenzulernen.

Glücklich und erschöpft freuen sich die Nachwuchs-Köhler über den weißen Rauch, der aus ihrem Kinder-Kohlenmeiler nach der harten, schweißtreibenden Arbeit quillt.
von Christine Wendl - wecProfil

Trotz der hohe Temperaturen waren die Kinder beim Ebermannsdorfer Ferienprogramm mit Feuereifer dabei, als es darum ging, einen Kohlenmeiler aufzubauen. Der Historische Verein Ebermannsdorf hatte – in Kooperation mit seiner Untergruppe, den Köhlerfreunden und dem Kulturschloss Theuern – ein abwechslungsreiches Programm für die Kinder zusammengestellt. Vorsitzender Josef Gilch, der mit seinen Köhlern alle zwei Jahre in Ebermannsdorf einen großen Meiler aufschichtet, erläuterte in einem kleinen Frage- und Antwortspiel die Funktionsweise eines Meilers und wofür Holzkohle gebraucht wird. Und dann ging es auch schon los mit dem Holzschleppen zur Meilerplatte, gefolgt vom Aufschlichten der Buchenholzscheite. Da es die Sonne sehr gut mit den kleinen Köhlern meinte, wurden dabei mehrere Trink- und Arbeitspausen eingelegt. Wem es zu heiß wurde, der konnte im kühlen Schatten unter den Bäumen mit Holzkohle malen oder sich einfach nur ausruhen.

Auch der Schmied des Historischen Vereins, Jürgen Gruber, hatte seine transportable Schmiede dabei und die Kinder durften unter Anleitung selbst einen Eisenspieß schmieden. Natürlich auf einem Schmiedefeuer aus Ebermannsdorfer Holzkohle. Eine ebenfalls schweißtreibende Tätigkeit, aber die Kleinen waren dennoch gerne dabei. Wer wollte, konnte unter Anleitung von Martin Schreiner, dem neuen Chef des Kulturschlosses Theuern, seinen Spieß noch richtig spitz mit alten Schleifsteinen zuschleifen. Beim Aufbringen der Erdabdeckung für den Meiler ließen dann die Kräfte der kleinen Köhler schnell nach und so zogen es einige vor, den großen Haufen Lösch (bestehend aus dem Kohlenstaub der letzten Meiler, Sand und Erde), als Sandspielkasten und Rutschberg zu benutzen. Das war für sie dann der größte Spaß, in der lockeren und kühlen Lösch zu wühlen. Rußgeschwärzt beobachteten sie dann, wie der Meiler mit Glut befeuert wurde. Als der weiße Rauch in dicken Schwaden aus dem Meiler quoll, waren alle begeistert und zufrieden mit ihrem Werk. Einige Tage dauert es, bis aus dem einem Ster Buchenholz fertige Grillkohle geworden ist. Für die dann anstehenden Nachtwachen – ein Köhler muss seinen Meiler rund um die Uhr beobachten - fanden sich natürlich keine Kinder – alle wollten lieber zuhause in ihren eigenen Betten schlafen.

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Am Freitag wurde der Meiler geöffnet und die Holzkohle geerntet. Ob bei einem der Kinder das Interesse an der Köhlerei geweckt wurde und Verstärkung für die Ebermannsdorfer Köhler heranwächst? Für die Region wäre es wichtig, die alte Tradition zu erhalten. Schließlich hätte es ohne die Köhlerei keine Eisenindustrie in den vergangenen 1000 Jahren im Amberg-Sulzbacher Raum gegeben. Einst rauchten unzählige Kohlenmeiler rund um die Hammerwerke und Eisenhütten.

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