17.04.2020 - 17:32 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Erbendorfer Firma "argusto" sorgt für volle Regale durch Datenanalyse

Die 2015 gegründete Firma befasst sich mit dem optimalen Zusammenstellen von Warensortimenten. Nun, in der Corona-Pandemie, sieht der Geschäftsführer die Lösungen des Unternehmens als systemrelevant an. Er erklärt, warum.

Lena Busch (links) und Claudia Schmidt arbeiten bei der Erbendorfer Firma "argusto" im Bereich Produktdigitalisierung. Sie halten die Stellung im Büro - natürlich mit ausreichend Abstand - die restlichen Mitarbeiter sind im Homeoffice.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Das Marktforschungsunternehmen möchte ermöglichen, dass die Kunden im Supermarkt vor prall gefüllten Regalen stehen - und das immerzu. So umschreibt es Geschäftsführer Norbert Klamt. Er leitet die Erbendorfer Firma "argusto". Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, für deren Kunden die optimalen Warensortimente im Bereich Lebensmittel zusammenzustellen. Ihr Angebot, so Klamt, nutzen Lebensmittelproduzenten, aber auch Händler (Hintergrund).

Weil man sich so noch wenig vorstellen kann, wie die Arbeit abläuft, erklärt der Geschäftsführer: "Wir analysieren, wie die Sortimente idealerweise gestaltet werden müssen, um optimal die Kundenbedürfnisse abzudecken. Für die Belieferung der Supermärkte gibt es sogenannte Mischkartons. Darin befinden sich verschiedene Waren. Wir erarbeiten, wie die Kartons - etwa abgestimmt auf die Region oder die Saison - optimal bestückt werden müssen, damit sie nicht mit 'Bremsern' gefüllt sind." Bremser, so Klamt, sind Waren, die von den Kunden - abhängig von verschiedenen Einflussfaktoren - nicht stark nachgefragt werden. Für Klamt seien das Ressourcen, die für Waren von höherem Kaufinteresse hätten eingesetzt werden können.

Versorgung sicherstellen

Nun, in Zeiten von Corona, setzt die Arbeit von Klamt und seinen Mitarbeitern genau an diesem Punkt an. "Wir gehen jetzt mehr auf die Versorgungssicherheit ein", sagt er. Dabei gehe es weniger darum, Trends aufzuspüren, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Klamt denkt dabei eher an die derzeit große Nachfrage nach bestimmten Produkten und, wie es zu Beginn der Krise der Fall gewesen sei, an leere Supermarktregale.

Der Unternehmer erklärt, dass die Lösungen seiner Firma dazu beitragen, Ressourcen bedarfsgerecht einzusetzen. Er und sein Team wollen so "die Warenversorgung gewährleisten". Durch die Arbeit der Erbendorfer Firma könnten leere Regale in Supermärkten vermieden werden, sagt Klamt. Dafür seien er und sein Team damit beschäftigt, tagesaktuell zu analysieren, welche Lebensmittel am stärksten nachgefragt werden. Derzeit würden sie vermehrt auch Bedarfe an Hygieneartikeln auswerten.

So wüssten die Produzenten, welche Waren in größeren Mengen herzustellen seien und welche Produkte gerade wenig bis gar nicht nachgefragt werden. Und in den Supermärkten könnten die Regalplätze optimal, auf die Kundenbedarfe angepasst, bestückt werden, sagt er. "Mit den Daten, die wir für unverzichtbare Lebensmittelproduzenten erheben und analysieren, leisten wir eine systemrelevante Arbeit für die Versorgungslage, gerade in diesen schwierigen Zeiten", sagt er.

Acht Millionen Datensätze

Immer wieder spricht Klamt von "Big Data" und erklärt: "Mit mehr als acht Millionen Datensätzen in unserer eigenen Software kennen wir die Marktsituation und bilden Veränderungen kontinuierlich und in Echtzeit ab." So könne eine Versorgung mit Lebensmitteln in ausreichender Menge sichergestellt werden. "Möglichst volle Regale schaffen ein Gefühl der Sicherheit bei der Bevölkerung und beugen Hamsterkäufen vor", ist sich der Unternehmer sicher.

Die Daten würden sie ihren Kunden digital zur Verfügung stellen. "Das hilft uns gerade sehr." Denn auch bei ihnen laufe der Betrieb derzeit im Homeoffice - auch wenn es für die Erbendorfer Firma "kein Novum" sei, "da die Teams in ganz Deutschland verteilt sind".

Technologien nutzen

Auch eine Chance für die Krise sieht Klamt durch den Einsatz der Technologien. "Beim Fischfilet erwarten wir die digitale Rückverfolgung per Handy, um alles zur Fangmethode und zum jeweiligen Fanggebiet zu erfahren", nennt er als Beispiel. Das könne er sich auch für das Nachvollziehen von Infektionsketten vorstellen.

Und auch für unter Quarantäne stehende Personen oder Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und im Berufsalltag sowieso schon einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt seien, könne er sich Lösungen, etwa für kontaktfreies Einkaufen, vorstellen. Zahlreiche digitale Lösungen dafür würden schon marktreif bereitstehen, meint Klamt. Nun, sagt er, müsse man sie auch nutzen.

Geschäftsführender Gesellschafter der "argusto" GmbH Norbert Klamt (rechts) mit Zweitem Bürgermeister der Stadt Erbendorf Johannes Reger. Die Firma hat kürzlich die Auszeichnung „Great Place To Work 2020“ erhalten.
Im Blickpunkt:

Auszeichnungen erhalten

Die "argusto" GmbH aus Erbendorf ist unter den Siegern des diesjährigen "Great Place To Work"-Wettbewerbs. Die Firma hat die Auszeichnungen "Beste Arbeitgeber im Consulting" und "Beste Arbeitgeber in Bayern" erhalten. Es gebe mehrere Preisträger in beiden Kategorien, unter denen auch die Oberpfälzer Firma sei, sagt Klamt. Am Wettbewerb "Beste Arbeitgeber im Consulting 2020" hätten Beratungsunternehmen aller Größen und Branchensegmente teilgenommen. Sie stellten sich einer freiwilligen Prüfung der Qualität und Attraktivität ihrer Arbeitsplatzkultur durch ein unabhängiges Institut und dem Urteil der eigenen Mitarbeiter, heißt es seitens der Firma. Die "argusto"-Mitarbeiter wurden anonym etwa zu den Themen Work-Life-Balance oder Identifikation mit dem Unternehmen befragt.

Erbendorfs Zweiter Bürgermeister Johannes Reger gratulierte Geschäftsführer Norbert Klamt persönlich zu der Auszeichnung. "Als Stadt freuen wir uns, so innovative Unternehmen wie 'argusto' vor Ort zu haben", sagte Reger. Klamt sprach mit ihm auch über die soziale Rolle des Unternehmens. So seien Lebensmittel, die für die Marktforschung der Firma benötigt werden, immer an die Mitterteicher Tafel gespendet worden. Da diese wegen der Coronakrise derzeit keine Waren mehr annehmen könne, sei eine Kooperation mit dem Jugendrotkreuz Erbendorf entstanden. Es verteile aktuell die Lebensmittel an bedarfsberechtigte Menschen.

Hintergrund:

Das Unternehmen

18 fest angestellte Mitarbeiter arbeiten in der Erbendorfer Firma. Zudem gibt es noch ein sogenanntes "Scouting Team", in dem durchschnittlich rund 20 Mitarbeiter, darunter hauptsächlich Studenten, arbeiten. Das im Jahr 2015 gegründete Unternehmen beschäftigt sich mit der Analyse von optimalen Warensortimenten. Die Kunden, sagt Geschäftsführer Norbert Klamt, sind etwa führende Lebensmittelhersteller in ganz Deutschland. Die Firma ist in 210 Regionen in insgesamt 21 Ländern in Europa präsent, der Schwerpunkt liege mit 160 deutschen Regionen in der Bundesrepublik, sagt Klamt.

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