18.07.2021 - 10:32 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Artenhilfsprojekt für den Wendehals im Naturpark Hirschwald zeigt große Erfolge

Der Wendehals ist eine seltene Specht-Art. Im Naturpark Hirschwald hat Naturpark-Ranger Jonas Nelhiebel einen großen Erfolg mit einem Artenhilfsprojekt gelandet. Aus ursprünglich acht Brutpaaren sind innerhalb eines Jahres 16 geworden.

So sieht er aus, der seltene Vogel. Das Bild zeigt einen brütenden Wendehals auf seinem Gelege.
von Redaktion ONETZProfil

Eine lange Tabelle mit vielen Daten steht auf dem Laptop von Naturpark-Ranger Jonas Nelhiebel. Daten wie „Ausrichtung“, „Lebensraumtyp“ oder „Kastennummer“ sind zu lesen. Auf eine Nummer ist der Ranger stolz und zeigt auf die Tabelle. „In diesem Nistkasten war der erste Bruterfolg sofort am ersten Tag des Monitorings drin! Da war ich natürlich wahnsinnig froh!“ Nelhiebel ist sichtbar zufrieden. Kein Wunder, denn die Vogelart, für die der Naturpark Hirschwald ein Artenhilfsprojekt auf den Weg gebracht hat, ist in Bayern mittlerweile vom Aussterben bedroht. Sehr erfreulich, dass es 2020, dem ersten Jahr der Maßnahme, gleich acht Bruterfolge in den Naturpark-Kästen gab. Im zweiten Jahr der Artenhilfsmaßnahme hat sich der Bestand auf 16 Brutpaare verdoppelt. Der Ranger erklärt: „Für eine derart gefährdete Vogelart ist das eigentlich eine Sensation! Hier zeigt sich, dass vor allem das Lauterachtal ein echtes Ausnahmegebiet mit einer hervorragenden Lebensraumqualität ist.“

Mit etwa 17 Zentimetern liegt die Körperlänge des Wendehalses deutlich unter der einer Amsel. Aber der Vogel wäre ohnehin schwer zu erkennen. Mit seinem Gefieder ist er perfekt getarnt – es ähnelt stark dem Aussehen von Baumrinde. Während der Balzzeit fällt er an seinen auserwählten Gebieten mit einem ausgiebigen Balzgesang, dem „wie wie wie wie wie“ auf. Sobald die Vögel brüten, sind sie allerdings meist still. Der Vogel ist der einzige heimische Specht, der im Süden überwintert. Er umfliegt dafür über die Sahara bis nach Mittelafrika.

Im Jahr 2020 hatten die Ranger des Naturparks im gesamten Gebiet knapp drei hundert Nisthilfen für höhlenbewohnende Vogelarten installiert. „Freilich mit einem Fokus auf Flächen, die der Wendehals gut findet“, ergänzt Nelhiebel. Die Nisthilfen wurden sowohl auf öffentlichen als auch auf privaten Flächen errichtet. „Ohne das grüne Licht von den privaten Grundstücksbesitzern wäre das Projekt gescheitert, noch bevor es richtig losgegangen ist.“

Jonas Nelhiebel hat auch heuer wieder alle Kästen geöffnet, um den Brutbestand zu kontrollieren. Für das Öffnen ist eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der Höheren Naturschutzbehörde erforderlich, die der Ranger extra dafür erhalten hat. „Wir wollen die Tiere natürlich nur so wenig wie möglich stören. Ganz vermeiden lässt es sich nicht. Das heißt wir öffnen nur kurz und verschaffen uns ein Bild über den Bestand und zählen die Eier oder die bereits geschlüpften Jungvögel und machen den Kasten sofort wieder zu.“ erklärt der Ranger. „Beim Öffnen der Kästen haben wir auch so manche Überraschung erlebt. Denn neben der Zielart, dem Wendehals, waren auch Siebenschläfer, Fledermäuse, Meisen und Wespen in den Kästen.“

Insgesamt waren nur zwei Kästen komplett leer. Das zeigt, dass es in der Tierwelt einen unheimlichen Bedarf an diesen Brutplätzen gibt.

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Zwar nicht die Zielart, aber ein Siebenschläfer ist auch ein gern gesehener Gast im Nistkasten.

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