Ensdorf
16.10.2018 - 18:24 Uhr

Begleiten lernen, sterben lernen

Beim Letzte Hilfe Kurs sprechen Experten über den Tod und die schwere Zeit davor.

„Letzte-Hilfe-Kurs“ – Umsorgen und Begleiten am Lebenseunde. Darüber informierten
die Fachkraft für Palliative Care Andrea Ulrich-Prusko und Hospiz- und Trauerbegleiter Georg Franz Fröhler. Bild: sön
„Letzte-Hilfe-Kurs“ – Umsorgen und Begleiten am Lebenseunde. Darüber informierten die Fachkraft für Palliative Care Andrea Ulrich-Prusko und Hospiz- und Trauerbegleiter Georg Franz Fröhler.

(sön) Der Tod ist ein Tabu-Thema in der Gesellschaft. Dabei gehört er zum Leben dazu und kann bei Schwerkranken ein länger andauernder Prozess sein. Während die Erste Hilfe sich im Alltag etabliert habe, werde die Letzte Hilfe zu wenig angesprochen, heißt es beim Kurs zum Thema. Letzte Hilfe und die Umsorgung von Schwerkranken muss zum Allgemeinwissen werden, lautet der Tenor beim Vortrag aus Anlass der Senioren-Aktiv-Wochen.

"Das Lebensende und das Sterben machen uns als Menschen oft hilflos", erklärte VdK-Ortsvorsitzender Josef Niebler zu Beginn des Letzte-Hilfe-Kurses. Ihn unterstützte vom Hospizverein Amberg die Fachkraft für Palliative Care Andrea Ulrich-Prusko sowie Hospiz- und Trauerbegleiter Georg Franz Fröhler. Wenn der Sterbeprozess eines Menschen beginne, sei es - gerade dann, wenn sich dieser entscheidet, daheim zu bleiben - wichtig, das Gespräch mit einem Arzt zu suchen und sich beraten zu lassen. Andrea Ulrich-Prusko betonte: "Ziel ist dabei, dem Sterbenden so weit wie möglich mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung zu geben." Im Detail erläuterte sie die stationäre Sterbebegleitung im Hospiz und die ambulante mit Palliativpflege der Sozialstationen. Sie verwies auch auf die an Krankenhäuser angegliederten Palliativstationen.

Die Expertin sprach über mögliche Beschwerden und Symptome zum Lebensende und über medikamentöse sowie nichtmedikamentöse Symptomminderung. Dazu gehört die Umsorgung, das Dasein und das "Bleiben und Aushalten". Es brauche Zeit, das Sterben zu akzeptieren, ergänzte Hospiz- und Trauerbegleiter Fröhler. Er ging auch auf medizinisch-ethische Fragen und Entscheidungen, den rechtlichen Rahmen sowie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht ein. "Nach dem ersten Schock folge oft eine Zeit des Verhandelns. "Ich wollte noch längere Zeit für die Kinder da sein", nannte er ein Beispiel. Es folge Depression und Zorn, Ärger und oft auch Wut. Ganz normale Reaktionen nannte das Fröhler. Phasen, die durcheinandergehen und lange andauern könnten. Ängste, Hilflosigkeit und Hoffnung zögen sich bis zum Schluss - bis zur Akzeptanz - hin.

Näher ging Fröhler auch auf die Patientenverfügung ein, mit der man seine eigenen Vorstellungen über ein würdiges Leben oder Sterben niederlege. Mit der Vorsorgevollmacht bestimmt der Erkrankte selbst, wem er das Vertrauen schenkt, für ihn persönliche Entscheidungen zu treffen, wenn er dazu nicht mehr in der Lage ist. Fröhler: "Der Ehepartner ist nicht automatisch Bevollmächtigter." Außerdem erzählte der Fachmann vom Abschiednehmen, von der Bestattung und der Zeit der Trauer, die, so formulierte es Fröhler, äußerst verschieden sein kann.

Mehr als 30 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen zum Informationsabend „Letzte-Hilfe-Kurs“ in den Pfarrsaal. Bild: sön
Mehr als 30 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen zum Informationsabend „Letzte-Hilfe-Kurs“ in den Pfarrsaal.
 
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