Ebnath
10.07.2026 - 10:52 Uhr
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Gold für Bläsergruppe „Hohes Fichtelgebirge im Kemnather Land“

Die Bläsergruppe „Hohes Fichtelgebirge im Kemnather Land“ hat beim Bayerischen Landeswettbewerb Gold geholt. Egid Kellner aus Ebnath leitet die Gruppe. Er erzählt, was ihn am Jagdhorn fasziniert und wie er diese Faszination weitergibt.

Es ist Montagabend im Ebnather Möbelhaus Kellner. Nur ein paar Schritte vom Eingangsbereich entfernt hat sich eine kleine Personengruppe versammelt. Männer und Frauen, altersmäßig bunt gemischt. Die einen stehen, andere sitzen, sie plaudern ungezwungen miteinander. Was sie alle verbindet, ist das Musikinstrument in ihren Händen. Es handelt sich dabei um ein Jagdhorn. Genauer gesagt um das große Parforcehorn, gestimmt in Es. Des Rätsels Lösung: Immer am ersten Tag der Woche findet hier im Möbelhaus die Übungsstunde der Bläsergruppe „Hohes Fichtelgebirge im Kemnather Land“ statt.

„Heute treffen wir uns zum ersten Mal wieder nach dem Bayerischen Landeswettbewerb in Regensburg“, sagt Egid Kellner, der die Gruppe bei den Proben leitet. „Dort haben wir Gold erreicht, wir haben einen beeindruckenden fünften Platz belegt.“ Und das, so fügt er nicht ohne Stolz hinzu, obwohl in der neunköpfigen Gruppe drei Jungbläser seien, die erst seit zwei Jahren Jagdhorn spielen und die Konkurrenz mit insgesamt 49 Teams ziemlich groß war.

Jäger sein kein Muss

Sind eigentlich Menschen, die Jagdhorn spielen, zwangsweise Jäger und Jägerinnen? „Nein, nein“, lacht der 66-Jährige. „Um Jagdhorn blasen zu lernen, muss man kein Jäger sein. Auch bei uns gibt es zwei Nicht-Jäger.“ Im Hintergrund sind mittlerweile bereits einige Probetöne zu hören, unterbrochen von Stühlerücken und dem Rascheln der Notenblätter.

Dann beginnt die Gruppe, das erste Musikstück – den Fürstenruf – zu spielen. Und es ist wirklich seltsam: Mit dem Einsetzen der Hörner wird bei den Zuhörern automatisch Kopfkino erzeugt: rauschender Sommerwald, eine Lichtung mit äsenden Rehen, ein Jäger auf dem Hochsitz, Halali. Diese Vorstellung kommt nicht von ganz von ungefähr. „Die Jagdmusik hat ihre Wiege in Frankreich“, erklärt Kellner, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv bläst, und dessen Ehefrau Christa Kellner die Gruppe bei Auftritten leitet. „Mithilfe der Jagdhörner und deren strikt festgelegten Signale konnte man ganze Jagden leiten.“ Heute wird durch das Blasen der Jagdhörner das erlegte Wild geehrt, man "verbläst" es.

"Zum Zerfließen"

Doch natürlich gibt es auch viele andere Gelegenheiten, um die Jagdhörner in den Mittelpunkt zu stellen. Zum Beispiel bei Hochzeiten, runden Geburtstagen, Weihnachtsmärkten, Jubiläen und Beerdigungen. Nicht zu vergessen der 3. November, wo landauf, landab Gottesdienste zu Ehren des heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger und Imker, stattfinden. Bei solchen Ereignissen steht jedoch eher die konzertante Seite des Parforcehorns im Mittelpunkt. Als „ergreifend und mit großem Gänsehauteffekt“ bezeichnen Zuhörer in der Regel den vierstimmigen Klang der Hörner. Egid Kellner sagt, das sei „zum Zerfließen“, nicht zuletzt wegen der Akustik in den Gotteshäusern.

Stellt sich natürlich die Frage, wie schwierig es ist, dieses Instrument zu lernen und wo man es lernen kann. Egid Kellner beginnt damit, die Besonderheit des Jagdhorns zu erklären: „Im Gegensatz zu anderen Blasinstrumenten besitzt es keine Tasten oder Klappen, über die Töne erzeugt werden. Die Bläser und Bläserinnen modulieren die Töne mit ihren Lippen und mit der Atmung.“ Klingt etwas schwierig. Klingt zumindest nicht so, als ob man das Instrument zu Hause im Do-it-yourself-Verfahren erlernen könnte. „Muss man auch nicht“, lacht Kellner, der bereits seit über 50 Jahren ein leidenschaftlicher Anhänger des Jagdhorns ist. „Ich biete Interessierten kostenfreien Unterricht an. Und ein Jagdhorn wird ebenfalls leihweise zur Verfügung gestellt. So kann man testen, ob das was für einen ist oder nicht.“

Hohes Niveau

Aus seiner letzten Anfängergruppe, die kurz vor Corona durchstartete, entschieden sich immerhin drei Teilnehmer, beim Jagdhorn zu bleiben und aktiv in der Bläsergruppe zu spielen. Einer von ihnen ist Gerhard Ott. Ohne jegliche musikalischen Vorkenntnisse kaufte sich der begeisterte Jäger vor ungefähr zwei Jahren im Internet ein gebrauchtes Jagdhorn. Nach dem Auspacken setzte er es an die Lippen, er blies hinein, doch heraus kam kein einziger Ton. Überzeugt davon, dass er beim Kauf hereingelegt wurde, ja, dass das Instrument schlichtweg kaputt war, wollte er es gleich zurückschicken. Dann aber erfuhr er von der Bläsergruppe in Ebnath mit dem Unterrichtsangebot im Jagdhornblasen für Anfänger. Und, Überraschung: Bereits im Laufe der ersten Unterrichtsstunde gab das Horn die ersten Töne von sich. Inzwischen ist er – wie auch die beiden anderen Jungbläser – Vollmitglied der Musikgruppe und hat am Bayerischen Landeswettbewerb der Jagdhornbläser mit Erfolg teilgenommen. „Es war der allererste Wettbewerb für unsere drei Jungbläser“, sagt Egid Kellner. „Und dann gleich Gold, das ist schon außergewöhnlich, zumal das Niveau sehr hoch ist.“

Gerade ist das Schlusslied der Bläsergruppe verklungen, die letzten dunklen, vollen Töne liegen fast noch greifbar in der Luft. Für diesen Abend ist die Probe vorbei, die Musikanten sind zufrieden. Auch Gerhard Ott packt sein Instrument wieder zurück in den Koffer. Übrigens: Ans Zurückschicken seines Jagdhorns hat er nach der ersten Unterrichtsstunde nie wieder einen Gedanken verschwendet.

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