08.03.2019 - 15:24 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Einkehr statt Verzicht

„Der Sinn der Fastenzeit nicht der reine Verzicht, sondern mehr zu leben, bewusster zu leben und sich darüber klar zu werden, was im Leben wichtig ist.“ Davon ist Pfarrer Martin Besold aus Erbendorf überzeugt.

Pfarrer Martin Besold am Aschermittwoch beim Auftragen der Aschekreuze.
von PMLProfil

In einem kurzen Interview verdeutlicht er seine Sicht auf den Sinn und die Bedeutung der Fastenzeit in unserer aktuellen Gesellschaft.

ONETZ: Herr Pfarrer Besold, braucht es heute noch eine Fastenzeit? Oder gerade heute?

Pfarrer Martin Besold: Die Fastenzeit ist gerade heute sehr wichtig. Zum einen in ihrer ursprünglichen Bedeutung als Vorbereitungszeit auf Ostern, das große Fest im Kirchenjahr. Sie gibt den Menschen aber auch die Möglichkeit sich etwas zurückzufahren, sich zu besinnen und in Vorfreude auf dieses Fest hinzuleben. Sie können sich auf des Fest einstellen. Wir rennen sonst direkt von Event zu Event und da ist so eine Zeit, in der man sich vorbereiten kann sehr wichtig.

ONETZ: Ist die Fastenzeit noch zeitgemäß?

Pfarrer Martin Besold: Auf jeden Fall! Sogar vielfach! Sie ist eine Gegenbewegung zu diesem „immer was los“ und gibt einem die Chance sich zurückzunehmen. Und das körperliche Fasten ist ja auch heutzutage ganz aktuell. Und es ist auch nicht schlecht, den Verzicht zu üben, bewusst zu essen und bewusst zu leben. In der Kirche haben wir da ja einen richtigen Schatz: die Feier der Eucharistie. Einfaches Brot und Wein teilen als zentrale Handlung der Liturgie – miteinander. Das ist ganz wichtig für das Christentum.

ONETZ: Gibt es dazu Aktivitäten in Ihrer Gemeinde? Ist etwas geplant?

Pfarrer Martin Besold: Wir veranstalten die „Exerzitien im Alltag“. Dazu gibt es einmal in der Woche ein Gruppentreffen und jeder Teilnehmer soll sich jeden Tag ein bisschen Zeit für ein Gebet und Ruhe nehmen. Am 23. März veranstalten wir einen Einkehrtag. Sonntags und mittwochs werden Kreuzweg-Andachten begangen und am 7. April machen wir ein Fastenessen. Dabei wird es eine einfache, aber sehr gut schmeckende Fastensuppe geben. Mit dem Fastenessen wollen wir das Bewusstsein dafür wecken, dass viele Menschen nicht genug zu essen haben, global gesehen. Wir wollen an Menschen denken, die nicht viel haben und wir wollen bereit werden zu teilen. Deswegen verkaufen wir auch fair gehandelte Waren aus dem Eine-Welt-Laden an einem Sonntag der Fastenzeit nach den Sonntagsmessen. Die Aktionen in der Fastenzeit geben den Menschen der Gemeinde auch die Chance wieder zusammenzukommen, miteinander und über den Glauben zu sprechen. Ein Beispiel ist der „Sinnsucher“-Abend am 17. März im Lorettoheim, wo wir über das Thema „Leid und Tod Jesu“ nachdenken und was das für unser Leben als Christen bedeutet.

Im Kolpinghaus haben wir vom 27. bis zum 31. März auch noch etwas ganz besonderes aufgebaut. Eine Art Parcours, den die Diözese Regensburg als Jugendkirche entworfen hat: „Circle of Life“. Dabei gibt es vier Stationen, durch die man hindurchgehen kann und die einem dabei helfen sollen sich darauf zu besinnen, was die Kraftquellen im eigenen Leben sind. Oder die Baustellen. Und was die Bibel und der Glaube dazu sagt – und das eigene Herz.

ONETZ: Wie gestalten Sie die Fastenzeit für sich selbst? Worauf verzichten sie?

Pfarrer Martin Besold: Ich habe mir vorgenommen mir mehr Zeit für das Gebet und die Stille zu nehmen. Neben den üblichen Gebeten wie Laudes und Vesper. Einfach 10 Minuten stilles Gebet am Tag. Und auf Süßigkeiten verzichte ich, als Übung ob ich davon abhängig bin. Aber ich sage immer, da sollte man nicht zu streng sein. Der reine Verzicht ist nicht die Hauptsache in der Fastenzeit.

ONETZ: Wenn man auf etwas verzichten möchte, haben Sie einen Tipp, wie man die Vorsätze durchhalten kann?

Pfarrer Martin Besold: Man sollte sich nicht verrückt machen und sich nicht zu viel vornehmen. Die Fastenzeit wird mein Leben nicht komplett verändern, aber sie ist ein kleiner Schritt um besser zu leben. Man kann sie als Startpunkt nehmen, um mehr selbst zu leben und nicht gelebt zu werden. Und es braucht keine riesige Fastenleistung. Man kann sich auch an den Leitsprüchen, die am Aschermittwoch ausgegeben werden, orientieren. Sie weisen auf die Hinkehr zum Glauben („Kehr um und glaube an das Evangelium") und darauf, dass wir zwar alle vergänglich, aber wertvoll, sind („Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“).

ONETZ: Wie kann man „modern fasten“?

Pfarrer Martin Besold: Wir haben in unserer Gemeinde für dieses Jahr die Schöpfung in den Mittelpunkt gestellt. Also die Rücksicht auf und das Bewahren der Schöpfung. Ein Ansatz für die Fastenzeit wäre das Plastikfasten. Also einfach möglichst wenig Sachen kaufen, die in Plastik verpackt sind und keine Plastiktüten und dergleichen nutzen. Auch das Digitalfasten wäre ein guter Vorsatz. Computer, Handys und das Internet sind zu einem Zeitfresser geworden. Ein Zeitfresser, mit dem wir ständig leben. Etwas weniger online sein, die Spielereien weglassen wäre gut. Und lieber direkt miteinander reden und im realen Leben zusammenkommen, als nur in der virtuellen Welt.

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