22.07.2019 - 18:23 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Religionsfreiheit bei Außerirdischen?

Überlegungen zu außerirdischem Leben sind für viele Menschen faszinierend. Der Fundamentaltheologe Professor Alexander Loichinger hat einen besonders provokativen Zugang zu dem Thema gefunden.

Am 20. Juli 1969 arbeitet der Apollo-11-Astronaut Buzz Aldrin an einem solaren Windversuchsgerät auf der Mondoberfläche. Am 20. Juli 2019 jährte sich die Mondlandung zum 50. Mal.
von Markus Müller Kontakt Profil

Auch 50 Jahre nach der ersten Mondlandung ist es noch eine offene Frage: Gibt es im Weltall intelligentes Leben außerhalb der Erde? Falls ja: Wie sollten Christen damit umgehen, wenn Außerirdischen sie einladen würden, sich auf ihre eigene und viel bessere Religion taufen zu lassen? Diesen Themen widmen sich bei einem provokativen Glaubens-Talk-Abend am Donnerstag, 25. Juli, um 19.30 Uhr im Konferenzzimmer des Klosters Ensdorf Dr. Jürgen Kemmerer von der Sternwarte in Regensburg sowie der Fundamentaltheologe Professor Alexander Loichinger von der Universität Mainz. Die AZ befragte den Religionswissenschaftler zu seinem außergewöhnlichen Thema.

ONETZ: Herr Loichinger, warum beschäftigen Sie sich als Theologe mit Außerirdischen ?

Alexander Loichinger: Ganz einfach deshalb, weil das Thema interessant ist und weil es uns viel über uns Menschen selbst sagt. Der Mensch versteht sich ja gerne als Krone der Schöpfung. Ich glaube, er hat sich damit maßlos überschätzt. Und die Vorstellung, dass Gott in diesem riesigen physikalischen Universum auch noch andere Intelligenzen erschaffen hat, die der menschlichen Zivilisation womöglich weit überlegen sind, rückt diesen Hochmut ein wenig zurecht. Theologisch wird dann vor allem die besondere Frage interessant, ob und welche Religionen diese Außerirdischen entwickelt haben und was das für die Selbsteinschätzung der menschlichen Religionen bedeutet.

ONETZ: Haben Sie dieses Thema schon öfter in Vorträgen behandelt? Welches Publikum interessiert sich für gewöhnlich dafür?

Natürlich behandle ich das Thema außerirdischer Intelligenzen vermehrt in der Vorlesung, gehört es doch zu den Fragen moderner Gegenwartstheologie. Wie heißt es so treffend: Wer sich ein falsches Bild über das Universum macht, macht sich zwangsläufig ein falsches Bild über Gott als Schöpfer des Universums. Aus diesem Grund gehörte das Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaft immer schon zu den Kernthemen des Glaubens. Das geht gar nicht anders. Denn der Glaube sagt, worin der Sinn von Wirklichkeit und Leben besteht, und er kann das nur tun, indem er das weltbildrelevante Wissen der Natur- und Humanwissenschaften berücksichtigt. Ansonsten verlieren Glaube und Kirche ihren Wirklichkeitsbezug.

ONETZ: Was darf man sich von Ihrem Vortrag und der gesamten Veranstaltung nicht erwarten?

Der Vortrag gibt kein Patentrezept. Dazu ist das Thema viel zu neu. Aber er stellt Fragen an unser Weltbild und an unseren persönlichen Glauben, der oft so müde und phantasielos daherkommt. Gott hat, wie es scheint, ein viel komplexeres Universum erschaffen, das wir auch nur teilweise durchblicken.
Auch die Theologie muss hier einiges dazulernen und den christlichen Glauben weiterentwickeln. Das hat die große Lehrtradition der Kirche immer getan hat. Sie blieb nie in einer Epoche stehen, sondern gestaltete den Fortschritt und das neue Lebensgefühl aus ihren christlichen Ressourcen nachhaltig mit.

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