29.10.2020 - 10:43 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Filmemacher Josef Rödl kehrt nach 40 Jahren an den Drehort von "Grenzenlos" zurück

Der erste Mensch, den er in Hirschwald traf, hielt ihn für einen Spinner: Das erzählt Josef Rödl heute und sieht die Skepsis inzwischen als durchaus berechtigt an.

Bürgermeister Hans Ram im Gespräch mit dem Filmemacher Josef Rödl.
von Externer BeitragProfil

Von Eva Gröninger

Es muss so um 17 oder 18 Uhr herum gewesen sein an dem Tag, als Josef Rödl Anfang der 80er-Jahre in Hirschwald ankam. Genau erinnert sich der Filmemacher nicht mehr an die Uhrzeit. Was er aber nie vergessen hat, ist, dass Hirschwald wie ausgestorben war. Niemand war zu sehen. Auf eigene Faust sah sich der Wahl-Münchener in der Ortschaft um und stieß schließlich auf einen Mann, einen gewissen Herrn Reiser, der sich sofort sicher war: „Der Fremde, der spinnt.“

Aus München nach Ensdorf

So hat es Josef Rödl bei einer Filmvorführung im Ensdorfer Wittelsbacher Saal erzählt. Anfang der 80er-Jahre hat er „Grenzenlos“ unter anderem in Hirschwald gedreht. Der Kunstfilm war mit großen Namen besetzt, wurde aufwendig produziert und feierte schließlich Erfolge auf der ganzen Welt. In Ensdorf wurde der Film nun gezeigt, und Rödl reiste eigens aus München an, um dem Publikum nachher Rede und Antwort zu stehen.

Die Skepsis der Hirschwalder zu Beginn der Produktion sei durchaus berechtigt gewesen, gestand Rödl ein. Denn er – zu jenem Zeitpunkt ein junger Filmemacher mit großen Ideen – wollte im Ort einiges ändern, um die perfekte Kulisse für seinen Film zu haben. Dort etwas Altes abreißen, da etwas Neues bauen. Letztlich brauchte es das aber doch nicht. Hirschwald entpuppte sich als Glücksgriff mit seiner Kirche in der Mitte, einem großen Dorfplatz und der Gastwirtschaft. Und auch die Bewohner des kleinen Ortes in der Gemeinde Ensdorf begeisterten sich mehr und mehr für das ambitionierte Projekt. Die einen spielte eine kleine Rolle, andere stellen ihre Flächen zur Verfügung. Rödl sagte, teilweise seien mehr Mitarbeiter vor Ort gewesen, als Hirschwald Einwohner hatte. Die Produktion des Films hat 1,4 Millionen Mark gekostet. Es sei bis dahin sein größtes Projekt gewesen. Für „Grenzenlos“ gewann er die damaligen Shooting-Stars der Theater- und Filmszene: Therese Affolter und Siegfried Zimmerschied. Sein Mut und sein Engagement machten sich bezahlt. Selbst bei den Filmfestspielen in Cannes wurde „Grenzenlos“ gezeigt, die Kritiker waren meist voll des Lobes.

Dennoch habe es ihn überrascht, dass der Film 38 Jahre nach der Erstausstrahlung auf so großes Interesse bei der Vorführung in Ensdorf stieß. Der Wittelsbacher Saal war gut besetzt.

„Sie sehen hier kein Fernsehen“

Vorab sagte Rödl, dass sich die Zuschauer auf den Film einlassen müssen und stellte klar: „Sie sehen hier kein Fernsehen, sondern Kunstkino.“ Und tatsächlich: „Grenzenlos“ ist schwere Kost. Im Zentrum stehen die jungen Dorfbewohner Agnes und Adi. Beide kämpfen mit ihren Sehnsüchten, den Zwängen des Landlebens und der Anonymität der Stadt. „Grenzenlos“ sei kein Heimatfilm, stellt Rödl klar. Es sei viel mehr Poesie, eine Metapher, nicht an Menschen, Orte oder Berufe geknüpft, sondern ein Beispiel für die Grenzenlosigkeit von Traum und Sehnsucht. Viele Bilder des Films stehen für sich. Geheimnisse werden nicht aufgeklärt, Geschichten werden nicht zu Ende erzählt, um Platz für Mystik und Fantasie zu lassen.

Inzwischen „Fachmann für Morde“

Solche Filme heute zu machen, das sei kaum mehr möglich, sagte Rödl in Ensdorf. Die Zeit des Kunstkinos sei so gut wie vorbei. Auch er selbst habe die Tätigkeit gewechselt und arbeite nun vor allem fürs Fernsehen. So schreibt er unter anderem Drehbücher für den „Tatort“ oder für Samstagskrimis. Hier sei es natürlich nicht erlaubt, ein Geheimnis nicht aufzulösen, erzählt Rödl schmunzelnd und fügt hinzu: „Inzwischen bin ich Fachmann für Morde.“

Josef Rödl ist gebürtiger Oberpfälzer und wuchs in einem Dorf nahe Parsberg auf. Mit neun Jahren wäre er fast in Ensdorf gelandet, wie er bei der Filmvorführung verriet, denn er sollte dort zur Schule gehen. Doch kurz vor dem Umzug entschied sich seine Familie für einen anderen Ort. Rödl trug sich am Ende der Veranstaltung in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Veranstaltet wurde die Filmvorführung vom Heimat- und Kulturverein Ensdorf. Alle Einnahmen sollen der Sanierung des Kreuzes auf dem alten Friedhof zugute kommen.

Erinnerungen an die Dreharbeiten zu "Grenzenlos"

Hirschwald bei Ensdorf
Josef Rödl schreibt sich in das Goldene Buch der Gemeinde ein.
Der Eintrag von Josef Rödl in das Goldene Buch der Gemeinde.
Nach der Filmvorführung beantwortet Josef Rödl Fragen des Publikums.
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