19.06.2020 - 11:56 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Die Bienen hungern

Wegen der schlechten Witterung bleibt die Sommertracht aus. Die Bienen leiden buchstäblich Futter-Not. "Die Bienen brauchen unsere Unterstützung", sagt der Erbendorfer Imkervereinsvorsitzende Klaus Schmidt. Doch hier ist Vorsicht geboten.

Imker, die an den leckeren Honig wollen, müssen die Waben erst entdeckeln. Doch um überhaupt „ernten“ zu können, braucht es genügend Bienen. Denen mangelt es derzeit jedoch an Futterquellen.
von Jochen NeumannProfil

Löwenzahn und Raps sind abgeblüht. Die Imker ersehnen sich nun die Sommertracht. "Denn aufgrund der schlechten Witterung und dem aktuell schlechten Trachtangebot in der Natur finden die Bienen zu wenig, teilweise gar keinen Nektar." Darauf weist Imkervereinsvorsitzender Klaus Schmidt hin.

In der Landschaft sehe man derzeit überwiegend Grün, sprich Getreidefelder und Wiesen, ohne nennenswerte Nektarquellen oder aufwachsende Maisfelder. "Hier finden die Bienen nicht ausreichend Nektar." Froh ist Schmidt, dass es an vielen Straßenböschungen durch verändertes Mähverhalten wieder häufig blüht. Auch fänden sich vereinzelt einige Blühstreifen, die Landwirte um die Felder angelegt haben. Ebenso seien in privaten Gärten zwischenzeitlich viele bienenfreundliche Blühpflanzen eingebracht worden. Auf den Rasenflächen geben es immer wieder Inseln mit Margriten und sonstigen Blumen extra für die Insekten.

Bis zu 2000 Eier pro Tag

"Allerdings reicht diese sogenannte Läppertracht nicht aus", betont der Imkerchef. Denn die Honigbienen stehen zu dieser Jahreszeit am Höhepunkt der Entwicklung. "Ein Bienenvolk zählt jetzt bis zu 40 000 Bienen und mehr." Die Königin, auch Weisel genannt, lege aktuell bis zu 2000 Eier pro Tag. Für diese umfangreiche Brut benötigten die Bienen entsprechend Pollen und Nektar zum Füttern.

Deshalb bittet der Vorsitzende die Imker, unbedingt den Futtervorrat in den Bienenvölkern zu überprüfen. "Gegebenenfalls muss dann zugefüttert werden, da andernfalls die Gefahr besteht, dass vor allem starke Bienenvölker mangels Nektar verhungern."

Er warnt aber auch. "Eine falsch verstandene Hilfe für die Bienen und Insekten ist allerdings das Füttern mit Honig auf dem Balkon oder am Haus." Dies seien zwar gut gemeinte Angebote, aber sie könnten genau das Gegenteil bewirken. "Denn zum einen füttern Imker fachgerecht speziell für Bienen hergestellten Futtersirup oder Futterteig und zum anderen stammen 75 Prozent aller Honige, die in Deutschland im Handel erhältlich sind, aus dem Ausland."

Der ausländische Honig hat es laut Schmidt in sich. "Weil ein überwiegender Teil der Importhonige die für den Menschen unschädlichen Sporen des Bakteriums Paenibacillus larve enthält, kann ein Honigbienenvolk an dem gefürchteten Erreger der amerikanischen Faulbrut erkranken." Dies bestätigten entsprechende Untersuchungen.

Zerstörerisches Bakterium

Denn die Sporen seien äußerst widerstandsfähig, langlebig und nahezu unbegrenzt ansteckungsfähig. Das Bakterium befalle die Brut der Honigbiene und zerstört diese. Dadurch fehle es an Nachwuchs im Bienenvolk, es werde geschwächt und verendet. "Da diese Seuche hoch ansteckend ist, verbreiten sich die Sporen schnell auf benachbarte Bienenstände." Oftmals seien in kürzester Zeit Bienenvölker einer ganzen Region betroffen.

"Aber auch die Fütterung mit Zuckerwasser als Nahrungsquelle im Garten oder auf dem Balkon sollte tunlichst unterlassen werden", betont der Vorsitzende. Denn darunter könne beispielsweise die Honigqualität empfindlich leiden.

Über die Gefahren von billigem Importhonig hat Klaus Schmidt bereits früher hingewiesen

"Wer Bienen und Insekten helfen möchte, sollte ihnen pollen- und nektarspendende Pflanzen anbieten", rät Schmidt. Gärten, Balkone und Terrassen ermöglichten unter anderem die Gestaltung abwechslungsreicher Lebensräume für alle blütenbesuchenden Insekten. "Eine kräuterreiche Wiese statt englischen Rasen, die Pflanzung oder Saat bienenfreundlicher Stauden, Hecken und Bäume, der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz sind nur einige Beispiele."

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