05.12.2019 - 10:14 Uhr
EdelsfeldOberpfalz

Geschickt eingefädelt

Kreativ zu sein, bedeutet frei zu sein und die eine oder andere verrückte Idee auszuprobieren – wie ein Fadenbild. Aus einfachen Materialien und mit etwas Fingerspitzengefühl entsteht ein echtes Unikat für die eigenen vier Wände.

von Autor AJAProfil

Passend zum Wetter habe ich mich für ein weihnachtliches Motiv entschieden. Die Wahl fällt auf einen Pinguin mit Schal und Bommelmütze, den ich beim Durchforsten des Internets gefunden habe. Pinguine sind total niedlich. Ihr Watschelgang ist einfach genial und als Fadenbild kann ich mir das Tier super vorstellen. Was ich dabei anfangs aber nicht bedenke: Je mehr Farben das Bild hat, desto aufwendiger ist das Ganze. Aber dazu später mehr …

Als erstes steht der Besuch des Baumarktes an. Dort kann ich Holz, Lasur, Pinsel, Handschuhe, Nägel und einen Hammer besorgen. Wolle gibt es da nicht, aber die lässt sich anderweitig organisieren, zum Beispiel im Wollgeschäft oder in der Drogerie.

Zuhause angekommen, lege ich den Tisch mit alten Zeitungen aus und beginne mit dem Lasieren des Holzes. Das Holz wäre natürlich auch ohne Lasur einsatzbereit – aber da ich auf Teakholz-Optik stehe, muss ich es einfach anmalen. Kleiner Tipp: Ich bemale gleich mehrere Bretter auf einmal, damit ich beim nächsten Fadenbild gleich anfangen und mir die Trocknungszeit sparen kann.

Auf der Lasur steht: „Mindestens zwölf Stunden trocknen lassen.“ Also gönne ich mir eine kleine Pause und mache ein paar Tage später weiter. Die Pinguin-Vorlage habe ich in DIN A4 ausgedruckt und mit kleinen Markierungen versehen, damit die Nägel ungefähr den gleichen Abstand haben. Am besten nicht zu eng machen, sonst wird es beim Nageln und Fädeln knifflig.

Die Vorlage habe ich mit einem Klebestreifen auf der Holzplatte befestigt. Alle Vorbereitungen sind nun abgeschlossen und das Do-it-yourself-Projekt kann endlich in die vollen Gehen. Denn jetzt wird gehämmert! Tock, tock, tock, schon ist der erste Nagel drin. Ich habe ihn zirka einen Zentimeter rausschauen lassen, damit ich später die Fäden spinnen kann. Sollte mal ein Nagel schief stehen, einfach mit der Zange korrigieren – das klappt super! Ich schnappe mir den nächsten Nagel und den nächsten und den nächsten und so weiter. Plötzlich steht mein Vater im Türrahmen und meint: „Etz bist du allweil nou dou. Mogst du niard hamgöih?“

Mit Blick auf die Uhr geht mir das berühmte Licht auf. Verdammt, ich bin schon fast eine Stunde am Hämmern und habe die Zeit total vergessen. Vom Ehrgeiz gepackt, hämmere ich noch die letzten 20 Nägel ins Holz und verlasse dann meinen Arbeitsplatz. Beim Nachhausegehen stelle ich fest, dass meine Finger kohlrabenschwarz sind und dass mir meine Finger und mein Arm vom vielen Hämmern etwas wehtun. Deshalb meine Empfehlung: Handschuhe anziehen und nicht alle Nägel auf einmal ins Holz hämmern.

Am nächsten Tag geht es weiter. Als erstes habe ich das Papier vom Holz weggerissen. Ein paar Papierfitzelchen wollen sich zunächst nicht so recht von den Nägeln trennen, aber mit einer Pinzette lässt sich das Problem schnell lösen. Sieht doch gut aus. Wird schon, denke ich mir. Wird bestimmt super …

Hätte mich jemand vor dem Projekt gefragt, hätte ich gesagt: „Das Fädeln ist einfach und geht total schnell. Easy peasy.“ Im Nachhinein betrachtet, muss ich gestehen: „Das Fädeln ist grundsätzlich nicht schwierig, dauert aber lange. Länger als das Nageln.“

Und so beginnt die Fädelei: Ich starte mit dem schwarzen Körper. Das Prinzip ist immer gleich: Den Faden an einem Nagel festknoten und zunächst die Kontur umwickeln. Anschließend den Faden zu einem beliebigen Nagel gegenüber und wieder zurück wickeln. Immer so weitermachen, bis der Abschnitt ausreichend schwarz gefädelt ist. Wie oft und wie stark gewickelt wird, ist dabei vollkommen egal. Generell gilt beim Fadenbild: Ausprobieren und kreativ sein!

Schwarz genug würde ich sagen. Nun wird der Faden an einem Nagel fest verknotet und der Überstand abgeschnitten. So verfahre ich mit allen Farben, bis ich schließlich fertig bin. Zum Schluss die Augen mit Sekundenkleber befestigen. Ich habe noch ein paar Knöpfe übrig. Perlen gehen natürlich auch. Fertig! Also eigentlich. Wenn ich mir nicht eingebildet hätte, dass der Pinguin eine Bommelmütze haben muss …

Wer schon mal einen Bommel gemacht hat, weiß, dass das nicht mal eben gemacht ist, sondern dauert. Dafür werden zwei Kreise auf einem Karton aufgezeichnet und ausgeschnitten. In die Mitte kommt ein Loch mit einem nicht allzu großen Durchmesser. Die beiden Kreise werden aufeinander gelegt und mit einem ganz langen Faden umwickelt. Wenn das Loch gefüllt ist, kommt eine Schere zum Einsatz. Mit dieser wird einmal um den Außenkreis geschnitten. Wenn dies geschafft ist, wird ein 15 Zentimeter langer Faden durch die beiden Kreise gezogen und zugebunden. Nun kann der Karton aufgeschnitten und entfernt werden. Fertig ist der Bommel – juhu!

Diesen habe ich ebenfalls mit Sekundenkleber befestigt. Zu guter Letzt habe ich mit weißer Acrylfarbe noch ein paar Schneeflocken in Form von unterschiedlich großen Punkten auf das Bild gemalt.

Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Nach viel Kreativität und mit ganz viel Fingerspitzengefühl ist ein wunderschönes Fadenbild entstanden. Ein Unikat, das Platz in meiner Wohnung findet. Es hängt im Esszimmer und zaubert mir beim Plätzchen backen oder Frühstücken ein Lächeln ins Gesicht.

Übrigens: Ein Fadenbild lässt sich auch auf Papier gestalten. So entstehen zum Beispiel super-coole Weihnachtskarten. Statt der Nägel werden hier Nadeln benötigt. Damit wird das Muster samt Faden durchgestochen. Sterne, Herzen, Schneeflocken oder Kreise machen auf den Karten eine richtig gute Figur. Wer Lust hat, kann noch ein paar Perlen auffädeln. Der Kreativität sind auch hier keine Grenzen gesetzt.

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