12.07.2019 - 15:49 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Erbendorfer Flugsportler im Auf und Ab der Zeit

Die Erbendorfer Flugsportler feiern am vom 13. bis 14. Juli beim Flugplatzfest ihr Jubiläum zum 90-jährigen Bestehen des Aero-Clubs. Ein Blick in die bewegte Historie des Vereins:

Der neue Motorsegler und die neu errichtete Flugzeughalle des Aero-Clubs Erbendorf wurden 1977 eingeweiht und in Betrieb genommen.
von Autor GDÖProfil

Der Aero-Club Erbendorf und sein Partnerverein Segelflugverein Grafenwöhr wollen den 90. Geburtstags des Vereins ausgiebig feiern. Die Bevölkerung ist eingeladen, sich mit dem "Flugvirus" anstecken zu lassen. Genau wie die flugbegeisterten Bürger Lois Bauer und Hans Edelmann vor über 90 Jahren. Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 erforschten zahlreiche Flugbegeisterte auf der Wasserkuppe in der Rhön den Segelflug. Diese Faszination breitete sich über ganz Deutschland aus, der "Flugvirus" erreichte auch Erbendorf. Bauer und Edelmann entschlossen sich 1928 ein Flugzeug zu bauen. Zur Finanzierung ihres Vorhabens entwarfen sie eine Ansichtskarte mit der Rohbauansicht.

Diese Karte ist die "Geburtsurkunde" des Aero-Clubs Erbendorf. Mit dem Verkauf der 1000 Karten kam etwas Geld für das Baumaterial in die Kasse. Gebaut wurde dieser erste Segler auf dem Dachboden einer Scheune am "Mühlbühl". Nach Fertigstellung des Rohbaus musste ein Teil des Dachs abgedeckt werden, um das Fluggerät ins Freie zu bringen. Den Erbauern schlossen sich schnell weitere Flugpioniere aus Erbendorf und der näheren Umgebung an: Gottfried und Heinrich Linkel, Georg Steinkohl, Fritz und Ludwig Bergler sowie Hermann Kammerer.

1929 erster Flugtag

Schon am Wochenende vom 27. und 28. Juli 1929 veranstaltete die Gruppe zusammen mit dem Erbendorfer Turnverein bei deren Turnfestes einen Flugtag. Attraktion waren die Flugvorführungen der Kunstfliegerin Christl Mariele Schultes aus München. Diese verdrehte nicht nur mit ihren Loopings der männlichen Bevölkerung den Kopf. Zu dem Zeitpunkt wurde die Interessengemeinschaft von Flugbegeisterten bei der Segelflugschule Hornberg auf der Schwäbischen Alb geschult. Der Verein "Fliegerortsgruppe Erbendorf" wurde erst am 7. März 1934 gegründet und zweieinhalb Jahre später ins Vereinsregister eingetragen.

D-13-224 übersteht Krieg

Bald genügte das einfache Flugzeug von Luis Bauer und Hans Edelmann nicht mehr. Die Bühne der Stadthalle wurde zur Flugzeugwerft umfunktioniert und ein "Grunau Baby" gebaut. Stolz präsentierten die Flugsportler im Mai 1934 der Bevölkerung den Rohbau auf dem Marktplatz.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges verboten die Besatzungsmächte jede fliegerische Tätigkeit, darunter fiel anfangs sogar der Modellflug. Doch die Begeisterung fürs Fliegen blieb: In ganz Deutschland wurden im Verborgenen Vereine gegründet, Modell- und sogar richtige Flugzeuge gebaut. Das Erbendorfer "Baby" mit dem Kennzeichen D-13-224 überstand den Krieg bei Vereinskameraden Wilhelm Schraml in einem Heuschober. Die Enttäuschung: Es war nicht mehr zulassungs- und flugfähig war. Gleich nach der Wiederzulassung des Segelflugs im April 1951 gründeten die Flieger am 15. Mai den 1937 zwangsaufgelösten Verein erneut. Zur Gründungsversammlung im Café Bogner kamen 17 Flugsportler. Sie wählten den Namen Aero-Club Erbendorf. In den Vorstand wurden Willi Bauer, Hans Edelmann, Josef Grünauer und Hermann Kammerer als Ehrenvorsitzender gewählt.

Hangar seit 1977 in Betrieb

Durch Grunderwerb und neue Pachtverträge konnte 20 Jahre später ein erster Ausbau der Start- und Landebahn erfolgen. Im Frühjahr 1976 begann der Aero-Club mit dem Bau einer eigenen Flughalle. Im Sommer 1977 wurde der neue Motorsegler eingeweiht und die Halle in Betrieb genommen. 1987 schloss der Aero-Club Erbendorf einen Mitbenutzungsvertrag mit dem Segelflugverein Grafenwöhr.

Ein weiterer Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte war die feierliche Einweihung der befestigten Start- und Landebahn Ende Juni 1990. Unter den vielen Gästen in der Schweißlohe waren unter anderem Staatsminister August Lang und Landrat Bruno Ponnath.

Bestens ausgebaut

Das Segelfluggelände Erbendorf-Schweißlohe wurde erstmals 1955 durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr zugelassen. Diese wurde mehrmals ergänzt und den Erfordernissen angepasst. Aktuell ist das Gelände für den Segelflugbetrieb mit Winden- und Flugzeugschleppstart zugelassen. Außerdem besteht eine Zulassung für Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge. Motorflugzeuge dürfen das Gelände nur zum Schleppen von Segelflugzeugen benutzen. Das Fluggelände ist mit einer befestigten Start- und Landebahn bestens ausgebaut. Die ebenfalls befestigte Zufahrt, Strom- und Wasserversorgung, zwei Flughallen sowie das Clubheim mit Flugleitungsturm sichern die erforderliche Infrastruktur. Im Juni 2019 wurde für das Fluggelände mit der Katholischen Pfarrpfründe Stiftung Regensburg ein Erbpachtvertrag für 99 Jahre unterschrieben.

Im Mai 1934 präsentierten die Erbendorfer Flugpioniere auf dem Marktplatz stolz den Flieger „Grunau Baby“.
Flugfest zum 90. Geburtstag des Aero-Club:

Das Festprogramm:

Das Jubiläumsfest der Erbendofer Flieger zum 90-jährigen Bestehen sieht folgendes Programm vor: Am Samstag, 13. Juli, können die Kinder und Jugendlichen wieder zum vergünstigten Preis zu einem Rundflug über ihre Heimat starten. Am frühen Abend wird Tim Stadler aus Weiden, Mitglied beim „Red Bull Aerobatic Team“, zeigen, was mit einem Modellflugzeug alles möglich ist. Abends spielt die vierköpfige Band „Veya Beya“ aus der Region live im Zelt auf dem Flugplatz. Die Erbendorfer Flieger-Jugend lädt zum Konzert ein. Der Sonntag, 14. Juli, beginnt um 10 Uhr mit dem traditionellen Flugplatz-Gottesdienst, den Erbendorfer Stadtpfarrer Martin Besold zelebriert. Danach ist Weißwurst-Frühschoppen und der fliegerische Festbetrieb. Die Besucher sind eingeladen mit erfahrenen Vereinspiloten in den Motorseglern, den UL-Flugzeugen, dem viersitzigen Motorflugzeug oder im Segelflugzeug zu einem Rundflug zu starten. Für den Abend ist der Start eines Heissluftballons vom Flugplatz geplant.

Weitere Infos zum Aero-Club:

Auf dem Bild von 1929 zu sehen ist das Segelflugzeug „Erbendorf I“ und seine beiden Erbauer Luis Bauer und Hans Edelmann.

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