31.10.2018 - 11:07 Uhr
Oberpfalz

Einfach mal den Stecker ziehen

Schon zwei stille Minuten können uns deutlich entspannen, den Blutdruck senken und den Blutfluss im Gehirn stimulieren. Gönnen Sie sich einfach mal ein bisschen Stille, rät die OWZ-Glücksexpertin.

Die Hirnforschung weiß längst, wie wichtig und wirksam schon einige Minuten Stille für uns sind.

Der Radiomoderator erzählt lautstark sinnlose Banalitäten, bevor der nächste Song losdudelt. Das Handy klingelt, der Computer piept, draußen hupt ein Auto. Die Kinder haben den Fernseher schon wieder viel zu laut aufgedreht, lautes Schreien ist aus dem Wohnzimmer zu hören - und unsere nette Sprachassistentin Alexa auf der Kommode fragt, ob wir noch einen Wunsch haben ... Haben Sie manchmal auch das Gefühl, dass alles immer greller, immer schneller und immer lauter wird? Sehnen Sie sich auch immer öfter nach Ruhe? Würden Sie am liebsten einfach mal alle Stecker ziehen und die herrliche Stille genießen?

"Je stiller es ist, desto mehr kannst du hören", sagt ein chinesisches Sprichwort. Doch heutzutage ist es schwer geworden mit der Stille. Immer öfter wird uns alles viel zu viel. Wir sind gestresst, unkonzentriert, fahrig, erschöpft, werden manchmal sogar richtig krank davon. Kein Wunder, denn laut Wissenschaft ist unser Gehirn einfach nicht gemacht für diese moderne Welt, in der ständig jemand Daten, Töne und Aufforderungen über uns auszuschütten scheint. Es stammt noch aus der Zeit, als man nachts zusammen am Feuer saß, nichts als den Sternenhimmel über und die Geräusche der Natur um sich.

Die Hirnforschung weiß längst, wie wichtig und wirksam schon einige Minuten Stille für uns sind. Denn laute Geräusche lassen nicht nur unseren Blutdruck ansteigen und erhöhen das Herzinfarktrisiko, sie beeinträchtigen unsere ganze Gesundheit. Lärm aktiviert die Amygdala im Gehirn, die daraufhin das Stresshormon Cortisol ausschüttet. Stille dagegen bewirkt das Gegenteil. Eine aktuelle Studie zeigte jetzt: Schon zwei stille Minuten können uns deutlich entspannen, den Blutdruck senken und den Blutfluss im Gehirn stimulieren. Dem Gehirn tut es unglaublich gut, wenn der Strom der Reize, die ständig darauf einströmen, auch einmal unterbrochen wird.

Denn diese Reize ununterbrochen verarbeiten zu müssen, belastet den präfrontalen Kortex. Unsere Aufmerksamkeitsspanne leidet darunter. Genauso wie unsere Fähigkeit, komplexe Dinge zu durchdenken, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen. Je länger wir dem Gehirn keine Pause gönnen, desto müder und unmotivierter wird es. Deswegen: Lassen Sie uns doch einfach mal den Stecker ziehen. Uns einfach mal ein bisschen Stille gönnen. Sie werden schnell merken, wie gut das tut. "Die Stille stellt keine Fragen, aber sie kann uns auf alles eine Antwort geben", schreibt Schriftsteller Ernst Ferstl. Probieren Sie es aus. Gehen Sie doch mal wieder im Wald oder am See spazieren, schalten Sie zu Hause alle technischen Geräte und Lärmquellen aus - und starren Sie ruhig einfach mal die Wand an. Setzen Sie sich mit einer Tasse Tee in den Garten oder auf eine Parkbank und genießen Sie einfach die Ruhe.

Lassen Sie die Gedanken schweifen, hören Sie einmal nur auf Ihre Gefühle, schwelgen Sie in Erinnerungen und entwickeln Sie neue Ideen. Herrlich, was man mit so ein bisserl Stille alles anfangen kann, nicht wahr? Aber jetzt: Psssst. (ewa)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.