07.04.2020 - 20:41 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Caritas schlägt Alarm: Altenheime werden immer häufiger zur Virusfalle

Senioren sind durch Corona besonders gefährdet. Weil Ausrüstung fehlt, wird das Virus vor allem in Seniorenheimen immer mehr zum Problem.

Ausrüstung ist in Seniorenheimen oft Mangelware
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Das Coronavirus wird zur Todesgefahr für immer mehr Bewohner in Altenheimen. In jeder zehnten Einrichtung in Bayern wurden Bewohner oder Mitarbeiter positiv getestet, das hat Gesundheitsministerin Melanie Huml am Dienstag erklärt.

Erst vor einigen Tagen schockte die Nachricht aus einem Seniorenheim in Windischeschenbach, in dem drei Senioren verstorben waren. Zig Bewohner und Mitarbeiter waren dort zudem positiv auf den Erreger getestet worden. Am Montag gab es auch in Erbendorf im Caritas-Heim einen Großeinsatz. Feuerwehrleute wurden dort zu Hilfe gerufen, um gesunde von infizierten Patienten zu trennen. Ebenfalls am Montag gab es in einem Heim des Roten Kreuzes in Hirschau einen größeren Einsatz. Während bei den Problemen in Windischeschenbach das Landratsamt Neustadt/WN die Öffentlichkeit durch eine Mitteilung informierte, hält sich das Amt in Tirschenreuth bisher zurück. Auch zu Gerüchten über angebliche Todesfälle in Heimen gibt es keine Informationen. Das Rote Kreuz bestätigt zu Hirschau, dass dort "neun Mitarbeiter und vier Bewohner positiv auf Covid-19" getestet worden seien. Derzeit liefen weitere Tests.

Brandbrief aus Regensburg

Einblick bietet ein Brief, den der Regensburger Diözesan-Caritas-Direktor Diakon Michael Weißmann ans Gesundheitsministerium geschickt hat. In dem Brandbrief beschwert sich der Diakon, dass die Pflege in Sachen Schutzausrüstung lediglich an zweiter Stelle hinter den Krankenhäusern stehe. Während die Zahl der Erkrankten stetig steige, fehle in immer mehr Heimen die Schutzausrüstung für die Pflegekräfte.

Eine Befragung der Caritas-Einrichtungen im Bistum habe ergeben, dass 40 Prozent der ambulanten Pflegedienste und 60 Prozent der stationären keine Schutzausrüstung erhalten haben. Wer sich aber bei der Pflege nicht schützen könne, laufe Gefahr, sich anzustecken und das Virus an Bewohner weiterzugeben. "Einige öffentliche Stellen scheinen zudem mit der Aufgabe der bedarfsgerechten Verteilung der Schutzausrüstung überfordert", heißt es. Die Träger der Heime würden deshalb selbst versuchen, die Produkte zu bestellen. Das gelinge, wenn überhaupt, nur zu sehr hohen Preisen. Dass die Einrichtungen nicht mehr Hilfe erhalten, stoße auf "großes Unverständnis, da die versorgten Personen zur höchsten Risikogruppe zählen".

Problem erkannt

Das Gesundheitsministerium will nun zur Beratung der Einrichtungen eine Taskforce um 100 Personen aufstocken. In den Pflegeeinrichtungen müssten die Infektionsketten unterbrochen werden. Dafür seien bisweilen auch Verlegungen nötig. Auch der akute Materialmangel sei als Problem erkannt. Um die Lage in den Heimen zu verbessern, sei es dringend notwendig, "noch strenger drauf zu schauen".

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