13.07.2020 - 15:40 Uhr
ErbendorfOberpfalz

110 Jahre und kein Fest

Heuer ist der Springbrunnen in der Pfarrgasse 110 Jahre alt geworden. Seit dem 100. Geburtstag feiert die Siedlergemeinschaft rund herum ihr Brunnenfest. 2020 fällt das Fest aus.

Der Springbrunnen in der Pfarrgasse auf einer Postkarte um das Jahr 1920.
von Jochen NeumannProfil

Die Pfarrgasse zählt mit zu einem der ältesten Straßenzüge. Schließlich war es jahrhundertelang der tägliche Weg der Geistlichkeit vom katholischen Pfarrhof zur Pfarrkirche. Dort, wo die Straße einen 90 Grad-Kurve macht, stand bereits weit vor dem Jahr 1910 ein Röhrenkasten.

Wie alle anderen Röhrenkästen im Stadtgebiet wurde der Brunnen über unterirdischen Holzleitungen mit Wasser aus dem „Goldbrunnen“ im Kirchenwald versorgt. wurde. Hier konnten die anliegenden Bürger Sommer wie Winter ihr Frischwasser holen. Zwar war das Mühevoll, aber ein Ort zum Treffen und „Ratsch´n“. Von diesen „Holzröhren“ leitete sich die Bezeichnung „Röhrenkasten“ für die Entnahmestellen her.

Nachdem in der Stadt 1904 die „moderne“ Wasserversorgung mit Hausanschlüssen eingeführt wurde, kam auch das Ende für alle Röhrenkästen im Stadtgebiet. Allein am Unteren Markt, Marktplatz und Kaiserberg standen zum Ende des 19. Jahrhunderts fünf Röhrenkästen, die mit der Zeit verschwanden. Nur der an der Mariensäule im heutigen Kreuzungsbereich wurde für wenige Jahre als Springbrunnen umfunktioniert. Das rief auch die Anwohner der Pfarrgasse auf den Plan, ihren Röhrenkasten durch einen neuen Springbrunnen zu ersetzen.

Bereits 1908 wurde am Stammtisch im Gasthof Schmidt (Hausname beim „Gaglbeck“, heute Metzgerei Haubner) unter Federführung von Benefiziat Franz Lederer der Gedanke zum Bau eines Springbrunnens in die Tat umgesetzt. Zur Finanzierung gaben die nächsten Anwohner des Brunnenstandorts ihr Scherflein bei und es wurden auch Sammlungen durchgeführt. Noch 1909 konnten die ersten Bauarbeiten beginnen, die der Maurermeister Georg Hösl aus der Spitalgasse ausführte. Im Frühjahr wurde der Springbrunnen am 15. April 1910 fertiggestellt.

Umrahmt von Bäumen und grünen Gärten war der Springbrunnen ein Kleinod. Bis zum Straßenbau 1978 wurde er von der Familie Baierl gepflegt und betrieben, zuletzt vom ehemaligen städtischen Amtsboten Hans Baierl. Seit dieser Zeit läuft der Betrieb vollautomatisch. Zuletzt wurde der Brunnen im Jahre 2002 renoviert und erhielt auch eine Nachtbeleuchtung.

Den 100. Geburtstag des Brunnens im Jahre 2010 nahm die Siedlergemeinschaft zum Anlass, ihn mit einem Fest zu begehen. In den Folgejahren wurde schließlich das Brunnenfest eine Zweitagesveranstaltung, verbunden mit einem Weinabend. Heuer hätte es Anfang Juli stattfinden sollen. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

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