21.05.2019 - 09:46 Uhr
Ellenfeld bei BärnauOberpfalz

Bei Windpark Ellenfeld viele Rotmilane am Himmel gesichtet

Die Auseinandersetzungen um die Windräder bei Ellenfeld gehen in die nächste Runde. Nun liegt dem Landratsamt das mit Spannung erwartete Gutachten über das Vorkommen von Rotmilanen im Bereich der Windkraftanlagen vor.

Die Windräder bei Ellenfeld stehen in einem Rotmilan-Dichtegebiet. Das steht in einem Gutachten, das die Untere Naturschutzbehörde in Auftrag gegeben hat. Welche Auswirkungen dies für die Betreiber der Anlage hat, lässt sich noch nicht abschätzen.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Auf Grund des Fundes eines zerstückelten Rotmilans bei den Windrädern hat das Landratsamt 2018 Experten beauftragt zu untersuchen, ob sich im 1500-Meter-Bereich um die Anlagen ein bebrüteter Horst der streng geschützten Greifvögel befindet. Die Arbeiten haben sich unerwartet lange hingezogen, da zu Beginn der Untersuchung die Brutzeit des Vogels teilweise bereits vorbei war. Das Landratsamt ließ deshalb die Kartierung im Frühjahr dieses Jahres fortsetzen.

Das von Investoren und Naturschützern gleichermaßen mit Spannung erwartete Gutachten liegt der Kreisbehörde nun vor. "Es wurde festgestellt, dass sich im 1500-Meter- Bereich der Anlage ein Horst befand - dieser war 2018 besetzt, ist aber zwischenzeitlich aufgegeben worden. Zwei weitere Horste wurden knapp außerhalb des 1500-Meter- Bereiches, aber noch innerhalb des 4000-Meter-Bereiches gefunden", informiert Juristin Regina Kestel.

VLAB fordert: Windpark tagsüber abschalten

Ellenfeld bei Bärnau

Einsichtnahme beantragt

Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) hat mittlerweile als staatlich anerkannte Umwelt- und Naturschutzvereinigung Einsichtnahme in das Gutachten beantragt und bittet das Landratsamt darum, das Ergebnis fachlich und rechtlich zu würdigen und zu erläutern sowie die entsprechenden verwaltungs- und naturschutzrechtlichen Schritte einzuleiten. "Unsere internen Untersuchungen bei Ellenfeld-Bärnau ergaben, dass es sich um ein Rotmilan-Dichtezentrum handelt. Das Ihnen vorliegende Gutachten dürfte - vorausgesetzt es wurde fachlich korrekt erstellt - zu dem gleichen Ergebnis führen. Als Konsequenz daraus sind Abschaltzeiten des Windparks anzuordnen", schreibt Landesvorsitzender Johannes Bradtka aus Erbendorf.

Naturschützer sprechen hinter vorgehaltener Hand sogar von einem regelrechten "Rotmilan-Hotspot" bei Ellenfeld, der bei der Planung und Genehmigung der Anlage in keinster Weise berücksichtigt worden sei. Mehrfach sollen die Gutachter Rotmilane gesehen haben, die den Rotorblättern der Windräder bedrohlich nahe gekommen sind. Dies sei im Gutachten dokumentiert, ist zu hören.

Was die in Auftrag gegebene Expertise wirklich für den Anlagebetreiber bedeutet, vermag das Landratsamt noch nicht abzuschätzen. Die Untere Naturschutzbehörde müsse sie erst fachlich auswerten. Erst wenn diese Beurteilung vorliege, könne das weitere Vorgehen rechtlich abgeklärt werden, informiert Juristin Regina Kestel. "Mehr können wir aktuell dazu nicht sagen."

Anlass für das Gutachten war, wie mehrfach berichtet, der Fund von Rotmilan-Teilen auf einem Feld im Bereich der Windenergie-Anlage. Der VLAB hatte daraufhin die "sofortige Abschaltung des Windparks im Zeitraum von 1. März bis 15. August von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang" über einen Rechtsanwalt beantragt, um weitere Schlagopfer im Bereich des Windparks zu verhindern. Betreiber der Anlage ist die Bürgerwindpark Ellenfeld GmbH & Co. KG, die seinerzeit anzweifelt hat, dass der Rotmilan durch die Windräder ums Leben kam.

Streng geschützte Art

Rotmilane sind eine bei uns streng geschützte Greifvogelart, die ihr Revier in einem niedrigen, langsamen Gleit- und Sinkflug nach Nahrung absucht. Die Rotoren von Windrädern werden da oft zur tödlichen Gefahr für die Greife. In Fachbeiträgen ist nachzulesen, dass der Rotmilan nach dem Wespenbussard das zweithäufigste registrierte Kollisionsopfer von Windenergieanlagen ist.

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Kommentare

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Dr. Jürgen Spielhofen

Es sind nicht allein vom Aussterben bedrohte Vogelarten betroffen! Eine Modellrechnung des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahr (DLR) beziffert die Zahl der durch Windräder in Deutschland getöteten Fluginsekten während der warmen Jahreszeit auf 5,3 Milliarden pro Tag! - Eine vertrackte Gemengelage für jene, welche die Windkraft befürworten und gleichzeitig das Insektensterben beklagen!

22.05.2019
Peter Steinbock

Es ist traurig, daß man den Zappelstrom der Windindustrie von Gesetzes wegen für die Deckung seines Strombedarfes nicht abwählen kann. So wird jedermann genötigt die Vogelschredderei auch noch finanziell zu unterstützen. Dem Verein für Landschafts- und Artenschutz möchte ich danken und Erfolg für besseren Schutz der Rotmilane wünschen.

21.05.2019