27.10.2019 - 17:11 Uhr
Eger (Cheb)Oberpfalz

Historische Meisterwerke in Patrizierhäusern

Tagung von mehr als achtzig Teilnehmern aus sechs Ländern

Karl Müller bei seinem Vortrag im Kulturzentrum Svoboda.
von Autor GJBProfil

Eger ist der ideale Ort für eine Versammlung von Experten über die Kunst mittelalterlicher Zimmerleute. Es ist einzigartig, dass es hier, bei den Patrizierhäusern rund um den Marktplatz, noch ein unversehrtes Ensemble an historischen Dachstühlen gibt.

Dies entdeckte man erst vor knapp vier Jahren. Schon im Mai 2017 eröffnete daraufhin der "Stiftungsfonds Historisches Eger" eine Besuchertrasse. Das Interesse an den Besichtigungen übertraf alle Erwartungen, nicht nur bei Experten, sondern auch bei Schulklassen und vielen Besuchern der Stadt. Sehr schnell gelang es auch, diese besterhaltenen historischen Meisterwerke in den Nachbarländern bekanntzumachen.

Der Dachstuhl der Franziskanerkirche ist bereits 700 Jahre alt - und damit das älteste Werk der mittelalterlichen Zimmerleute auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Im Rahmen der Festveranstaltungen zu diesem Jubiläumsjahr trafen sich mehr als 80 Experten für historische Dachstühle im Kulturzentrum Svoboda Cheb zum Erfahrungsaustausch. Marcela Brabačová, Leiterin der Abteilung für Kultur, und der Bauhistoriker Michal Panáček konnten Historiker, Architekten, Zimmermeister, sowie die Vertreter von Universitäten, Museen und Denkmalämtern in Tschechien und auch aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Slowakei und aus Polen begrüßen. Cheb ist derzeit die einzige Stadt in der Tschechischen Republik, die Führungen unter den Dächern von Stadthäusern durchführt.

Schwerpunkte der Tagung waren unter anderem die Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die gemeinsame Werbung oder die Herstellung von Modellen historischer Dachstühle. Zwei Oberpfälzer fanden mit ihren Beiträgen das größte Interesse der Teilnehmer: der ehemalige Berufsschullehrer Karl Müller, dessen pädagogisch kreativ gestalteten Führungen auf dem Dachstuhl der Amberger Martinskirche beispielhaft sind, sowie der Parksteiner Zimmermeister Josef Hauer, der für die Stadt Cheb Modelle der Dachstühle des Egerer Gablerhauses und der 700-jährigen Franziskanerkirche erstellt hatte. Großen Beifall erhielt der 82-jährige Josef Hauer auch für sein erst kürzlich fertiggestelltes Modell der Münchener Frauenkirche, das aus 3017 Einzelteilen besteht.

Karl Müller bei seinem Vortrag im Kulturzentrum Svoboda.
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