19.07.2019 - 15:40 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Glaubens-Talk zur Mondlandung

Vor 50 Jahren landeten die ersten Menschen auf dem Mond. In einer Glaubens-Talk-Reihe beschäftigte sich der Bibelkreis im Kloster mit wissenschaftlichen Fragen aus der modernen Astronomie in Richtung Religion und Philosophie.

Pater Alfred Lindner (Mitte) moderierte den Glaubens-Talk mit Jürgen Kämmerer von der Sternwarte Regensburg (links) und Diakon Johannes Payer aus Regenstauf.
von Hubert SöllnerProfil
Glaubens-Talk zur Mondlandung im Kloster.

Gehe die Bibel doch wörtlich genommen davon aus, dass unsere Welt nicht gerade alt sei. Jürgen Kämmerer von der Sternwarte Regensburg erläuterte aber, dass seit der Entstehung des Kosmos im Urknall 13,7 Milliarden Jahre vergangen seien, der Mensch in seiner Evolution aus Afrika kommend schließlich die Welt in Europa und auf allen anderen Erdteilen unterworfen habe.

Unsere Milchstraßen-Galaxie sei nur eine von mehreren Milliarden Galaxien im unendlichen All und die Hitze vom explosiven Urknall könne sogar heute noch gemessen werden. Die Naturwissenschaft jedoch forsche nur nach dem, was sie mit ihren Methoden konkret feststellen könne, "was vor dem Urknall war, das interessiert sie nicht, da ist dann der Philosoph und der Theologe gefragt".

Diakon Johannes Payer aus Regenstauf kam auf ein wichtiges Anliegen im christlichen Verständnis, die Erbsünde, zu sprechen. Es sei heute nicht mehr glaubwürdig, von einem einzigen Elternpaar - nämlich Adam und Eva als historische Personen in der Bibel - auszugehen, bei der Evolution des Menschen über Jahrtausende. Sie könnten also die Erbsünde nicht ausgelöst haben. So müsste laut Payer für den Glaubensinhalt der Erbsünde die Kirche von einer strukturellen Sünde sprechen. Zu dieser kritischen Sichtweise lade die Befreiungstheologie in Südamerika ein "und es ist zu hoffen, dass auch in unserem Land staatlicherseits etwas unternommen wird, dass beispielsweise der Unterschied von Arm und Reich nicht noch weiter in katastrophaler oder eben sündiger Weise fortschreitet".

Johann Ott aus Amberg stellte fest, dass die Umwelt-Problematik mit "Friday for Future" genau diese traurige Erfahrung widerspiegle und auch die Beichte heute total verschwunden sei. Melanie Büttner aus Amberg fragte nach dem verlorenen Schuldbewusstsein vieler, sprach sich für die Freiheit aus nur seinem Gewissen verantwortlich zu sein. Erich Zink aus Pielenhofen sah, dass mancher Gläubige seine Gotteserfahrung nur sehr oberflächlich zurechtzimmere. Pater Alfred Lindner (SDB): "Im Gespräch mit Schülern der Oberstufe wird es ganz deutlich, dass die bisherige kirchliche Sprache von der Erbsünde keinem jungen Menschen mehr das Geringste bedeutet." Wenn die Prediger keine glaubwürdige Deutung für menschliche Schwäche fänden, schreite die Verdunstung im christlichen Glauben in erschreckender Weise voran.

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