Erbendorf
17.06.2026 - 09:19 Uhr
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Abschied nach Jahrzehnten: Warum Erbendorfs Schützen einen neuen Weg einschlagen

Verbandswechsel mit Folgen: Der Schützenverein Erbendorf verlässt den Oberpfälzer Schützenbund. Warum die Mitglieder diesen Schritt gehen – und weshalb OSB-Ehrenpräsident Herbert Stattnik nach 61 Jahren seinen Austritt erklärt.

Der Schützenverein Einigkeit 1862 Erbendorf-Naabberg steht vor einer der bedeutendsten Veränderungen seiner jüngeren Vereinsgeschichte. Die Mitglieder beschlossen den Wechsel vom Oberpfälzer Schützenbund (OSB) zum Bayerischen Sportschützenbund (BSSB). Die Verantwortlichen versprechen sich davon bessere sportliche Perspektiven für Nachwuchs- und Wettkampfschützen.

Der Beschluss fiel bei der Jahreshauptversammlung nahezu einstimmig. Die Vereinsführung hatte den Mitgliedern zuvor die Vor- und Nachteile eines Verbandswechsels erläutert und für den Schritt geworben. Im OSB mit Sitz in Pfreimd sind rund 29.000 Mitglieder in 264 Vereinen aus der Oberpfalz organisiert. Der BSSB (Sitz in Garching-Hochbrück) ist der größte Landesverband Deutschlands mit über 4400 Vereinen und 500.000 Mitgliedern.

Wie Schützenmeister Stefan Pregler gegenüber Oberpfalz-Medien betonte, sei die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen worden. Hintergrund seien vor allem die Entwicklungen im Schützengau Steinwald gewesen. Über Jahre hinweg hätten wichtige Funktionärsposten nicht dauerhaft besetzt werden können. Insbesondere die vakante Position des Gausportleiters habe Auswirkungen auf den Sportbetrieb gehabt.

Pregler vermeidet dabei jede Kritik an den verbliebenen Verantwortlichen. Diese hätten unter schwierigen Bedingungen ihr Bestmögliches geleistet. Dennoch habe die Vorstandschaft handeln müssen, bevor wichtige sportliche Strukturen dauerhaft verloren gingen.

Perspektiven für die Jugend

Ein wesentlicher Grund für den Wechsel seien bessere Entwicklungsmöglichkeiten für die Jugend. Der Verein habe intensiv in die Nachwuchsarbeit investiert. Kooperationen mit Schulen, Ferienprogramme, regelmäßiges Jugendtraining sowie Erfolge im Lichtgewehr- und Blasrohrschießen hätten gezeigt, dass das Interesse junger Menschen am Schießsport durchaus vorhanden sei.

„Zur erfolgreichen Jugendarbeit gehört, dass die Jugendlichen andere Vereine kennenlernen, Wettkämpfe bestreiten und sportliche Ziele verfolgen können“, sagte Pregler. Genau diese Möglichkeiten sehe der Verein künftig im BSSB stärker gegeben.

Mit 114 Mitgliedern verfügt der Verein über eine stabile Basis. In den vergangenen Jahren wurde das Schützenhaus modernisiert. Rund 55.000 Euro investierten die Verantwortlichen in die energetische Sanierung und zeitgemäße Technik. Gleichzeitig gelang es, die finanziellen Belastungen vollständig abzubauen. Heute steht der Verein wieder auf gesunden wirtschaftlichen Beinen.

Auch sportlich hat sich das Angebot deutlich erweitert. Neben Luftgewehr und Luftpistole gehören mittlerweile Lichtschießen, Blasrohr, Auflageschießen sowie verschiedene Feuerwaffendisziplinen zum Vereinsangebot. Hinzu kommen gesellschaftliche Veranstaltungen wie das Muttertagsschießen, das traditionelle Nussschießen, das Ferienprogramm sowie das erstmals ausgerichtete Bürgerkönigsschießen. Diese Öffnung zeigt Wirkung. Viele Veranstaltungen sprechen nicht mehr nur Vereinsmitglieder an, sondern erreichen zahlreiche Bürger aus Erbendorf und Umgebung.

OSB bedauert Entscheidung

Beim Oberpfälzer Schützenbund wurde die Entscheidung mit Bedauern aufgenommen. Wie OSB-Präsident Franz Brunner gegenüber Oberpfalz-Medien sagte, sei ein solcher Verbandswechsel äußerst selten. Während seiner mittlerweile 14-jährigen Amtszeit habe es lediglich zwei vergleichbare Fälle gegeben – einmal vom OSB zum BSSB und einmal in die umgekehrte Richtung.

Als Stärken des OSB nennt Brunner die kurzen Wege, die Nähe zu den Vereinen und das familiäre Umfeld eines kleineren Verbandes. Das Landesleistungszentrum in Pfreimd sei für die meisten Schützen innerhalb kurzer Zeit erreichbar. Darüber hinaus verweist er auf einen organisatorischen Vorteil: Da der OSB keine Bezirksebene kenne, müsse auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft eine Qualifikation weniger absolviert werden. Im Leistungssport räumt Brunner jedoch ein, dass der deutlich größere BSSB aufgrund seiner Größe und Infrastruktur Vorteile bieten könne.

Herbert Stattnik zieht Konsequenzen

Besonders betroffen zeigt sich Herbert Stattnik. Der heute 79-Jährige gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten des Schützenwesens in der Oberpfalz. Seit 1965 ist er Mitglied des Schützenvereins Erbendorf. Acht Jahre lang führte er den Verein als Schützenmeister. Im Oberpfälzer Schützenbund war er zunächst dritter Vizepräsident, später erster Vizepräsident und schließlich von 2004 bis 2012 Präsident. Heute trägt er den Titel des Ehrenpräsidenten.

„Ich halte den Verbandswechsel für unlogisch“, sagte Stattnik gegenüber Oberpfalz-Medien. Die Wege zu Wettkämpfen würden länger, zudem komme mit der Bezirksebene eine weitere Qualifikationshürde hinzu. Dabei betonte Stattnik ausdrücklich, dass sich seine Kritik nicht gegen den Bayerischen Sportschützenbund richte. Im Gegenteil. Während seiner Amtszeit habe er stets ausgezeichnete Beziehungen zum BSSB gepflegt.

„Ich möchte keine dreckige Wäsche waschen“, sagte Stattnik. Dennoch treffe ihn die Entscheidung persönlich. „Es tut weh. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.“ Zum Jahresende will er deshalb seine Konsequenzen ziehen und nach 61 Jahren Mitgliedschaft aus dem Schützenverein Erbendorf austreten. Auch seine Ehrenmitgliedschaft werde er zurückgeben.

Kritik am Verfahren

Verwundert zeigt sich Stattnik zudem über den Ablauf der Abstimmung. Die Jahreshauptversammlung habe am Pfingstsamstag stattgefunden. Dadurch könne der Eindruck entstehen, dass möglichst viele Mitglieder nicht anwesend sein sollten. Außerdem verweist er darauf, dass in der Tagesordnung lediglich von einer Abstimmung über einen Verbandswechsel die Rede gewesen sei. Da die Mitgliedschaft im OSB nach seiner Auffassung in der Vereinssatzung festgeschrieben sei, müsse eine Satzungsänderung erfolgen. Er gehe davon aus, dass das Registergericht diesen Punkt prüfen werde. Auch sei er überrascht, weil im Vorfeld niemand aus der Vereinsführung konkret das Gespräch mit ihm über die geplante Entscheidung gesucht habe.

Trotz unterschiedlicher Auffassungen gibt es auch Gemeinsamkeiten. Sowohl die Vereinsführung als auch die Vertreter des OSB betonen die Bedeutung des Schießsports für die Region und die erfolgreiche Nachwuchsarbeit. So markiert der Verbandswechsel zwar das Ende eines langen Kapitels der Vereinsgeschichte. Gleichzeitig verstehen ihn die Verantwortlichen als Aufbruch in eine neue Zukunft. Der Verband wechselt – die Traditionen des Schützenwesens in der Steinwaldstadt sollen bleiben.

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