18.10.2021 - 16:15 Uhr
Oberpfalz

Bei der Elektrifizierung im Landkreis Tirschenreuth geht es kaum voran

Wann kommt die Elektrifizierung der Bahnstrecken von Hof nach Regensburg und von Marktredwitz nach Nürnberg? Der Leiter des Bahnausbaus Nordostbayern, Matthias Trykowski, informierte die Kreistagsmitglieder über den aktuellen Stand.

Noch immer fahren die Züge auf der Strecke von Hof nach Regensburg mit Dieselloks. Wann die Elektrifizierung kommt, konnte auch Matthias Trykowski, Leiter des Bahnausbaus Nordostbayern, den Kreisräten in der Sitzung nicht sagen.
von Armin Eger Kontakt Profil

"Wir wollen den Umstieg auf die Elektrifizierung in der gesamten Region", sagte Projektleiter Matthias Trykowski bei der Sitzung des Kreistags in der Wiesauer Berufsschulturnhalle. Die Züge seien dadurch schneller und zuverlässiger. Aber für die Planungen gehe jede Menge Zeit drauf, "mehr als 10 Jahre", so Trykowski. Bei der Franken-Sachsen-Metropole, die von Waldershof über Neusorg und Immenreuth nach Nürnberg führe, seien die Vorplanungen abgeschlossen. "Der Bund prüft, ob eine Fortsetzung des Projekts möglich ist", so der Redner.

"Selbst ungeduldig"

Für den Ostkorridor, von Marktredwitz über Pechbrunn, Wiesau, Reuth bis nach Regensburg, sei man mit den Vorplanungen am Start. Ein eigenes Genehmigungsverfahren sei hier notwendig. Er hoffe, "dass es weitergeht. Wir sind selbst ungeduldig", sagte Trykowski.

Die Maßnahmen zur Elektrifizierung seien umfangreich. Für den Abschnitt Immenreuth bis Waldershof hätten die Vorplanungen ergeben, dass in Waldershof Brücken angepasst, in Pullenreuth zwei neu gebaut und der Tunnel Langentheilen aufgeweitet werden müsste. Eine Anpassung der Brücken ist auch in Neusorg notwendig, dazu muss am Bahnhof unter anderem ein elektronisches Stellwerk geschaffen werden. Auf Kulmain kommen Anpassungen und Neubau von Brücken sowie Aufweitung des Tunnels Armannsberg zu, und auch in Immenreuth müssen die Brücken umgebaut werden. "Der Schallschutz ist ein großes Thema", so Trykowski.

Lärmschutz und Barrierefreiheit

Beim Thema Lärmschutz hakte Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz nach. "Wir sind für die Elektrifizierung, aber einen Lärmschutz erwarte die Bevölkerung von uns." Ihn wurme, dass keine Barrierefreiheit am Bahnhof geschaffen werde. Zudem müsse es eine Verbesserung der Anbindungen zum Beispiel an den Flughafen München oder in die bayerische Landeshauptstadt geben. "Wir haben keine Möglichkeit mehr, spät abends von dort zurückzukommen." Dutz wollte auch wissen, was mit den Brücken passiert, die aus- oder neu gebaut werden müssen. "Die Kommunen schaffen das finanziell nicht."

Nicht vor der Elektrifizierung

Der Lärmschutz sei priorisiert worden, bestätigte Trykowski. "Es wird ein erhöhter Güterverkehr kommen und auch ein Lärmschutz, dort wo Menschen leben." Die Barrierefreiheit nannte er eine Herausforderung. Aber er machte keine Hoffnung, dass diese vor der Elektrifizierung komme. Bei Maßnahmen an Bahnübergängen, an denen kommunale Straßen oder Wege Strecken einer Eisenbahn des Bundes kreuzen, trage künftig der Bund die Hälfte, die Eisenbahn des Bundes ein Drittel und das Land, in dem die Kreuzung liegt, ein Sechstel der Kosten. Während es bei Bahnübergängen künftig klar sei, wer bezahle, fehle dies bei Brücken. "Das würden wir uns wünschen", sagte Trykowski.

Kulmains Bürgermeister Günter Kopp (Zukunft Landkreis Tirschenreuth) meinte, es könne nicht sein, dass nach derzeitiger Gesetzeslage die Kommunen für den Neubau von Brücken bezahlen sollen. "Und zwar bis zu 120 Prozent der tatsächlichen Kosten. Das nennt sich Vorteilsausgleich", weiß Kopp. Für eine 2 Millionen Euro teure Brücke kämen 2,4 Millionen Kosten auf die Kommune zu. "Ich muss für etwas bezahlen, das ich gar nicht will. Der Bund schafft an und gibt es an die Kommunen weiter. Das wird uns finanziell erledigen." Die Bahn müsse sich auf massiven Widerstand einstellen. "Warum hat man das Eisenbahnkreuzungsgesetz nicht gleich mit geändert?", fragte Kopp. Wer anschaffe, müsse komplett bezahlen, sagte CSU-Fraktionssprecher Bernd Sommer. Wenn diskutiert würde, wer zahlen müsse, würde das ewig dauern.

Ob die Stromnutzung für die Elektrifizierung über den Ost-Bayern-Ring möglich sei, wollte Ely Eibisch von den Freien Wählern wissen. Aufgrund des zeitlichen Versatzes der beiden Projekte sei das nicht möglich, bedauerte Trykowski. Der Einsatz von Wasserstoffloks würde für Stichstrecken möglich sein, aber nicht für den Durchgangsverkehr, erklärte der Bahnvertreter. Gefragt hatte nach der Möglichkeit Josef Schmidt von den Grünen.

Resolution zum Klimaschutz

Es gebe einen Entwurf einer Resolution zum Klimaschutz von 71 bayerischen Landkreisen, erklärte Landrat Roland Grillmeier. Darin heißt es unter anderem: "... der Ausbau und die Elektrifizierung der Schieneninfrastruktur muss von Bund und EU im Ballungs- wie im ländlichem Raum zügig umgesetzt werden". Zudem werde eine deutliche Verbesserung des ÖPNV-Angebotes angestrebt. "Ich gehe davon aus, dass die Resolution beim nächsten Landkreistag verabschiedet wird", sagte Grillmeier.

Brücken müssen Kommunen bezahlen

Kulmain

„Ich muss für etwas bezahlen, das ich gar nicht will. Der Bund schafft an und gibt es an die Kommunen weiter. Das wird uns finanziell erledigen.“

Günter Kopp, Bürgermeister Kulmain

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