15.05.2020 - 17:03 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Erbendorfer Dokumentationszentrum auf gutem Weg

Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Künftig soll in Erbendorf das Museum "Flucht und Vertreibung" sein Domizil haben. Deren neue Museumsleiterin Kerstin Pöllath und Bürgermeister Johannes Reger machten sich vor Ort ein Bild.

Von der „Alten Schmiede“ bleibt nach der Sanierung die alte Esse erhalten, in der der Banrucker-Schmied sein Eisen heiß hielt. Ein Bild von den Umbauarbeiten machten sich (von links) Museumsleiterin Kerstin Pöllath und Bürgermeister Johannes Reger.
von Jochen NeumannProfil

"Ein langer Leerstand wird so einer interessanten Nutzung zugeführt", stellte Bürgermeister Johannes Reger fest. Um die "Alte Schmiede" museal nutzen zu können, wird sie derzeit saniert. Der frühere Bürgermeister Hans Donko konnte hierzu über die "Förderoffensive Nordostbayern" für die Baumaßnahme eine Förderung von 90 Prozent an Land zu ziehen. Damit entfällt von den Gesamtkosten von 1,8 Millionen auf die Stadt ein Eigenanteil von 180 000 Euro.

Mit Plesna in Tschechien

Aus Donkos Idee zum Aufbau des Dokumentationszentrums "Flucht und Vertreibung" entstand ein gemeinsames EU-gefördertes Projekt mit der tschechischen Partnerstadt Plesna mit dem Titel "Bayerisch-böhmische Ausstellungen zur Kriegs- und Nachkriegsgeschichte und zu geologischen Gemeinsamkeiten".

Dem zukünftigen Museum werden insgesamt gut 400 Quadratmeter Ausstellungs- und Büroflächen zur Verfügung stehen. "Das Museum nimmt seine räumlichen Formen an", stellte Reger beim Rundgang durch die Baustelle fest. Auch Museumsleiterin Pöllath ist begeistert von ihrer neuen Wirkungsstätte. "Jetzt geht es parallel darum, das Museum inhaltlich mit Leben zu füllen."

Sie steckt bereits voll in den vorbereitenden Arbeiten. Auch über die zukünftigen Zielgruppen hat sie sich Gedanken gemacht. Ganz besonders am Herzen liegt ihr dabei die Zusammenarbeit mit den regionalen Schulen. "Denn das Thema Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg behandeln die Schüler im Geschichtsunterricht, und daneben ist es vielen sicherlich auch aus der eigenen Familie, etwa durch die Groß- oder auch Urgroßeltern, bekannt."

Wie die Thematik an den Mann beziehungsweise an die Schüler gebracht werden könnte, dazu hat Pöllath bereits Ideen. "Spannend und wertvoll sowohl für die Zeitzeugen,als auch für die jüngere Generation können sicher gemeinsame Erzählnachmittage sein, bei denen die Erfahrungen und Lebensgeschichten hautnah vermittelt werden." Wie konnte es gelingen, sich hier in der Gegend eine neue Heimat aufzubauen? Welche Traditionen und Erinnerungen wurden in der Familie bewahrt und bis heute weitergegeben? Wie entstand ein neues Gemeinschaftsgefühl? Wann war man wirklich "angekommen"?

Aktueller Bezug

"Wenngleich sich das Museum schwerpunktmäßig vor allem mit der Phase der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, hat dieses Thema auch einen stets aktuellen Bezug", führte die Museumsleiterin weiter aus. Denn unzählige Menschen verließen jeden Tag ihre Heimat auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Katastrophen und versuchten, in ein sicheres Land zu gelangen, um dort angstfrei leben zu können. Die Begriffe "Fremde" und "Heimat", "Integration" und "Identität" seien daher immer präsent und werden auf allen Ebenen diskutiert. "Eben dieser Bogen zur heutigen Situation soll auch im neuen Museum gespannt werden und den Besuchern in Führungen, aber auch in Vorträgen und Gesprächsrunden nahegebracht werden."

Räumlichkeiten werden für diese Art der Geschichtsvermittlung im neuen Museum zur Verfügung stehen. Darüber hinaus soll ein "begehbares Depot" die Möglichkeit bieten, auch selbst aktiv zu werden, zu stöbern und die Sammlung zu entdecken. Audiovisuelle und Hands-on-Stationen sollen die Sinne ansprechen und Wissen interaktiv und spielerisch vermitteln.

"Eigentlich sollten die Arbeiten bis zum Ende des Jahres zügig voranschreiten", so Pöllath. Das Corona-Virus bremse aber derzeit das gesamte öffentliche Leben und damit ebenso das Museum aus. Während die Bauarbeiten momentan wie geplant weiterlaufen könnten, stehe das Museumsteam vor einem Problem: Der Austausch mit den Zeitzeugen und potenziellen Leihgebern für die Ausstellung ist nicht im direkten Kontakt möglich.

Nichtsdestotrotz bittet das Museumsteam weiterhin um Kontaktaufnahme durch Leihgeber und Bürger, die einen Beitrag zum Aufbau der Sammlung leisten können, unter Telefon 09682/9210-34 in der Stadtverwaltung. "Sobald sich die Lage entspannt hat und Gespräche wieder direkt möglich sind, wird dann ein Weg gesucht, Termine zu vereinbaren", sagte Pöllath.

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