15.07.2020 - 11:38 Uhr
EdelsfeldOberpfalz

Weißenberger Schloss soll saniert werden

Längst hat das Weißenberger Schloss nicht alle Geheimnisse seiner wechselvollen Baugeschichte preisgegeben. Eine Untersuchung läuft, und der Eigentümer lässt sich in die Karten schauen, was er damit vorhat.

Einblicke in seine Pläne mit dem Weißenberger Schloss gewährt Volker Noffke (Sechster von links) dem Gemeinderat Edelsfeld mit Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl (Fünfter von links) und Bürgern aus dem Ort.
von Redaktion ONETZProfil

Auf dem Vorplatz des ehemaligen Edelsitzes Weißenberg, eher bekannt als Weißenberger Schloss, trafen Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl, die Gemeinderäte und Vertreter der ortsansässigen Vereine den neuen Eigentümer Volker Noffke. Der Steuerberater mit Büro in Schnaittenbach kündigte an, das Objekt mit der nötigen Ruhe und Sorgsamkeit zu sanieren und zum Zentrum des Dorfes zu machen. Architekt Georg Zunner aus Amberg begleitet das Projekt fachlich.

Bisher wurde der Außenbereich großflächig vom Wildwuchs befreit. Zwei größere Bäume fielen der Säge zum Opfer, da sie ein Sicherheitsrisiko dargestellt hätten. Nun solle ein Denkmalschutz-konformes Gesamtkonzept entwickelt werden. Ökologischen Gesichtspunkten werde unter anderem mit einer Streuobstwiese Rechnung getragen.

Aktuell laufe das Aufmaß des Obergeschosses. Sogenannte Sondageöffnungen sollen bis ins Original-Mauerwerk führen. Um die bauliche Substanz freilegen und zur Bodenuntersuchung im Außenbereich graben zu dürfen, werde auch die Zustimmung der Gemeinde benötigt.

Auf einem Rundgang durch das Schloss zeigte der Architekt einige Besonderheiten. Eine verschobene Wand lasse sich am Kreuzgewölbe erkennen. Ein außergewöhnlicher Deckenstuck wartet nicht, wie sonst oft üblich, mit Putten, sondern Meerjungfrauen als Verzierung auf. Den aktuell wohl ältesten Teil des Hauses, eine mittelalterliche Säule, bezeichnete Zunner als "bombastische Stütze". Der Dachstuhl sei stark sanierungsbedürftig. Viele Wasserschäden seien zu erkennen.

Wenn alle Ergebnisse der Forschungen zusammengetragen sind, könne ein Nutzungskonzept erstellt werden. Bauherr Volker Noffke erklärte, ihm sei es wichtig, das Kulturgut für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Sofern mit dem Denkmalschutz vereinbar, will er die sanierten Räume später für kleinere Veranstaltungen und Seminare vermieten. Selbst einmal in Weißenberg zu wohnen, schloss er nicht aus.

Ein Schloss in der Nachbarschaft, das für großes öffentliches Aufsehen sorgte

Amberg

Noch heuer soll die Befund-Dokumentation zu Ende gebracht werden und die Basis für die Eingabe-Planung liefern. Die Dauer der Sanierung dann vorsichtig auf eineinhalb bis zwei Jahre geschätzt. Eine endgültige Fertigstellung kann aber, da auch ein großer Außenbereich vorhanden ist, bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl zeigte sich erfreut über das Vorhaben. Im Rathaussaal erteilte der Gemeinderat seine Zustimmung für die nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz beantragten Befunduntersuchungen und Außenarbeiten.

Das Weißenberger Schloss:

Geschichte und Kuriositäten

Erstmals wurde das Schloss 1224 urkundlich erwähnt. Ursprünglich handelte es sich um eine mittelalterliche Burg; eine sogenannte Versteckburg. Dazu eignete es sich durch seine Lage im Tal und die Tatsache, dass es von oben nicht zu sehen war. Später hat das Schloss vermutlich als Verwaltungssitz gedient.

Insgesamt seien über die Jahre „brutale Umformungen“ erfolgt, erklärte Architekt Georg Zunner. Unsachgemäß ausgeführte Ein- und Umbauten hätten dem Gebäude sehr geschadet. Für alle Betrachter offensichtlich war der Hinweis auf die Zierklinker an der Fassade um die Fenster, die Zunner als typisch für die 50er-Jahre bezeichnete.

Auf zwei Kuriositäten machte der Fachmann aufmerksam. Ein Brunnen auf dem Areal, der von außen gut zu sehen ist, diene rein der Dekoration. Der tatsächlich genutzte historische Brunnen liege unter einer Stahlplatte versteckt. Eine zweite Besonderheit führte Zunner als Beispiel an, was seine Arbeit so spannend mache: Die Lage der ursprünglichen Treppenanlage, die neuzeitlich ersetzt worden ist, habe er immer noch nicht feststellen können.

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