10.06.2019 - 14:46 Uhr
EnsdorfOberpfalz

6. Klasse in der Wirtschaftsschule: SPD fürchtet um Schulstandorte

Die Entscheidung der Regierung, die Wirtschaftsschule mit der 6. Klasse beginnen zu lassen, stößt auf scharfe Kritik: Ensdorfs SPD-Vorsitzender Hans Ram fürchtet das Aus für manchen Schulstandort.

Auf dem Podium (von links): SPD-Vorsitzenden Hans Ram, Schulleiterin Michaela Bergmann, Innungsobermeister Richard Siegler und BLLV-Kreisvorsitzender Albert Schindlbeck.

Bei einer Informationsveranstaltung des SPD-Ortsvereins am Freitagabend sagte Vorsitzender Hans Ram: "Wenn nun betont wird, dass diese Neuerung nur drei Prozent der Schüler betrifft, muss man bei genauerer Betrachtung der einzügigen Mittelschulen auf dem Land feststellen, dass das Fehlen dieser drei Prozent an Schülern das Aus für manchen Schulstandort bedeuten könnte."

Stärke: Berufsorientierung

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der Mittelschulen sei die starke Berufsorientierung. Deshalb hatte er als Referenten neben Albert Schindlbeck, Kreisvorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) Amberg-Stadt, und Michaela Bergmann, BLLV-Kreisvorsitzende Amberg-Land, auch Schreiner-Innungsobermeister Amberg Richard Siegler eingeladen. "Mit einem früheren Beginn der Wirtschaftsschule wird der Mittelschule erheblicher Schaden zugefügt und das Schulsterben beschleunigt", sagte Albert Schindlbeck - und belegte dies auch mit Zahlen. So habe es im Schulamtsbezirk Amberg-Sulzbach 1970 noch 29 Hauptschulen (Mittelschulen) gegeben. 30 Jahre später sei die Zahl auf 19 Hauptschulen geschrumpft, im September 2019 werde es nur noch 10 geben. Schindlbeck prophezeite, weitere Mittelschulen im Landkreis würden "still und leise verschwinden, da ihnen auch die Schüler durch diese eklatante Fehlentscheidung der Staatsregierung fehlen werden".

Zu wenige Stunden

Schindlbeck erregte damit Widerspruch bei einer Vertreterin der Amberger Wirtschaftsschule. Drei Prozent Schülerverlust sind nach ihrer Meinung, die sie genau erläuterte, zu wenig für Schließungen von Mittelschulen. Diese bekommen laut Michaela Bergmann, Leiterin einer Grund- und Mittelschule im Landkreis, ein Budget an Lehrerstunden zugeteilt, die in "Lehrstunden pro Schüler" aufgeteilt würden: Aber "wir brauchen die Lehrerstunden nach den Klassen". Zudem würden Grund- und Mittelschulen zu wenig Lehrer zugeteilt. Der Mangel an Nachwuchs bereitet dem Innungsobermeister der Schreinerinnung, Richard Siegler, große Sorgen: "Wir könnten höhere Umsatzsteigerungen erzielen, unsere Kunden zeitnaher bedienen, wenn wir mehr Fachkräfte hätten." Er berichtete, dass es 1980 m Landkreis 50 Schreinerlehrlinge gegeben habe. Heute seien es nur noch 15 - "und bei Bäckern und Metzgern ist es noch schlimmer".

Jetzt fehlen die Lehrer

In der anschließenden Podiumsdiskussion, geleitet vom stellvertretendem SPD-Ortsvorsitzenden Bastian Bartmann, betonte Schindlbeck, dass Inklusion und Integration an den Mittelschul-Lehrern hängen blieben. Schulleiterin Michaela Bergmann kritisierte, dass über Jahre Lehrer ausgebildet, aber nicht eingestellt wurden. "Jetzt fehlen sie, das ist ein Kardinalfehler." Auch seien Lehrer immer in der erzieherischen Pflicht, müssten viel auffangen. Zudem sei die Digitalisierung in der Schule angekommen, "wir arbeiten mit Computer und Tablets". Dies begrüßte Innungsobermeister Richard Siegler, denn die neue Technik habe auch im Handwerk Einzug gehalten. Er betonte, "uns ist es egal, aus welcher Schule wir Auszubildende bekommen, das Handwerk braucht einfach Nachwuchs". Hans Ram würdigte die Lehrkräfte: "Der, der das Fundament legt, hat die größte Verantwortung." Zum Ende forderte Albert Schindlbeck: "Wir wollen für unsere Mittelschulen Bestandsschutz haben und auch, dass Lehrkräftezahlen nach Klassen und nicht nach Schülern berechnet werden."

Stellvertretender SPD-Ortsvorsitzender Bastian Bartmann leitete die Podiumsdiskussion.
Innungsobermeister Richard Siegler: „Wir könnten höhere Umsatzsteigerungen erzielen, unsere Kunden zeitnaher bedienen, wenn wir mehr Fachkräfte hätten.“
Schulleiterin Michaela Bergmann forderte ein anderes Ausbildungsmodell für Pädagogen, „damit das Wechseln von Realschullehrern an Mittel- und Grundschulen ohne solche Probleme wie derzeit geht“.
Bestandsschutz und dass die Lehrkräftezahlen nach Klassen und nicht nach Schülern berechnet werden, forderte BLLV-Kreisvorsitzender Albert Schindlbeck.
SPD-Ortsvorsitzender Hans Ram: „Wir wollen, dass unsere Mittelschulen auf dem Land eine faire Chance erhalten, um von Eltern und Kindern auch angenommen zu werden.“.
Blick auf die Mittelschule Ensdorf vom Eggenberg aus.
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