26.08.2018 - 16:30 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Bauern trotzen Krisen

Auch die Bauern im Landkreis Tirschenreuth leiden unter dem Hitzesommer. Neben den staatlichen Beihilfen sind jetzt schnelle Sofort-Maßnahmen notwendig. Manche Landwirte müssen gar zu drastischen Mitteln greifen.

Matthias Zahn vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, Landwirt Josef Schraml-Hösl und Dienstleistungs- Unternehmer Wolfgang Legat (von links) bei der Maisernte. Die Erträge fallen dürftig aus in diesem Jahr.
von Carolin BöcklProfil

(ckl) „Bis zu 60 Prozent betragen die Einbußen beim Grünland in diesem Jahr“, stellt Landwirt Josef Schraml-Hösl aus Wetzldorf fest. Um die Tiere im Winter satt zu bekommen, müssen die Bauern nun versuchen, überregional Ersatz zu beschaffen. Keine leichte Aufgabe angesichts der extremen Wetterlage in ganz Deutschland.

„Es wird ebenso wesentlich mehr Stroh zugefüttert als sonst üblich“, ergänzt Matthias Zahn aus Eiglasdorf, Teamleiter des BDM im Landkreis Tirschenreuth. Wenn auch die eisernen Reserven aufgebraucht sind, hilft aber nur noch eins: Ein Teil der Tiere muss verkauft oder geschlachtet werden, um die Bestände zu verkleinern.

Die Hoffnungen der Bauern ruhen nun oftmals auf dem Mais, der zwar heuer ebenfalls weniger Ertrag bringt, aber mit verhältnismäßig wenig Wasser zurecht kommt. Doch damit stecken die Landwirte laut Zahn in einem neuen Dilemma, da gerade der Maisanbau öffentlich in der Kritik steht. Alternative Pflanzenarten wie das Elefantengras oder die Silphie wären zwar als Energiepflanzen für Biogasananlagen, aber nicht als Futtermittel geeignet.

Es ist zu befürchten, dass durch den Klimawandel solch extreme Wetterlagen in Zukunft keine Seltenheit sind. Auch darauf müssen sich die Bauern einstellen. „Wir müssen uns absichern und ausreichend Reserven für Zeiten der Not anlegen.“

Zahn bezieht auch Stellung zu den angekündigten finanziellen Beihilfen der Regierung für dürregeschädigte Landwirte: „Von staatlichen Zahlungen ist niemand gerne abhängig. Dennoch sind wir Bauern froh, in diesem Extremjahr von staatlicher Seite Hilfe zu erhalten.“ Die Landwirte sind sich auch darüber bewusst, dass die Subventionen nicht überall gerne gesehen sind. Schraml-Hösl räumt ein: „Trotz der extremen Situation haben wir Verständnis dafür, wenn Verbraucher diesen Subventionen kritisch gegenüberstehen“. Aber gerade in solchen Jahren wie diesen hätten die Landwirte ohne staatliche Zahlungen enorme Probleme und viele müssten ihre Betriebe schließen. Auch Nahrungsmittel-Engpässe und stark steigende Preisen wären dann zu befürchten.

Nicht nur die Viehwirtschaft, sondern auch der Milchmarkt müsse zukunftsfähig gestaltet werden. „Wir vom BDM sind der Meinung, dass wir Landwirte nun gefordert sind, selbst Verantwortung zu übernehmen. Der Grundpfeiler unseres Ansatzes ist eine Milchproduktion, welche sich noch stärker an der Nachfrage orientiert. Mit dem sogenannten „Milchmarkt-Krisenmanagement-Programm“ soll in nachfrageschwachen Zeiten künftig europaweit die Produktion angepasst werden. Betriebe werden dadurch auch stabiler für Krisenjahre.

Um diese Krisenvorsorge mit den Landwirten weiter zu diskutieren, startet der Verband am Montag die Aktion „BDM on tour“. Dazu reist der Sprecher des BDM Hans Foldenauer mit einem „Milch-Mobil“ quer durch Deutschland. Ziel des BDM ist, vor allem mit jungen Bauern ins Gespräch zu kommen, die ihre Zukunft in der Milcherzeugung sehen. Erster Zwischenstopp ist der Landkreis Tirschenreuth. In Kleinsterz bei Mitterteich ist um 20 Uhr eine Dikussionsrunde im Gemeinschaftsheisl angesetzt. Ebenso stehen Infos zur Dürrebeihilfe auf der Tagesordnung. Eingeladen sind alle Interessierten.

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