25.10.2018 - 16:49 Uhr
Ehenfeld bei HirschauOberpfalz

16-jährige Ehenfelderin veröffentlicht Roman

Sie ist 14 Jahre alt und muss sich oft mit ihrem kleinen Bruder um den Laptop streiten. Aber Nicole Allwang aus Ehenfeld ist entschlossen, ein Buch zu schreiben. Und das tut sie. Zwei Jahre lang. Dann gewinnt ihre Geschichte einen Preis.

Mit 14 Jahren begann Nicole Allwang aus Ehenfeld, ihren eigenen Roman zu schreiben.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Erst war "Winter". Ein Wort. Es geisterte der damals 14-jährigen Nicole Allwang durch den Kopf. Die Ehenfelderin dachte sich: Ist das vielleicht auch ein Name? Wer könnte so heißen? Was hat es mit dieser Person auf sich? Wie sieht sie aus? Dann war da das Bild eines Mädchens. Ein Charakter. Entstanden aus der Fantasie von Nicole Allwang. Sie begann zu schreiben - und tat das dann zwei Jahre lang. Immer dann, wenn sie Lust dazu hatte, wenn ihr Ideen kamen.

Sie schnappte Gesprächsfetzen im Schulbus, im Supermarkt auf, machte sich Notizen. "Ganz ohne Zusammenhang. Das darf niemand lesen. Derjenige würde denken, ich wäre verrückt", erzählt die heute 16-Jährige und lacht. Nun, fast drei Jahre später, hält sie ihren ersten eigenen Roman in den Händen - der Titel: "Winter". Ihr Traumberuf ist Schriftstellerin nicht: "Zu unsicher." Doch sie habe sich schon immer gerne Geschichten ausgedacht. Das bestätigt ihre Mutter: "Als Kleinkind hat sie Bilder gemalt und mir dann einen Text dazu diktiert."

Reizvoll: Die Charaktere

Es folgten Gedichte und ein paar nie fertig gewordene Kurzgeschichten. "Mir war immer klar, dass ich irgendwann mal ein Buch schreiben werde. Aber da hat mich natürlich niemand ernst genommen", erzählt Nicole Allwang. Mit 14 Jahren infizierte sie sich mit dem Epstein-Barr-Virus und erkrankte am Pfeifferschen Drüsenfieber. "Das ist eine langwierige und frustrierende Krankheit. Man muss lange zu Hause bleiben und ist total erschöpft."

Damals fing Allwang an, ihre Mystery-Liebesgeschichte rund um die rätselhafte Winter zu schreiben. Die Hauptfigur ihres Romans aber ist der rothaarige Clyde, der begehrteste Typ an der ganzen Schule. "Charaktere erschaffen, die man alles machen lassen kann, was man will", das war besonders reizvoll für die junge Autorin.

Zum Schreiben gezwungen habe sie sich nie: "Das bringt nichts, dann kommt nichts. Und für mich ist das ein Hobby." Außerdem musste sich Allwang den Laptop mit ihrer Familie teilen. "Als sie das Buch geschrieben hat, war gerade der Landwirtschaftssimulator angesagt und den konnte man nur auf dem Computer spielen. Da kam es dann schon mal zu Reibereien mit ihrem kleinen Bruder", erzählt Mama Martina. Als sie die Wahl zwischen einem eigenen Laptop und einer neuen Trompete hatte, entschied sich die Nachwuchsschriftstellerin aber für das Instrument. Musik ist die andere große Leidenschaft der Ehenfelderin, die das Max-Reger-Gymnasium in Amberg besucht. Neben Trompete spielt sie auch Klavier. Und Tennis.

Anfangs mit zwei Fingern

Auch die Eltern haben zunächst nicht geglaubt, dass ihre Tochter das Buch wirklich beendet. "Aber ich hab' mir gedacht, dann lernt sie gleich das Zehn-Finger-Schreiben", erklärt die Mutter. Tatsächlich hat Nicole mit zwei Fingern zu tippen begonnen. "Mittlerweile braucht sie nicht mehr hinschauen." Als die Geschichte dann doch fertig war, sagten sich die Allwangs: "Wenn die Arbeit schon gemacht ist, dann schicken wir das auch ein." Doch es war schwierig, einen Verlag zu finden. "Mein Glück war, dass ich dann an einem Schreibwettbwerb der Deutschen Literaturgesellschaft teilgenommen habe", sagt Nicole Allwang. Zugelassen waren Werke von Autoren, die jünger als 16 Jahre sind.

Allwang gewinnt. Der Preis: Ihr Buch wird kostenfrei veröffentlicht, sie bekommt Werbematerialien und darf gemeinsam mit der Gewinnerin des Vorjahres zur Frankfurter Buchmesse fahren. "Als die Antwort kam, war ich so aufgeregt. Ich dachte mir: Okay, wenn das jetzt eine Absage ist, dann war's das.", beschreibt die 16-Jährige ihre Gefühle. Auch ihre Mutter freute sich: "Ich finde es schön, dass die jungen Menschen so eine Möglichkeit bekommen."

Fortsetzung nicht geplant

Im Verlag wurde das Buch gelesen und korrigiert. "Sie haben an gewissen Stellen angemerkt, wenn etwas unklar war. Oder wollten, dass bestimmte Charaktere noch mehr herausgearbeitet werden", erläutert die Autorin. Wirklich realisieren könne sie noch immer nicht, dass ihr eigenes Buch nun gedruckt wurde.

"Es ist ein schöner Gedanke, dass andere - auch fremde - Menschen, die Geschichte, die es ohne mich nie gegeben hätte, jetzt lesen können. Und sich dann auch mit den Charakteren beschäftigen." Sie selbst habe beim Schreiben zu all ihren Figuren eine Beziehung entwickelt. Eine Fortsetzung des Romans sei nicht geplant. "Ich denke, der Leser ist am Ende des Buches zufrieden."

Darum geht Es:

"Mein Leben war immer kalt und einsam wie der Winter. Mein Name könnte nicht besser gewählt sein. Doch dann war da plötzlich Clyde und brachte mein mühsam aufgebautes Leben ins Wanken. Ausgerechnet der größte Playboy der Schule hat ein Auge auf mich geworfen. Doch es geht um mehr als nur Gefühle - es geht um mein Überleben."

Clyde kann jedes Mädchen haben. Doch dann bringt Winter sein Weltbild völlig durcheinander: Das neue Mädchen in der Klasse ignoriert ihn komplett. Sein Ehrgeiz ist gepackt. Doch schon bald merkt er, dass es ihm nicht einfach nur um eine neue Eroberung geht.

"Winter - Wenn Sommer, Frühling oder Herbst vollkommen unwichtig sind" von Nicole Allwang, 417 Seiten, Taschenbuch, 12,80 Euro, ISBN 978-3-03831-191-1.

Für das Cover zeichnete Kim Nespor, eine Freundin der Autorin, die Hauptfigur Clyde.
Positiver Nebeneffekt: Beim Schreiben ihres Romans lernt die Nachwuchsautorin, mit zehn Fingern zu tippen.

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