30.07.2018 - 15:50 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Im Aufwind

Ein Segelflugzeug kann ohne Motor in 10 Stunden 1161 Kilometer weit fliegen. Wie geht das? Segelfliegen ist ein faszinierendes Hobby, dass begeisterte Flugsportler mit Leidenschaft betreiben.

Beim Start benutzt ein Segelflieger einen kleinen Motor.
von Autor GDÖProfil

(gdö) Von Jung bis Alt wird das Segelfliegen als Teamsport, oftmals als Mitglied in einem Verein, ausgeübt. Bereits mit 16 Jahren kann die Segelfluglizenz erworben und als verantwortlicher Pilot geflogen werden, immerhin zwei Jahre früher als eigenverantwortliches Autofahren. Voraussetzung ist eine erfolgreiche theoretische und praktische Ausbildung in einem Verein oder einer gewerblichen Flugschule.

Marc Fuchs, 44-jähriger Pilot des Segelflugvereines Grafenwöhr, und sein 30-jähriger Copilot Helmut Joost aus Wunsiedel haben das erreicht, was viele Piloten immer wieder anstreben. Sie flogen mit dem doppelsitzigen Hochleistungssegelflugzeug "Arcus M", gebaut von der Firma Schempp-Hirth aus Kirchheim/Teck, eine Strecke von über 1000 Kilometer nur mit der Energie, die von der Natur großzügig zur Verfügung gestellt wird, wenn das Wetter passt.

Früher musste man schon nach Afrika, Amerika oder Australien in die Segelflugzentren reisen, um so einen Tausender zu schaffen. Teuer und aufwendig. Mittlerweile sind die modernen Segelflugzeuge, die überwiegend bei renommierten Fachfirmen in Deutschland gebaut werden, so hochentwickelt, dass es auch bei unseren Wetterlagen immer öfter möglich ist, solche große Strecken zu fliegen.

Das Segelfluggelände Erbendorf liegt geografisch günstig an einer Rennstrecke des Segelflugs in Deutschland. Über dem Thüringer Wald, Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald und Bayerischen Wald werden viele weite Flüge möglich. Das Cockpit in einem aerodynamisch optimierte Segelflugzeug in Kunststoffbauweise ist durchaus eng. Vorne sitzt der verantwortliche Pilot, aber auch vom hinteren Sitz aus kann geflogen werden. Gestartet wird der "Arcus M" mit einem Zweitakter Motor mit 68 PS, welcher zum Starten verwendet wird. Dieses Triebwerk kann aber natürlich auch als Heimkehrhilfe genutzt werden, wenn nicht ausreichend Thermik vorhanden ist.

Segelflugzeuge benutzen zum Höhengewinn auf der Flugstrecke die Aufwinde, die aufgrund der Sonneneinstrahlung und einer labilen Luftschichtung entstehen. Im Kreis fliegend steigt der Flieger, wie in einem Aufzug mit einer Geschwindigkeit von mehreren Metern pro Sekunde, nach oben. Die Cumuluswolke am Himmel ist das Ergebnis dieses Aufwindes und entsteht durch die Abkühlung der Luft beim Aufsteigen. Das Wasser in der Luft kondensiert und es bildet sich die Wolke. Die dabei erreichte Höhe wird dann durch das Abgleiten in gewünschter Kursrichtung in Reichweite umgesetzt. Im nächsten Aufwind geht es dann wieder nach oben und es folgt erneutes abgleiten. Der vom GPS-Tracking-System mitgeschriebene Flugweg zeigt die verschiedenen Höhen des Fluges quasi als Sägezahnprofil.

Stundenlang im Segler sitzen, ständig gegen die Schwerkraft ankämpfen, um oben zu bleiben, dabei noch gut vorwärtskommen und möglichst viel Strecke pro Zeit, also mit hoher Schnittgeschwindigkeit, zu fliegen, ist die Motivation der Segelflieger. Die Natur genießen, mit den Störchen oder Greifvögeln im Aufwind zu kreisen, ist immer ein besonderes tolles Erlebnis für die Piloten.

Die abendliche Flugnachbesprechung mit den Vereinskameraden über das Flugerlebnis des Tages rundet dann oft einen schönen Tag ab. Der Beginn einer Ausbildung zur Segelfluglizenz ist bei der Flugsportgemeinschaft Steinwald in Erbendorf jederzeit möglich. Interessenten werden bei einem Besuch auf dem Fluggelände umfassend informiert.





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