23.07.2019 - 16:56 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Auf den Spuren der ehemaligen Vilstalbahn

Die ehemalige Bahnlinie zwischen Amberg und Schmidmühlen ist inzwischen ein beliebter Rad- und Wanderweg. Ab Ensdorf führt der zweite Streckenabschnitt durch den Naturpark Hirschwald und vorbei am alten Kalksteinwerk in Vilshofen.

Der Eisenbahnbau bei Harschhof mit dem Feldbahngleis (links), der Bahntrasse (Mitte) und der Vils (rechts).
von Externer BeitragProfil

(exb) Gestärkt nach einer Einkehr in der Ensdorfer Gastronomie geht es weiter auf der Bahntrasse - entweder mit dem Rad oder zu Fuß. Die nächsten Stationen sind Rieden bei Kilometer 17, Vilshofen bei Kilometer 20 sowie der Endpunkt der ehemaligen Lokalbahn in Schmidmühlen.

Der Weg von Amberg nach Schmidmühlen entlang der ehemaligen Bahntrasse liegt außerdem am Naturpark Hirschwald, der erst im Jahr 2006 als 17. bayerischer Naturpark ausgewiesen wurde. Weitreichende Wälder, mit Hecken bepflanzte Hügel, Wacholderheiden sowie eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren machen die knapp 28 000 Hektar des Hirschwaldes zu einer prächtigen und vielseitigen ökologischen Landschaft.

Rieden erreichen die Wanderer und Radler auf der sogenannten Schlossberglinie unterhalb des Riedener Burgbergs. Erhalten ist auf dem Bergrücken noch ein Ringwall, der Zeuge einer Besiedelung in vorgeschichtlicher Zeit ist.

Abstecher nach Kreuth

Unterhalb der Bogenbrücke im Ortskern ist es möglich, Richtung Kreuth abzubiegen, um dem "Ostbayerischen Pferdesport- und Turnierzentrum" einen Besuch abzustatten. Die Ostbayernhalle auf Gut Matheshof ist mit rund 4500 Sitzplätzen, weiteren fünf Reithallen, 600 Pferdeboxen, Reitwegen und Koppeln eines der größten Pferdesport-Zentren Europas. Immer wieder finden hier große Reitturniere, aber auch Konzerte, wie das "G.O.N.D. Festival" mit über 20 000 Besuchern, statt.

Nach diesem Abstecher ist ein Besuch im beheizten Riedener Freibad, das täglich im Sommer von 9 bis 19.45 Uhr geöffnet hat, ein Tipp. Anschließend geht es weiter an der alten Bahnlinie entlang Richtung Vilshofen. Bedeutend zu Bahnzeiten war hier der Tarifpunkt für den Güterverkehr des nahen Kalksteinwerkes. Aufschwung und Niedergang der Bahn waren eng mit dem Kalkwerk in Vilshofen verbunden. Dieser Betrieb gehörte zur Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg und zwischen 1950 und 1970 wurden jährlich 50 000 Tonnen Kalk über die Vilstalbahn abtransportiert.

Seit Eröffnung des Truppenübungsplatzes Hohenfels 1947 nutzten auch die Amerikaner vor allem nachts die Bahnstrecke für Truppentransporte. Berichte über die militärischen Aktivitäten sind rar, berichtet wurde jedoch im Frühjahr 1959 von einem Vorfall, bei dem ein Bergepanzer an der Wegeüberführung mit lautem Krach an der Brücke hängenblieb.

Probleme beim Bau

Nach Verlassen des Ortes Vilshofen ist - versteckt hinter einem Zaun - das Kalksteinwerk zu erkennen, das noch immer in Betrieb ist. Nun führt die Strecke weiter vilsabwärts auf dem Radweg zum Streckenbereich Harschhof. Beim Bau der Trasse kam es in diesem Abschnitt zu einem bahntechnischen Problem, da hier der Berghang direkt am Vilsufer sehr steil ansteigt. Der Hang musste unter anderem mit gehauenen und gemauerten Schutzwänden abgesichert werden, um zu verhindern, dass er abrutscht.

Der Endpunkt der Lokalbahnstrecke ist in Schmidmühlen erreicht. Im Wappen des Marktes findet sich der Ortsname wieder: links der Schmiedehammer, rechts das Mühlrad. Die Mahl- und Sägemühlen sind zwar verschwunden, aber in Nachbarschaft des renovierten Hammerschlosses drehen sich noch rund um die Uhr zwei Wasserräder.

Hier mündet auch die Lauterach in die Vils. Das Lauterachtal mit seinen Wacholderheiden und der reichen Pflanzen- und Tierwelt wird auch die "Bayerische Toskana" genannt. Am Samstag, 3. August, und Sonntag, 4. August, lädt der Ort Schmidmühlen zu seinem traditionellen Marktfest ein.

Der erste Teilabschnitt der ehemaligen Vilstalbahn führt von Amberg nach Ensdorf.

Oberpfalz

Bahnhof wird Vereinsheim

Der Bahnhof Schmidmühlen, der früher mit einem Dienstraum für den Betriebs- und Abfertigungsdienst sowie einem Warteraum ausgestattet war, ist renoviert und wird als Vereinsheim vom Schützenverein genutzt. Weiter existierte ein Güterschuppen mit Ladegleis, ein Lokschuppen und Sozialräume im Bahnbetriebsgebäude. Heute ist die Vilstalbahn Geschichte. Nachdem der Personenverkehr am 1. Juli 1966 eingestellt wurde und der letzte Güterzug am 28. Mai 1988 die Strecke vom Kalkwerk Vilshofen nach Amberg fuhr, konnten die Abbauzüge vom BW Regensburg mit dem Rückbau der Strecke beginnen. Zwei Jahre nach der endgültigen Stilllegung erwarb der Landkreis Amberg-Sulzbach die Bahntrasse, um den Rad- und Wanderweg anzulegen.

Zeugen der Geschichte

Entlang der Strecke sind heute noch Kilometersteine, Stützmauern, Wasserdurchlässe sowie die renovierten Bahnhofsgebäude in Theuern und Schmidmühlen zu sehen. Der Modelleisenbahn-Club "Unteres Vilstal" Rieden (MEC) hat die Geschichte der Bahn dokumentiert und die Nebenbahn Amberg - Schmidmühlen in Modulen der Spur N sowie anderer Eisenbahnmodelle nachgebaut.

Ab Schmidmühlen führt der Radweg weiter nach Kallmünz, dann durch das Naabtal bis zur Mündung der Naab in die Donau kurz vor Regensburg. Am Bahnhof in Regensburg ist eine Rückreise mit dem Zug bis Amberg möglich. (exb)

Der Bahnhof Schmidmühlen bei der Eröffnungsfahrt im Dezember 1910.
Auf der Ansichtskarte von Rieden ist unter anderem der Burgberg im Hintergrund zu sehen.
Heute ist das Bahnhofsgebäude Schmidmühlen renoviert. Der Schützenverein nutzt die Räume inzwischen als Vereinsheim.
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