11.09.2020 - 16:36 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Andrea Neumeier: Engagement über den Tod hinaus

Mit dem Sammeln von Zigarettenkippen hat Andrea Neumeier für großes Aufsehen in Ensdorf gesorgt. Den Abschluss ihrer Charity-Aktion erlebte sie nicht mehr. Sie starb kurz zuvor an Krebs.

Stellvertretend für seine verstorbene Ehefrau Andrea überreichte Klaus Neumeier (Mitte) den Erlös aus dem Aufsammeln von Zigarettenkippen an (von links) Linda Trager (ZEN Ensdorf), Dr. Harald Hollnberger, ärztlicher Direktor des Klinikums St. Marien in Amberg, Brigitta Schöner (FFGO) und Manuela Mayer, Leiterin der Kindertagesstätte St. Jakobus in Ensdorf.

Man sah Klaus Neumeier aus Ensdorf an, wie viel Kraft es ihn kostete, seine Rede zu halten. Obwohl seine Stimme ab und an brach, hielt er eisern an seinem Plan fest. Nicht an seinem Plan, sondern den seiner geliebten Frau Andrea. Trotz schwerer Krankheit habe sie sich für eine bessere Welt engagiert und jetzt - mit nur 48 Jahren - den Kampf gegen den Krebs verloren. Im Namen seiner Frau überreichte Neumeier eine Spende von 1000 Euro an die integrative Onkologie des Amberger Klinikums St. Marien, das Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) in Ensdorf und die Kindertagesstätte St. Jakobus Ensdorf. Andrea Neumeier hatte in der Gemeinde Ensdorf Zigarettenkippen gesammelt und pro Kippe zehn Cent gespendet bekommen - mehr als 10 000 Zigarettenstummel hatte sie im Gemeindegebiet aufgesammelt. Von Anfang an sei der Frau, bei der 2018 Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden war, klar gewesen, dass das Geld an soziale Projekte gehen soll, sagte ihr Ehemann Klaus. Durch die Krankheit hatte sie laut ihres Mannes mehr denn je den Wunsch, "die Welt zu einem besseren Ort zu machen". Andrea Neumeier habe nicht nur geredet, sondern vor allem gemacht, sagte auch Ensdorfs Bürgermeister Hans Ram. Alle, die bei der Spendenübergabe anwesend waren, lobten das unvergleichliche Engagement, das durch und durch freundliche und positive Wesen der Verstorbenen.

Helfen als ein großes Anliegen

Sichtlich gerührt erzählte Klaus Neumeier, dass es für seine Frau selbstverständlich gewesen sei, etwas zurückzugeben. Sie habe so viel Unterstützung erfahren, dass es ihr ein großes Anliegen gewesen sei, selbst zu helfen. Unter anderem war sie stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Familiengesundheit Oberpfalz (FFGO). Dessen Vorsitzende Brigitta Schöner betonte, sie habe noch nie ein solch engagiertes Mitglied wie Andrea Neumeier erlebt. Der Förderverein unterstützt unter anderem die integrative Onkologie am Klinikum St. Marien in Amberg. Dadurch könnten Krebspatienten ganzheitlich betreut werden, so der ärztliche Direktor des Klinikums, Dr. Harald Hollnberger. Neben der Schulmedizin bekämen die Patienten Informationen und Angebote zu Bewegung, Ernährung, Psychoonkologie, Stressbewältigung und Kunsttherapie. Bisher habe die integrative Onkologie keine Kassenzulassung, sei auf Spenden angewiesen. Andrea Neumeier habe mit der integrativen Onkologie gute Erfahrungen gemacht. Deshalb sei es ihr wichtig gewesen, sie zu unterstützen. Auch gefiel ihr nach Angaben ihres Ehemannes der Gedanke des Repair-Cafés des ZEN Ensdorf. Auch dieses Miteinander für mehr Nachhaltigkeit wollte sie finanziell unterstützen. Und nicht zuletzt sei es ihr sehr am Herzen gelegen, Kindern eine gute Zukunft zu bieten. Sie selbst habe leider keine Kinder bekommen, aber sie sei vernarrt in sie gewesen, begründete Klaus Neumeier den Wunsch seiner Frau, die Kindertagesstätte St. Jakobus finanziell zu unterstützen. Eigentlich wollte Andrea Neumeier den Spendenscheck persönlich überreichen und hatte dafür auch den Termin schon ausgemacht.

Spenden statt Blumen

Doch dann sei alles sehr schnell gegangen, erzählte Klaus Neumeier. Seine Frau sei zwar optimistisch gewesen, bald wieder gesund zu werden, doch dann wollte sie plötzlich ins Krankenhaus. Wenige Tage später starb sie. Er sei es seiner Frau schuldig, die Spenden zu übergeben, sagte der Witwer und betonte, wie viel er seiner Frau Andrea zu verdanken habe. Gelebt habe sie nach einem ihrer Lieblingszitate von Mahatma Gandhi: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt". Und die Spendenübergabe zeigte, dass selbst ihr früher Tod ihrem Engagement kein Ende gesetzt hat. Andrea Neumeier wird am Donnerstag, 17. September, um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Regenstauf beigesetzt. Statt Blumen bitten die Hinterbliebenen der Frau um Spenden für FFGO (Sparkasse Amberg-Sulzbach; Iban: DE56 752 500 000 200 370 930).

Bereits in der Vergangenheit konnte Geld gespendet werden

Amberg
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