17.01.2019 - 07:01 Uhr
EbnathOberpfalz

Eine Million Euro Schaden nach Scheunenbrand [mit Video]

Der Schaden ist enorm: Auf rund eine Million Euro beziffert die Polizei einen Scheunenbrand in Ebnath. Die Feuerwehr ist fast zwölf Stunden im Einsatz.

von Martin Maier Kontakt Profil

Über 200 Rettungskräfte werden in der Nacht zum Donnerstag nach Ebnath gerufen. Gegen 1.30 Uhr geht bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz die Mitteilung über einen Scheunenbrand ein. „Als wir eintrafen, stand schon alles lichterloh in Flammen“, erklärt Gerhard Horn, Kommandant der örtlichen Feuerwehr.

Donnerstagvormittag ist er mit 15 Mann noch immer vor Ort. Glutnester im Hackschnitzelbunker bereiten noch kleine Probleme. Die Brandschützer löschen das Hackgut ab und holen es mit einem Bagger Schicht für Schicht heraus. „Damit endlich Ruhe ist.“

Vor weitaus größeren Herausforderungen stehen die Floriansjünger in der Nacht. Denn die Photovoltaikanlage auf der Scheune und das Wohnhaus in unmittelbarer Nähe stellen besondere Gefahrenquellen dar. Zudem haben die Aktiven mit der starken Rauchentwicklung zu kämpfen. „Das war extrem“, verweist Horn auf den Einsatz von rund 40 Atemschutzgeräteträgern.

Ein weiteres Problem ist die Wasserversorgung. „Die war bei dieser Witterung ganz schlecht“, erläutert der Kommandant. Schließlich holen die Brandschützer das Wasser aus der rund einen Kilometer entfernten Fichtelnaab. Dies alles macht eine Nachalarmierung von drei Feuerwehren nötig. Schließlich sind rund 180 Aktive aus Ebnath, Brand, Fuhrmannsreuth, Kemnath, Neusorg, Riglasreuth, Schwarzenreuth, Nagel, Lenau, Lochau und Unterlind im Einsatz.

Der Rettungsdienst eilt mit zwei Rettungswagen, einem Notarzt und den „Helfern vor Ort Fichtelnaabtal“ nach Ebnath. Die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung versorgt alle Helfer mit heißen Getränken. Um die Kollegen abzulösen, wird um 6 Uhr noch die BRK-Bereitschaft Armesberg hinzugezogen. Die Einsatzleitung Rettungsdienst hat Patrick Süttner aus Reuth inne. Außerdem gibt es Unterstützung aus der Luft: Die Fachgruppe UAS (Unmanned Aerial System) des Roten Kreuzes rückt mit ihrer Drohne an.

Das Feuer legt das Gebäude in Metall- und Holzbauweise mit den Maßen von rund 50 mal 25 Meter in Schutt und Asche. Der hohe Schaden von rund einer Million Euro erklärte sich dadurch, dass der Brand die dort untergebrachten zwei Blockheizkraftwerke, die hochwertige Zierfischzucht (teilweise aus exotischen Ländern) sowie diverse Werkzeuge und Gerätschaften komplett zerstört. Personen kommen nicht zu Schaden. Ein Übergreifen der Flammen auf das angrenzende Wohnhaus kann die Feuerwehren verhindern.

Die Ursache für den Brand ist noch unklar. Laut Dietmar Winterberg, Sprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, rücken am Freitag die Brandfahnder der Kriminalpolizei Weiden an. Die Sachbearbeitung bleibe bei der Polizei Kemnath.

Mit dem Ablauf des Einsatzes zeigt sich Horn sehr zufrieden. "Es ist alles harmonisch abgelaufen", hebt er hervor. Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther stimmt seinem Kollegen auf NT-Nachfrage zu: "Das war hervorragend. Die Zusammenarbeit mit allen Kräften hat gepasst." Zudem verweist er auf den großen Nutzen der Drohne: "Dadurch bekommen wir einen super Überblick vom Schadensbild." Gerade bei so einem verwinkelten Einsatzort sei das ein großer Vorteil. Das Gerät helfe, Glutnester zu lokalisieren und die Wärmeentwicklung zu beobachten.

Für die Feuerwehr Ebnath endet schließlich am Donnerstag gegen 13 Uhr der Einsatz. Nach fast zwölf Stunden kehren die Aktiven zum Gerätehaus zurück.

Video vom Großbrand einer Scheune in Ebnath

Tausende Zierfische bei Brand verloren:

Zuchtarbeit von mehreren Jahren zerstört

Angelika Bayer ist den Tränen nahe. Sie hat eine ihrer schlimmsten Nächte hinter sich. Unter anderem sind ein etwa 250.000 Euro teures Blockheizkraftwerk und mehrere je 20.000 Euro teure Osmose-Anlagen zerstört worden. Am meisten schmerzen ihr aber die vielen tausend Fische, die der Horror-Nacht zum Opfer gefallen sind.

Angelika Bayer ist den vielen Helfern unendlich dankbar für ihren Einsatz. Doch wenn sie hinüber zur Halle blickt, kommen ihr die Tränen. „Wir hatten hier 1000 Aquarien mit Zierfischen wie Skalare, Diskus oder Welsen aufgestellt. Die meisten der Becken sind bei dem Einsatz geplatzt.“ Allenfalls ein Zehntel der Fische habe ihr Sohn retten können. „Einen Teil hat er in beheizte Teiche gesetzt, andere vorübergehend zu Kunden in Tschechien oder Erbendorf gebracht.“ Die Aquarien sind offenbar vor allem deshalb gesprungen, weil das eiskalte Löschwasser auf die warmen Becken gelaufen ist. Angelika Bayers Sohn, der am Donnerstag den gesamten Tag über alle Hände voll zu tun hatte, ist untröstlich.

Auch wenn die Versicherung den Schaden begleichen sollte, ist die Situation für den Fischzüchter regelrecht fatal. „Im Herbst ist das Geschäft so richtig angelaufen. Und nun ist das Ergebnis von mehreren Jahren Zuchtarbeit zerstört“, sagt Angelika Bayer. Der Zuchtbetrieb I.E.Z Bayer ist in Fachkreisen weltweit bekannt. Der Kundenstamm reicht bis nach Südafrika. „Und zuletzt haben wir auch nach Malaysia geliefert.“ Vor allem Großhändler haben auf die Zuchterfolge aus dem kleinen Ebnath vertraut. „Wir haben ja extra mit dem Bau der großen Halle Platz geschaffen für die Aquarien und die großen Anlagen.“ Da die Zierfische warmes Wasser benötigen, ist das Heizen und Aufbereiten des Wassers kompliziert. Dank der Blockheizkraftwerke (eines ist noch intakt) und der Photovoltaikanlage ist die notwendige Energie umweltschonend erzeugt worden. „Jetzt müssen wir sehen, wie es weitergeht und wir genügend warmes Wasser für die Aquarien herbekommen.“

Den Aktiven der Feuerwehr ist bewusst, wie schwer die Familie mit dem Brand getroffen ist. Dennoch sind sie froh, Schlimmeres verhindert zu haben.

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