30.06.2020 - 12:44 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Anschlag auf Habichtskauz-Projekt

Beim Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) schrillen die Alarmglocken. Ein unbekannter Täter hat erneut einen Anschlag gegen das geförderte Habichtskauz-Artenschutzprojekt unternommen.

Ein junger Habichtskauz.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Der Unbekannte machte sich an einer an einem abgelegenen Ort gebauten Voliere für die Wiedereinbürgerung der Vögel im Hessenreuther Wald zu schaffen. Mit einem Bolzenschneider wurden Gitter herausgetrennt. Mitarbeiter des VLAB entdeckten die Schäden am Donnerstag. Landesvorsitzender Johannes Bradtka machte sich sofort selbst ein Bild von der Voliere. Anschließend erstattete der anerkannte Naturschutzverband Anzeige bei der Polizeiinspektion Kemnath, die nun Ermittlungen aufgenommen hat.

Nicht der erste Anschlag

In der Voliere sollen die jungen Habichtskäuze an die neue Umgebung gewöhnt werden und ihren Jagdtrieb entwickeln. Der Gesuchte machte sich vermutlich in der Nacht zum Donnerstag an der Anlage zu schaffen. "Am Mittwoch waren die Gitter noch drin", weiß Bradtka. "Gott sei Dank waren noch keine Vögel in der Voliere", so der Funktionär. Denn für die Jungvögel hätte dies wohl den sicheren Tod bedeutet, weil sie dann leichte Beute für andere Tiere gewesen wären.

Etwa vier Wochen wachsen die Vögel in der Voliere in Sicherheit heran, werden an die neue Region gewöhnt und sammeln Erfahrungen in der Mäusejagd, bevor sie endgültig in die Freiheit entlassen werden. Dies ist nicht der erste Anschlag gegen das Förderprojekt des VLAB. Auch Wildkameras und ein Elektrozaun seien in der Vergangenheit bereits beschädigt worden, weiß Bradtka. Er erinnert dabei auch an den nie geklärten Pfeilschuss auf einen Schwarzstorch-Horst im Hessenreuther Wald vor einigen Jahren.

Belohnung ausgesetzt

Sein Verband will nun nicht mehr tatenlos zusehen, wie das Projekt torpediert wird. "Wir werden alles daransetzen, um herauszufinden, wer hinter den Taten steckt", kündigt der Erbendorfer an. Der Verband hat deshalb eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen. Es gibt bereits eine erste Spur. "Ein Jäger hat in der fraglichen Nacht ein Auto im Wald gesehen. Es ist durchaus möglich, dass der Fahrer mit der Tat etwas zu tun hat", erklärt Bradtka.

Über die Motive des Gesuchten mag der Vorsitzende nicht spekulieren. Natürlich dränge sich der Gedanke auf, dass der geplante Bau von Windrädern in diesem Waldgebiet damit etwas zu tun haben könnte. Das mache aber eigentlich wenig Sinn, da sich der Habichtskauz nur im Kronenbereich der Bäume aufhalte und deshalb gar keine Vogelart sei, die Konfliktpotenzial zu Windrädern in sich berge, sagt Bradtka.

Hier lesen Sie mehr über die Auswilderung im Jahr davor:

Erbendorf

Rund 200 000 Euro hat der Verband bereits in die Auswilderung und Wiedereinbürgerung der Habichtskäuze investiert. Darunter sind nicht nur Mitgliedsbeiträge und Fördergelder, sondern auch viele private Spenden. Unter den zahlreichen Unterstützern und Förderern sind neben der Heinz-Sielmann-Stiftung verschiedene Zoos, der Nationalpark Bayerischer Wald die Bayerischen Staatsforsten und der Forstbetrieb Schnaittenbach, der den Hessenreuther Wald betreut. Über die Gemeinwohlleistungen bringen auch die Staatsforsten Geld in das Projekt ein.

Hintergrund:

Der Habichtskauz

Der Habichtskauz ist vermutlich vor etwa 100 Jahren aus der Region verschwunden. Die Wiederansiedlung des Vogels begann mit Genehmigung der Regierung im Sommer 2017 mit der Auswilderung von sechs Jungvögeln im Naturpark Steinwald. Seitdem sind alljährlich Tiere freigelassen worden. Auch in diesem Jahr sollen wieder mehrere Vögel, die in zoologischen Gärten und Zuchtanlagen geschlüpft sind, helfen, eine Population in der Region aufzubauen. Fernziel des auf zehn Jahre angelegten Projekts ist es, die Lücke zu den Beständen im Bayerischen Wald zu schließen..

Der Habichtskauz ist mit einer Größe von rund 60 Zentimeter und einer Flügelspannweite von bis zu 125 Zentimeter der größte Kauz Mitteleuropas. Er bevorzugt Buchen-Mischwälder mit Waldwiesen, Lichtungen, Sturmwurfflächen und anderen freien Flächen, auf denen er nach Beute Ausschau hält. Seine Hauptnahrung sind Mäuse. Aber auch kleinere Vögel, Amphibien und größere Insekten stehen auf seiner Speisenkarten. Der Habichtskauz brütet in Baumhöhlen, auf abgebrochenen höheren Baumstümpfen und in verlassenen Greifvogelhorsten.

Da die natürlichen Behausungen selten geworden sind, hat der VLAB mit Unterstützung vieler Mitstreiter in der Region spezielle Nistkästen an geeigneten Standorten anbringen lassen.

Gitter aus der Voliére wurden mit einem Bolzenschchneider herausgetrennt.

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