28.07.2019 - 10:02 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Herrscht bei Aliens Religionsfreiheit?

Seit um das Jahr 1988 herum die Entdeckung des ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gelungen ist, ist ihre Anzahl stark gewachsen. Rund 4000 sind es inzwischen. Aber herrscht auf ihnen auch Religionsfreiheit?

Pater Alfred Lindner SDB (Mitte) hatte zur Talk-Runde aus Anlass der Landung des ersten Menschen auf dem Mond Jürgen Kemmerer von der Sternwarte in Regensburg und Alexander Loichinger (von links) aus München, Fundamentaltheologe und Religionswissenschaftler an der Universität Mainz, eingeladen
von Hubert SöllnerProfil

Mit einem blauem Luftballon, der mit einem lauten Knall explodierte, begann am Donnerstagabend im Kloster ein Diskussionsabend des Bibelkreises über Religionsfreiheit von möglichen Außerirdischen. Äußerer Anlass und Rahmen war das 50. Jubiläum der Landung des ersten Menschen auf dem Mond 1969. Die Explosion im Kloster sollte den damit verbundenen wissenschaftlichen Urknall symbolisieren. Jürgen Kemmerer von der Sternwarte in Regensburg führte dazu aus, dass bis etwa 1988 noch kein Planet außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt worden war. Etwa 4000 Exoplaneten in 3000 Sternensystemen wurden seitdem gefunden.

Intelligentes Leben möglich

Und er bekannte: "Ja, zu 100 Prozent gibt es im riesigen Universum habitable Planeten. Orte, auf denen Leben entstehen und sich darunter intelligentes - sprich religionsfähiges Leben - entwickeln kann." Diese Aussage nahm Alexander Loichinger aus München, Fundamentaltheologe und Religionswissenschaftler an der Universität Mainz, zum Anlass, seine eigenen theologischen Gedanken zu diesem wissenschaftlichen Anliegen vorzutragen und pastorale Konsequenzen zu ziehen.

"Wenn wir eines Tages über den Mond hinaus etwa zum Mars oder noch viel weiter fliegen, würden wir uns sehr wundern, wenn wir nur tote Materie feststellen müssten. Dass intelligentes Leben auf außerirdischen Planeten entstehen kann, würde unseren Schöpfungsglauben bestätigen, da im christlichen Verständnis Gott der Urheber von Leben sein will - und nicht nur für tote Materie zuständig sein kann." Erst diese mögliche Pluralität und Diversität von Leben im Weltall sei plausibles Zeichen von göttlicher vollkommener und allmächtiger Schöpfung.

Für einen Bewusstseinswandel in der christlichen Religionserfahrung trat Loichinger ein, "wer denn wirklich die besseren Abbilder Gottes im Universum seien." Gott sei so groß und souverän, dass er selbstverständlich über unsere kleine Erde hinaus im wunderbaren Kosmos für vernünftiges Leben sorgen möchte. "Warum sonst hätte er über die an sich brutale Evolution vom Urknall her den interstellaren Raum so unendlich groß werden lassen wollen?".

Es gibt keinen Plan B

Über die Thesen der beiden Referenten ergab sich eine leidenschaftliche Diskussion. Eine bunte Lava-Lampe war dabei perfektes Symbol für den Zustand unserer heutigen Erde. "Da wir ja keinen Planet B haben, allein auf unsere Erde angewiesen sind". Was jeder auf Erden hier mache, auch unbewusst, habe direkte Auswirkungen auf die ganze globale Welt. Die "Fridays for Future-Generation" ermahne Politiker, doch ernsthaft gegen den gefährlichen Klimawandel Spürbares zu unternehmen.

Papst Franziskus werde nicht müde, alle darin zu bestärken: "Planet Earth First - und nichts anderes gilt". Ein Teilnehmer, der sagte, er sei als Atheist in den Vortragsabend gekommen, brachte es auf den Punkt: "Diese konkreten Überlegungen zur Religionsfreiheit möglicher Außerirdischer haben mich total überrascht und nachdenklich gemacht. Die kirchen-kritischen und tiefreligiösen Gedanken von Alexander Loichinger erkenne ich als glaubwürdig an und muss sehe mich in meiner atheistischen Meinung regelrecht ausgehebelt." Religionslehrerin Marianne Moosburger aus Hahnbach verwies auf Pater Guy Consolmagno, der erklärt habe, dass mögliche Wesen im Weltraum, "eben keine Aliens mehr sind, sondern vielmehr unsere Geschwister".

Die biblische Gesprächsrunde mit rund 30 Teilnehmern befasste sich mit anspruchsvollen spirituellen Gedanken zu einer Thematik, die direkt an den innersten Kern christlicher Glaubenserfahrungen rütteln. "Wir müssen immer mehr lernen, die Bibel in unserem heutigen Weltbild richtig zu lesen. Dann kommen wir sogar zu einem noch größeren Gottesbild und zu einem Erlebnis von motivierender Frömmigkeit, die direkt auf das Vorbild Jesu selber wie zu einer erfrischenden Quelle für den Sinn unseres modernen Lebens zurückführt", so Pater Alfred Lindner.

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