08.11.2018 - 14:56 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Leitbild allein reicht nicht

"Wir können noch so gute Leitbilder entwerfen, aber wenn sie in der Praxis nicht angewandt werden, hätte das Ganze keinen Sinn": Deshalb kündigt Landrat Richard Reisinger in der Nachhaltigkeitskonferenz in Ensdorf Taten an.

In Arbeitsgruppen, wie hier mit Harald Herrle (links), Wirtschaftsförderer des Landkreises, zum Thema „Wirtschaft und Tourismus“ arbeiten die Teilnehmer der Nachhaltigkeitskonferenz.
von Hubert SöllnerProfil

"Wir wollen und werden das in der Juli-Sitzung des Kreistags einstimmig beschlossene Leitbild für die Zukunft des Landkreises fortschreiben und mit Leben erfüllen", stellte Reisinger zum Auftakt der Tagung klar. Der Landkreis ist mit seinem Amberg-Sulzbacher Weg einer von fünf bayerischen Preisträgern beim bundesdeutschen Wettbewerb Projekt Nachhaltigkeit mit 450 eingereichten Anträgen: Das, bekannte Reisinger, erfülle ihn mit Freude und Stolz.

Die Vorbereitung der Nachhaltigkeitskonferenz bezeichnete der Landrat als letzten großen Wurf von Manfred Lehner: Der Leiter der Landkreis-Volkshochschule gehe mit Ablauf des Jahres in Rente - "aber ich würde mich freuen, wenn du weiter ehrenamtlich mitwirken würdest".

Leitbild als Kompass

Die nachfolgende Talkrunde "Der Amberg-Sulzbacher Weg, ein Prozess - was ist sein Erfolgsrezept?" mit Manfred Lehner, Landrat Reisinger und Julia Stanger von "RENN.süd" moderierte Gero Wieschollek von Geografie & Service Regensburg. Der Amberg-Sulzbacher Weg sei "ein Narrativ, eine große Erzählung, die vor über 20 Jahren mit diesem Prozess begann", merkte Manfred Lehner an. Er betonte, dass immer nationale und internationale Ideen eingebunden worden seien. Reisinger sieht das Leitbild als einen Kompass, "denn sonst wären wir ziellos unterwegs". Der Amberg-Sulzbacher Weg sei zu Beginn stark von der Ökologie geprägt gewesen. Nun bestehe die Chance, diesen Prozess fortzuführen, auszufüllen und zu ergänzen.

Neue Ideale

Auf die Frage Gero Wiescholleks, wie der Amberg-Sulzbacher Weg ankomme, betonte Julia Stanger: "Da kann ich nur gratulieren. Der Bundespreis belegt dies." Sie nannte die Stadt Augsburg als weiteren Preisträger. An beiden könne man Stadt und ländlichen Raum gut vergleichen. Dass sich die Handlungsfelder verändert haben, bestätigte Manfred Lehner auf die Frage nach einem neuen Kompass. Sei vor zehn Jahren das Thema Wirtschaft noch im Fokus gestand, so hätten sich nun neue Ideale wie der sanfte Tourismus entwickelt. "Wir haben damals die Ziele messbar entworfen, haben sie umsetzbar gemacht für die Gemeinden."

„Die Gemeinden müssen mitziehen“ fordert Klimaschutzkoordinator Joachim Scheid, der die Arbeitsgruppen „Klima und zukunftsfähige Energien“ leitet.

Von den Ergebnissen der Arbeitsgruppen „Bildung, Forschung und Wissenschaft“ berichtet Julia Wolfsteiner.

Gero Wieschollek (links) von Geografie & Service Regensburg moderiert die Talkrunde mit Julia Stanger von "RENN.süd", VHS-Leiter Manfred Lehner und Landrat Richard Reisinger.

Gero Wieschollek (links) moderierte die Nachhaltigkeitskonferenz im vollbesetzten Wittelsbacher Saal.

VHS-Leiter Manfred Lehner (rechts) geht Ende des Jahres in Ruhestand. Landrat Richard Reisinger hätte ihn aber gern weiter an Bord – dann vielleicht ehrenamtlich.

Das Leitbild:

Landrat Reisinger ist überzeugt, dass ohne ein Netzwerkwerk aus Bürgern und Gemeinden nichts funktionieren würde: „Nur in der Gemeinsamkeit schaffen wird das, da bin ich mir sicher“.

Julia Stanger forderte zum Leitbild: „Ran an die Menschen bringen, nicht in der Schublade verstecken“.

Angesichts der Veränderungen in der Parteienlandschaft betonte Manfred Lehner, Nachhaltigkeit brauche ein robustes Mandat, aber dazu „auch Umsetzungspragmatismus und Enttäuschungsfestigkeit“.

Harald Herrle, Wirtschaftsförderer des Landkreises, stellte die Richtlinien für Zuschüsse zur Umsetzung von Projekten im Zusammenhang mit dem Leitbild vor. Danach präsentierte er die Themen der fünf Arbeitsgruppen, in denen die Teilnehmer der Tagung durchlaufend arbeiten würden, „denn das Leitbild soll auch mit Leben erfüllt werden“.

Die Arbeitsgruppen spiegelten die Handlungsfelder des Leitbilds: „Soziale Zusammenarbeit mit Demografie, Inklusion, Integration und Bürgerdialog“, „Bildung, Forschung und Wissenschaft“, „Klima und zukunftsfähige Energien“, „Wirtschaft und Tourismus“ sowie „Natürliche Ressourcen: Natur, Umwelt, Ernährung und Konsum“.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen trugen deren Leiter dem Plenum vor, anschließend wurde intensiv darüber diskutiert.

Beim Thema Tourismus bemängelte die Runde, dass es an Angeboten für junge Menschen mangle.

Hans-Martin Thieringer sah es als Manko des Leitbilds, dass Klimaschutz und Verkehr ökologisch betrachtet zu kurz kommen.

„Mia müssn zaache Hund’ sei“, sagte Manfred Lehner – aber man könne auch nicht jeden überzeugen. Wichtig sei es, für den Nachhaltigkeitsprozess die Mehrheit hinter sich zu haben.

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