(bl) "Seit 25 Jahren haben wir diesen Zirkus schon", schimpft Walter Drexler, der als Anlieger, Stadtrat, Gastgeber und Landwirt mit dem unliebsamen Phänomen am Stausee konfrontiert ist. Überraschend sei heuer eher, dass sich so lange kein Algenfilm gebildet habe. Und dass überhaupt Proben vom Gesundheitsamt entnommen wurden. "Letztes Jahr waren die Algen viel intensiver, da gab es eine Schicht wie Joghurt, aber es hat sich eigentlich keiner gekümmert", berichtet Drexler. Auch ein offizielles Badeverbot habe es bislang nicht gegeben. Er vermutet, dass der für Blaualgen (Cyanobakterien) anfällige See nun endlich durch den Besuch von hochrangigen Kommunalpolitikern in den Fokus gerückt ist. "Selbst wenn der See für negative Schlagzeilen sorgt, dann ist das positiv, weil er nicht in Vergessenheit geraten darf."
Denn anders als viele weitere Seen, die heuer von Blaualgen geplagt sind, trifft es den Eixendorfer Stausee fast jedes Jahr. "Tatsächlich waren die Algen im Mai schon recht intensiv da, im Juni war das Wasser grün, dann sah es wieder besser aus", so die Beobachtungen des Neunburger Stadtrats. Dass nun die "Blaualgen-Welle" den See recht spät im Jahr erreicht, ist für ihn kein Grund zu Optimismus. Klar sehe man an dem Zustand nach der langen niederschlagsfreien zeit, dass der Nährstoff-Eintrag schon ein Faktor ist, aber eben aus Drexlers Sicht kein entscheidender. "Freilich ist da was dran, aber wir haben hier eine Jahresfracht von 12 Tonnen Phosphat, 9 Tonnen wären es, wenn man die Landwirtschaft stilllegen würde, 3 Tonnen verträgt der See", beruft sich Drexler auf das Ergebnis eines Gutachtens zum See, das im Juni vorgestellt wurde (wir berichteten).
"Tatsächlich ist das heuer kein Standard-Jahr", bestätigt auch der für den See zuständige Mitarbeiter am Wasserwirtschaftsamt Weiden, Manuel Schlegel. "Der Regen ist hier nicht entscheidend, aber das, was von ihm mitgenommen wird." Dazu kommen Faktoren wie Temperatur und Sonneneinstrahlung oder Verweilzeit im See. "Aber die Zusammenhänge sind sehr komplex", warnt er vor voreiligen Schlüssen. "Rein von der Gewässerbiologie her hat man hier den Stein der Weisen noch nicht gefunden."
Mit den Vorschlägen aus dem Gutachten ist Anlieger Drexler jedenfalls nicht zufrieden. Darin sind Lösungsansätze angedacht, die vor allem langfristig greifen sollen, aber auch kostspielige Varianten wie Container, in denen das Wasser eine Art Filterprozess durchläuft. "Ein Oberflächen-Ablauf ist das einzige, was Besserung bringen könnte", behauptet Drexler und kritisiert, dass diese Lösung im Gutachten unter den Tisch fällt. Man habe dabei die Wassertemperatur an 365 Tagen zugrunde gelegt, für die Algenschicht seien aber nur die Sommermonate entscheidend mit hohen Temperaturen an der Oberfläche.
Wenn in nächster Zeit wegen Bauarbeiten ohnehin eine See-Absenkung geplant ist, dann würde Drexler sich die Installation von Entnahme-Türmen wünschen, die wie ein Schacht angelegt werden könnten. "Jeder Kubikmeter Algen, der den See verlässt, ist ein Gewinn", so seine Devise nach zwölf Runden Tischen zu dem Thema, der nächste steht im November an. Das Ergebnis kann er sich schon denken: "Im Grunde weiß keiner, wie das hier weitergeht, eigentlich sind alle ratlos."
Blaualgen besitzen im Gegensatz zu Algen keinen echten Zellkern, sie gehören eigentlich zu den Bakterien. Cyanobakterien, so der Fachausdruck, kommen überwiegend in Süßwasser und feuchten Böden vor, aber auch in Meereswasser, auf Baumrinde und auf Gesteinsoberflächen. Durch die Blaualgen steigt der Microcystin-Gehalt in den Gewässern, im Fall des Eixendorfer Stausees liegt er derzeit über dem geltenden Grenzwert nach der Badegewässer-Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft. Microcystine können beim Menschen Schleimhautreizungen, Allergien und Entzündungen hervorrufen. Nach Aufnahme größerer Mengen kann es zu Durchfall und Erbrechen kommen. (bl)















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