08.09.2020 - 13:47 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Bermas aus Erbendorf packt 7000 Koffer für Berliner Flughafen

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Der Flughafen in Berlin wartet seit Jahren auf seine Fertigstellung. Und obwohl sich die Eröffnung immer wieder verschoben hat, sind dort schon die ersten Koffer über die Gepäckbänder gelaufen – und zwar aus Erbendorf.

Kofferfabrik Bermas Erbendorf: Bereits 7000 Koffer hat die Firma Bermas aus Erbendorf schon nach Berlin zum noch nicht fertig gestellten Flughafen BER geschickt.
von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

7000 Gepäckstücke hat die Firma Bermas seit 2011 schon in die Bundeshauptstadt geschickt. Gepackt mit Kleidung, große und kleine Koffer, Reisetaschen, harte und weiche Gepäckstücke – alles, was das Gepäckanlagenhersteller-Herz begehrt. „Wir sprechen uns da ab“, erklärt Holger Schmidt. Flughäfen, die an- oder umbauen oder auch erst gebaut werden, stellen Anfragen an die Erbendorfer Firma.

Die Geschichte des Unternehmens

Erbendorf

Der Prokurist bezeichnet die „Flughafen-Gepäck-Option“ als zweites Standbein des Geschäfts. Flughäfen oder Gepäckanlagenhersteller fragen bei Bermas an, „wir stellen das zusammen, was gebraucht wird“, sagt Schmidt. Das reiche von großen und kleinen Koffern über Reisetaschen oder Surfbretter und Geschirr – auch Sperriges soll den Test auf den Bändern durchlaufen. „Alles, was eben an Gepäck an den Flughäfen so anfällt.“

Internationale Aufträge

„Die Taschen müssen speziell gepackt werden“, erklärt Schmidt weiter. Unterschiedliches Gewicht oder die Feste des Materials spielen dabei eine Rolle. Nach Berlin gingen demnach zum Beispiel 100 Koffer mit je 80 Kilogramm Ballast. Schon seit 1991 setzt Bermas auf diese „schöne Option“, wie Schmidt die fertig gepackten Koffer bezeichnet. Damals gingen einige Gepäckstücke an den Flughafen München, um dort für Testzwecke eingesetzt zu werden. Auch aus dem Ausland seien schon Aufträge gekommen, unter anderem aus Wien, Rio oder auch Israel, Kanada, Norwegen und dem ehemaligen Jugoslawien.

Wir stellen das zusammen, was gebraucht wird.

Holger Schmidt

Die bestellten Mengen gehen via Lkw beziehungsweise Container an den Flughafen, wie die letzte Lieferung von 2000 Stück nach Berlin. Nachdem die Koffer gepackt sind, kommen sie meist auf Europaletten und werden dort mit einer Wickelmaschine laminiert. Drei Mann packen die Gepäckstücke mit Altkleidern, die der Betrieb zukauft. Wenn eine größere Menge zu verschicken ist, packt Schmidt im wahrsten Sinne des Wortes auch selbst mit an beziehungsweise ein. „Wenn es gut läuft, sind die 450-Euro-Kräfte voll ausgelastet“, erklärt der Prokurist, dessen Schwiegereltern Brigitte und Günter Schneider die Bermas-Geschäftsführer sind. Sollte es einmal ruhiger zugehen, würden Gepäckstücke für die nächste Großbestellung vorbereitet.

30 bis 40 Runden

30 bis 40 Runden durchläuft ein Gepäckstück auf den Bändern an den Flughäfen. Einige der Koffer und Taschen würden nach 50 Durchgängen schon mal kaputt, „die werden dann entsorgt“, weiß Schmidt. Der Rest würde noch einmal verwendet oder weiter verkauft an andere Flughäfen oder Gepäckanlagenhersteller. Ein fertig bestückter Koffer koste so um die 50 Euro netto, verrät Schmidt. „Das ist allerdings nicht mit einem normalen Koffer aus dem Verkauf zu vergleichen“, betont er. Bei den Testgepäckstücken handle es sich um „einfache Koffer, keine Samsonite, aber dennoch gute Qualität".

Kofferfabrik Bermas Erbendorf: Kaum sind die Koffer gepackt, werden sie auf Europaletten mit einer Wickelmaschine einlaminiert und ausgeliefert.
Kofferfabrik Bermas Erbendorf: Viele Koffer werden in Erbendorf gepackt und zum Berliner Flughafen geschickt.
Kofferfabrik Bermas Erbendorf: Prokurist Holger Schmidt (vorne, Mitte) erzählt, wie die Koffer von Erbendorf nach Berlin kommen.
Info:

Geschichte der Firma

Die Firma Bermas wurde 1919 in Fürth von Wilhelm Schneider gegründet. Er hatte zu Beginn noch zwei Partner, die Herren Berlin und Maler. Daher der Name BER (Berlin) MA (Maler) S (Schneider). Berlin und Maler sind nach sehr kurzer Zeit wieder aus der Firma ausgeschieden. Zum Programm gehörten damals Lederkoffer, Ledergamaschen, Pferdegeschirre und Papierkörbe. Im Krieg wurden die Produktionsgebäude in Fürth fast vollständig zerstört. Ein Neuanfang wurde 1945 in Erbendorf gemacht. Es entwickelte sich bald ein florierendes Geschäft mit der Produktpalette, die nach und nach erweitert wurde. So kamen zum Beispiel Schulrucksäcke und Schulranzen hinzu. Es wurden neue Produktionshallen gebaut und die Belegschaft wuchs auf mehrere hundert Mitarbeiter.

Schon in dieser Zeit wurde der Bermas-Shop als Fabrikverkauf eröffnet. 1999 lief der letzte Koffer vom Band, seither konzentriert sich die Firma auf den Bermas-Shop. Die Inhaber Brigitte und Günter Schneider, Enkel des Firmengründers, wandelten den Fabrikverkauf in ein Lederwarenfachgeschäft um. Im Laufe der Jahre wuchs das Angebot, der Shop wurde erweitert, es kamen neue Mitarbeiter hinzu, aktuell sind es zwölf.

2011 ist Schwiegersohn Holger Schmidt in die Firma eingetreten, er führt den Bermas-Outlet-Shop. Auf 350 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es eine Auswahl an Reisegepäck, Handtaschen, Schul- Wander-, Businessrucksäcken, Börsen, Gürteln, Regenschirmen, Tüchern, Einkaufskörben, Sport- und Freizeit- Arbeitstaschen und Schulranzen bekannter Marken. Holger Schmidt ist gelernter Bäcker und Konditor. Er machte eine Weiterbildung zum Meister und Betriebswirt des Handwerks. Von 2009 bis 2012 war er in Elternzeit, währenddessen hat er an der Fern-Uni Hagen ein BWL-Studium absolviert.

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