10.12.2020 - 12:17 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Baustelle B 299 bei Erbendorf: Das Jahr der Brücken

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Was hat sich in den vergangenen Monaten auf der Großbaustellen B 299 im Hessenreuther Wald getan? Baudirektor Gerhard Kederer gibt Einblicke.

Baudirektor Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach zeigt, wie die neue Straße der B299 einmal verlaufen wird. Auf dem Bild ist die zweite Brücke zu sehen. Arbeiter bereiten diese gerade für den Winter vor.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Von Lucia Seebauer und Wolfgang Benkhardt

Eine der aktuell größten Baustellen in der Oberpfalz ist in der Winterpause: die B 299 im Hessenreuther Wald. „Anfang Dezember hören die Erdbaufirmen das Arbeiten auf“, sagt Straßenbaumeister Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach. „Wenn es regnet oder schneit, geht nichts mehr. Die Erde ist dann zu nass und lässt sich nicht mehr verdichten“, erklärt er. Je nach Witterung nehmen die Arbeiter dann ab März/April den Baubeginn für die neue B 299 wieder auf.

Drei Kilometer stehen noch aus

Trotz der Corona-Pandemie konnte die Mammut-Baustelle zwischen Erbendorf, Hessenreuth und Pressath dieses Jahr nach Plan voranschreiten. Die ersten beiden Kilometer aus der Richtung der Steinwaldstadt sind bereits fertig – drei weitere stehen noch aus. Leichte Verzögerungen gab es im Frühjahr: Arbeiter aus dem Ausland fehlten wegen der Coronakrise auf der Baustelle. Weitere Ausfälle gab es seither nicht mehr. So liefen in den vergangenen Wochen vor allem Maschinenarbeiten. „Die Arbeiter sitzen alleine in den Baggern, Raupen oder Walzen.“ Erst wenn wieder Tätigkeiten mit mehr Handarbeit anstehen, müsse auch wieder mehr auf Abstand und Mund-Nase-Schutz geachtet werden.

Im Endspurt sind die drei Brückenbauwerke im Hessenreuther Wald. Diese wurden baulich im September fertiggestellt. Dafür wurden zig Tonnen Stahl und Beton verbaut. Alle drei Übergänge beziehungsweise Durchläufe befinden sich auf Erbendorfer Seite der B 299 und sind mittlerweile ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger. „Unter der Woche ist das weniger der Fall, aber die Leute kommen am Wochenende – vor allem, wenn das Wetter schön ist“, sagt Bauaufseher Richard Trescher. Kederer rät davon ab, auf der Baustelle rumzulaufen: „Es ist dort nicht gerade ungefährlich.“ Es könne beispielsweise auch mal eine Grube offen sein, „die nicht abgesichert ist“, warnt er.

140.000 Kubikmeter Erde

Ende November lief der Erdbau. Um die Brücken auch sicher zu verbinden, mussten Dämme errichtet werden. Dafür wurden insgesamt 140.000 Kubikmeter Erdmaterial benötigt. 70.000 kamen direkt aus der Baustelle. So wurde ein Großteil der Erde vom Abspann abgetragen. Weitere 70.000 Kubikmeter Erde wurden von außen angefahren. „30.000 Kubikmeter kamen von der Baustelle zur Ortsumfahrung bei Plößberg“, weiß Kederer. Rund 20 Laster fuhren mehrere Male täglich zwischen Erbendorf und Plößberg hin und her und brachten die Erde auf die Baustelle, die im Anschluss von Baggern verteilt und durch Walzen verdichtet wurde.

Etwas erleichtert wird die Arbeit immer wieder mit smarten Baumaschinen. So wurde der Bauplan im Vorfeld auf die Geräte gespielt. Durch GPS wissen die Arbeiter genau, was wo platziert werden muss. „Zum Beispiel weiß die Maschine genau, wo neue Böschungen gesetzt werden müssen“, sagt Kederer. Ein Teil der ehemaligen Straße wird unter anderem als Feldweg weiter genutzt. Dieser verläuft teilweise parallel zur neuen Straße.

Wurzelstöcke zu Hackschnitzel

Um die Durchlässigkeit der Straße zu verbessern, ist an einer der Brücken ein Durchlauf für den Wildwechsel gebaut worden. Die Brücke liegt direkt in der Mitte von den beiden anderen. Darunter verläuft nun der Schreierbach, der auf einer Länge von über 200 Metern verlegt wurde. Doch auch für größere Tiere wie Hirsche, Rehe oder Wildschweine ist genug Platz, um den Weg unter der Brücke zu queren. In enger Abstimmung mit dem Naturschutz werden auch entlang der neuen Strecke Kleintierdurchlässe, etwa für Froschwanderungen, errichtet. Am Abspann im Hessenreuther Wald hatte die Firma Wunderlich ihren Zentral-Lagerplatz eingerichtet. Dort zerkleinerten Maschinen Wurzelstöcke, die aus der Baustelle entfernt worden sind. Daraus wurden unter anderem Hackschnitzel gemacht und weiterverkauft. Gefiltertes Erdmaterial wurde wiederum für die Randbereiche des Waldes an der neuen B 299 verwendet. Für Ski-Langläufer gibt es vom Abspann aus dieses Jahr keinen Einstieg. „Das ist nicht möglich, da die Straßen komplett weg sind“, sagt Kederer.

Im zweiten Bauabschnitt müssen noch vier Regenrückhaltebecken angelegt werden. Es werden fünf Becken gebaut, die über 3500 Kubikmeter Wasser fassen sollen. Das bisher größte, mit einem Fassungsvermögen von 1600 Kubikmetern, ist bereits fertiggestellt worden. „Die Becken fangen alles auf, was aus dem Wald oder von der Straße kommt. Das Wasser wird zurückgehalten, gereinigt und langsam wieder abgegeben“, erklärt Kederer.

Hier gibt es mehr Infos über die Baustelle

Hessenreuth bei Pressath
Hintergrund:

Chronik zur Baustelle B299

Seit die Baustelle B299 vor zwei Jahren angelaufen ist, hat sich bereits einiges getan. Die neue Straße zwischen Erbendorf und Pressath nimmt Form an. In groben Zügen lässt sich schon erkennen, was an dieser Stelle schon im kommenden Jahr fertig sein wird. 21 Millionen Euro kostet die Maßnahme. Aber was ist bereits gemacht worden und was muss noch alles passieren?

  • Der erste Bauabschnitt ist fertig. Das zwei Kilometer lange Teilstück auf Erbendorfer Seite, das nach Aschen- und Eppenhof führt, wurde von rund 5 auf 7,5 Meter erweitert. Ein Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 1600 Kubikmetern ist entstanden. Die Straße wurde asphaltiert und ist bereits wieder von Anwohnern befahrbar. Zudem gibt es Nebenstraßen, die als Radweg oder für den Landwirtschafts- und Forstverkehr genutzt werden können.
  • Im zweiten Bauabschnitt sind bislang drei Brückenbauwerke gebaut worden. Dabei wurde ein Bachdurchlass für den Wildwechsel errichtet. Für kleinere Tiere wie Amphibien wurden mehrere Durchlässe gebaut. Kanäle- und Entwässerungsleitungen sind verlegt worden. Die Erdbauarbeiten für den Straßenbau haben begonnen.
  • Nach der Winterpause geht es mit dem Erd- und Straßenbau weiter. Auch der Entwässerungsbau soll fertiggestellt werden. Um die Brücken herum muss noch viel Erdmaterial aufgeschüttet werden. Am Abspann wiederum wird Erde abgetragen und dann an anderen Stellen weiter verarbeitet. Humus, der freigelegt wird, kommt unter anderem an die Waldränder, um dort wieder für Wachstum zu sorgen. Weitere Kleintierdurchlässe werden noch gebaut. Zudem müssen noch vier Regenrückhaltebecken errichtet werden. "Dann geht es an den Oberbau, Schotter und Asphalt wird aufgetragen", sagt Baudirektor Gerhard Kederer vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach.
  • Bis Herbst 2021 soll die neue Strecke der B299 wieder befahrbar sein. Ab diesem Zeitpunkt soll dann auch eine Faunabrücke am Abspann neben dem Parkplatz der Loipe errichtet werden. In diesem Bereich wird auch ein Wildzaun entstehen. In dieser Zeit wird an dieser Stelle eine Umfahrung über den Feldweg neben der Straße eingerichtet. Für den Bau der Wildtierbrücke wird mit weiteren 18 Monaten Bauzeit gerechnet.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.