Ensdorf
01.06.2022 - 18:32 Uhr
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Spritpreise in der Oberpfalz sinken stark: So lief der erste Tag mit dem Tankrabatt

Benzin und Diesel an den Tankstellen in der Nordoberpfalz sind am Mittwoch zum Teil deutlich billiger als in den Tagen zuvor. Wie der erste Tag mit dem Tankrabatt ablief – und was Autofahrer dazu sagen.

An der Tankstelle in Ensdorf ist an diesem Mittwoch manch eine Kundin überrascht. "Gilt das schon?", fragt die Frau, als sie auf den Tankrabatt angesprochen wird. Dann erst schaut sie auf die Preistafel, die an der Hausmauer hängt. "Ach, schau an, gestern war der Benzin noch bei über zwei Euro", kommentiert die Ensdorferin mit einem Lächeln. An diesem Vormittag steht der Benzin bei 1,90 Euro pro Liter.

Nicht nur in Ensdorf (Landkreis Amberg-Sulzbach) sind an diesem Mittwoch, dem 1. Juni, die Spritpreise gefallen. Auch in der restlichen Nordoberpfalz kosteten Benzin und Diesel zum Teil deutlich weniger als in den Tagen zuvor. Nicht überall sanken die Preise aber gleichmäßig. Je nach Kraftstoff, Tageszeit und Ort schwankten die Unterschiede, manchmal sogar gewaltig, zwischen minus 3 oder mehr als minus 30 Cent pro Liter. Das ergab ein Vergleich der Preise an mehreren Tankstellen in den großen Städten der Region von Mittwoch und den Tagen zuvor. In Sulzbach-Rosenberg sank der Dieselpreis am Mittwoch auf 1,79 Euro pro Liter – in der Woche davor lag er bei durchschnittlich 2,15 Euro pro Liter. Das sind 36 Cent weniger.

Mehr Kunden als sonst

"Die Senkung heute Morgen ging schneller als erwartet. Das ist schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es fehlt aber noch ein gutes Stück", sagte ADAC-Experte

Christian Laberer. Inklusive Mehrwertsteuer beträgt die Entlastung – von der Bundesregierung beschlossen und für Juni, Juli und August gültig – bei E10 35,2 Cent pro Liter, bei Diesel 16,7 Cent. Bis zum Mittwoch war aber noch unklar, ob diese Entlastung von den Mineralölkonzernen auch an die Autofahrer weitergegeben wird. Nun ist klar: Ja, zum Teil und zunächst auf jeden Fall.

Die zwei Zapfsäulen der Tankstelle in Ensdorf sind an diesem Mittwochvormittag ständig belegt. "Heute sind schon mehr gekommen als sonst", sagt Tankstellen-Chef Michael Dollacker. Manche Kunden seien aber etwas enttäuscht gewesen, dass es nicht mehr Rabatt gab. "Die hatten mehr erwartet." Vormittags lag der Unterschied zum Vortag bei rund minus 18 Cent Unterschied beim Benzin, rechnet Dollackers Frau Renate vor, nachdem sie die Kassenbelege der Tage verglichen hat. Renate Dollacker steht auch hinter der Kasse.

Zurückhaltung am Dienstag

Bis sich der volle Rabatt durchschlägt, werde es wohl noch ein paar Tage dauern, meint Michael Dollacker. Den Preis bekomme er vom Konzern diktiert, aus Regensburg oder München, der gebe das automatisch durch. "Wir haben darauf keinen Einfluss, stehen aber an der Front."

In den vergangenen Tagen merkte Dollacker, dass sich die Leute etwas zurückhielten, weniger tankten, nur kleinere Mengen. Am Mittwoch will aber keiner der angesprochenen Kunden extra auf den Tankrabatt gewartet haben. "Ich tanke, weil der Tank leer ist", heißt es von allen. Wenn man muss, dann muss man. Von der Aktion der Bundesregierung halten die wenigsten etwas. "Ein Witz", sagt eine Frau. "Die halten uns doch alle für Narren", meint eine andere. "Das ist Betrug", sagt einer, "und so was von schwach von der FDP." Die Mineralölkonzerne hätten die Preise doch vorher extra hochgeschraubt, "und wir Steuerzahler müssen dafür bezahlen".

Der Preisanstieg zuletzt sei normal, sagt Tankstellen-Chef Dollacker. Der Rohölpreis sei gestiegen, und das wirke sich auch auf die Preise an den Tankstellen aus. Allerdings: Johannes Schwanitz, Professor am Institut für Technische Betriebswirtschaftslehre der Fachhochschule Münster, analysiert seit Jahren Marktdaten und sagte zuletzt dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Die Tankstellenpreise haben sich im März von den Rohölpreisen abgekoppelt – und zwar nach oben."

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Deutschland & Welt01.06.2022

In ganz Bayern ist ein Riesen-Ansturm auf die Tankstellen ausgeblieben. Vereinzelt kam es jedoch zu längeren Wartezeiten an den Zapfsäulen. "Der große Run ist ausgeblieben", sagte der für die Tankstellen zuständige Vizepräsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes in Bayern, Günter Friedl, in München. Die Spritpreise seien im Vergleich zu den vergangenen Tagen erkennbar gesunken. Dies sei jedoch von Tankstelle zu Tankstelle und abhängig von der Uhrzeit ganz unterschiedlich gewesen.

ADAC: Preise immer noch zu hoch

Dass die Energiesteuersenkung sich am Mittwoch bereits zu großen Teilen auf die Spritpreise auswirkte, kam auch für manche Fachleute überraschend. Im Vorfeld war erwartet worden, dass diese erst nach und nach fallen werden. Grund dafür ist, dass die gesenkte Steuer nicht beim Verkauf an der Zapfsäule sondern ab Tanklager beziehungsweise Raffinerie anfällt. Das bedeutet, dass alle vor Mitternacht gelieferten Vorräte der Tankstellen noch mit dem normalen höheren Steuersatz belastet sind.

Insgesamt seien die Preise aber immer noch viel zu hoch – auch weil sie im Vorfeld der Steuerentlastung teils stark gestiegen waren, sagt ADAC-Experte Laberer in München zu den bundesweiten Zahlen. Die gesunkenen Preise sorgten am Mittwoch bei den Tankstellen zum Teil für eine große Nachfrage. Bei einer Tankstelle in Coburg in Oberfranken bildeten sich an den vier Zapfsäulen lange Warteschlangen, die sich bis auf die Straße zurückstauten und den Verkehr behinderten.

Auch deutschlandweit hat die seit Mitternacht geltende Senkung der Energiesteuer zu deutlich sinkenden Spritpreisen an vielen Tankstellen geführt. Das zeigt eine Schnellauswertung der Preise an rund 400 Tankstellen in München, Berlin und Hamburg im Zeitraum zwischen 6 und 7 Uhr durch die Deutsche Presse-Agentur mithilfe der Spritpreis-Daten des ADAC am Mittwoch. Zwar haben nicht alle Tankstellen ihre Preise stark gesenkt, bei der überwiegenden Mehrheit ergab sich allerdings bereits wenige Stunden nach der Steuersenkung ein klarer Unterschied.

Maßnahme kommt an

Auch der Bundesverband freier Tankstellen geht davon aus, dass die Steuersenkung bei den Kunden ankommt. "Die Maßnahme scheint auf den ersten Blick weitestgehend weitergegeben worden zu sein", sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Stephan Zieger, der Deutschen Presse-Agentur.

Das deckt sich mit den Ergebnissen der Blitzanalyse: So kostete am Mittwoch bei rund 350 der untersuchten Tankstellen der Liter Super E10 weniger als 1,90 Euro. Im gleichen Zeitraum am Dienstag hatte es im untersuchten Bereich nur eine einzige Tankstelle gegeben, die E10 für weniger als 2 Euro anbot. Bei der Mehrheit lag der Preis damals zwischen 2,10 und 2,30 Euro. Der theoretische Preisunterschied für Superbenzin durch die Steuerentlastung läge bei 35 Cent pro Liter. Das liegt angesichts der vorliegenden Daten grob abgeschätzt in Reichweite der Senkungen. Für eine genauere Bewertung ist es allerdings noch zu früh.

Auch bei Diesel ergab sich ein klarer Trend in Richtung fallender Preise. Hatte es den Kraftstoff noch am Dienstagmorgen nur in seltenen Fällen für weniger als 2 Euro gegeben, machten diese Preise am Mittwoch bereits die Mehrheit aus. Mehr als 2,10 Euro wurden dagegen kaum verlangt. Das war am Dienstag noch fast in der Hälfte aller Fälle so gewesen. Bei Diesel liegt die Entlastung durch die Steuersenkung mit knapp 17 Cent pro Liter deutlich niedriger. (Mit Material der dpa)

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